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Dossier Fußball-WM 2006

Schweden


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Regina König
Einleitung

Landesflagge Schweden
 
Die Nachkommen der Wikinger haben nach Jahrzehnten in ihrem gemütlichen Volksheim den Biss verloren – außer im Sport. Es ist bemerkenswert, wie viele Talente und Weltstars in so unterschiedlichen Sportarten wie Tennis (Björn Borg, Mats Wilander), Leichtathletik (Kajsa Bergqvist, Henrik Sjöberg, Carolina Klüft, Stefan Holm, Christian Olsson), Ski-Abfahrt (Ingemar Stenmark, Anja Pärson) oder Armdrücken (Heidi Andersson) ein Neun-Millionen-Volk hervorbringen kann. Das liegt aber nicht nur in den Genen, sondern ist erstens eine Frage der Sportförderung und zweitens des Ansehens und der Unterstützung. Fußball ist in Schweden ein echter Volkssport und genießt höchstes Ansehen. Dabei sind die Herren – im Gegensatz zu den schwedischen Fußballfrauen, den Eishockey- und Handballspielern (ganz zu schweigen von den Bandy-, Innebandy- oder Orientierungsmannschaften) – niemals Welt- oder Europameister geworden. Die Vizeweltmeisterschaft im eigenen Land 1958 (2:5 gegen Brasilien) war der bislang größte Erfolg.

Zur Person
Regina König, geb. 1961, ARD-Korrespondentin, ist ein Nordlicht aus Schleswig-Holstein und lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Stockholm, um für die Hörfunkprogramme der ARD zu berichten - aus Norwegen und Schweden, Island und Dänemark, Finnland und Estland, Lettland und Litauen. Sie hat Journalistik und Politik studiert, promoviert.

Land und Leute

Mittsommer und Lucia, Krebsessen und Osterhexen, Julbord, das Weihnachtsbuffet und Surströmmingspremiere (gegorener Ostseehering) – der schwedische Kalender ist voller wiederkehrender Feste und Bräuche, die im ganzen 1.500 Kilometer langen Land gefeiert werden. Das schafft Verbundenheit, Traditionen und es hat viel mit Essen und Trinken zu tun. Schweden sind gesellig, aber unnahbar, wenn es darum geht, enge Freundschaften mit Zugereisten zu knüpfen – da sind sich Ausländer einig, die schon länger im Land leben. Das Königreich, in dem die Monarchie nur noch repräsentative Aufgaben, aber großen identitätsstiftenden Charakter hat, gehört zwar seit 1995 zur EU, bezeichnet Europa jedoch immer noch als "Kontinent" – als wäre dieser weit weg und als würde man nicht dazu gehören! Immer noch ist die Gesellschaft geprägt von den "Volksheim"-Attributen: Gleichheit, Gleichstellung, Gleichberechtigung, Solidarität.

Seit 200 Jahren gab es keinen Krieg; mit seiner Neutralitätspolitik (die in Wahrheit so neutral nicht war) hat es das mit neun Millionen Einwohnern bevölkerungsarme Land geschafft, sich aus allem heraus zu halten. "Villa, Vovve, Volvo" – "Haus, Hund, Auto"; das ist immer noch der gemeinsame Nenner, der alle Schweden verbindet. Ein weiteres Ziel für den Durchschnittsschweden ist eine falurote "stuga", ein Sommerhaus auf dem Land, am liebsten im Schärengarten. Die Naturverbundenheit der Schweden ist geradezu sprichwörtlich und findet ihren Ausdruck nicht nur in den vielen dem Klima und der Jahreszeit angepassten Sportarten, die mit großer Begeisterung und Hingabe betrieben werden (schon die Kleinsten können Eishockey spielen oder Ski laufen!), sondern z.B. auch in der Jagdleidenschaft, die in der Saison ganze Betriebe lahm zu legen droht.


05. Dezember 2005

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