Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst (v.l.n.r.). Abschied vor der Abfahrt zur Ostfront, München Juli 1942.

Alexander Schmorell

20.4.2005
Geboren am 16. September 1917 in Orenburg/Russland, zum Tode verurteilt am 19. April 1943, ermordet am 13. Juli 1943 in München.

Alexander Schmorell in Uniform.Alexander Schmorell in Uniform. (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
Für die Nationalsozialisten ist Russland das Land der Bolschewiken und ab Juni 1941 auch Kriegsgegner. Für Alexander Schmorell ist es Geburtsland und geistige Heimat, auch wenn er dort nur wenige Jahre gelebt hat. Seine russische Mutter stirbt, als er ein Kleinkind ist, 1921 zieht sein deutschstämmiger Vater nach München. Alexander wächst zweisprachig auf.

Nach Abitur und Arbeitsdienst wird Alexander Schmorell zum Wehrdienst eingezogen. Wie alle Soldaten muss er den Eid auf Hitler leisten. Er tut es, bittet aber kurz danach – vergeblich – um seine Entlassung aus dem Militär. 1939 beginnt er in Hamburg Medizin zu studieren. Im Frühjahr 1940 wird Schmorell als Sanitäter an die Westfront abberufen. Im April 1941 kommt er zu einer Studentenkompanie in München, wo er Hans Scholl, später auch Willi Graf kennen lernt. Er führt seinen Schulfreund Christoph Probst und die Hamburger Kommilitonin Traute Lafrenz in den Kreis ein. Er entdeckt seine Begeisterung für Bildhauerei, modelliert und zeichnet selbst. In Hans Scholl findet Schmorell einen Gleichgesinnten. Sie famulieren am selben Krankenhaus, gehen auf Paddeltour und entschließen sich, gegen das nationalsozialistische Regime aktiv zu werden.

Zitat

Alexander Schmorell an die russische Freundin Nelly, 9. Dezember 1942

"Unruhe, furchtbare Unruhe ist der Hauptzug in meinem hiesigen Leben. Ich würde es hier nicht mehr aushalten, hätte ich nicht hier einige Verpflichtungen. Nur diese geben mir das moralische Recht hier zu bleiben. Sind diese Verpflichtungen beendet, so ist auch mein Verbleiben in Deutschland beendet. Dann erfüllt sich mein glühendes Verlangen, .... dann kehre ich zurück nach Russland, nach meiner Heimat."


Freunde seit der Schulzeit: Christoph Probst und Alexander Schmorell.Freunde seit der Schulzeit: Christoph Probst und Alexander Schmorell. (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
Zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942 verfassen und versenden die beiden die ersten vier Flugblätter der "Weißen Rose". Schmorell besorgt eine Schreibmaschine, einen Vervielfältigungsapparat und formuliert wichtige Passagen der Texte. Ihm wird unter anderem der Teil des zweiten Flugblatts zugeschrieben, in dem der Holocaust an den Juden angeprangert und als "fürchterlichstes Verbrechen an der Würde des Menschen" verurteilt wird. Ende Juli 1942 werden Schmorell, Hans Scholl und Willi Graf in die Sowjetunion zur "Front-Famulatur" abkommandiert. Alexander Schmorell kehrt in deutscher Uniform in sein Geburtsland zurück, in dem der nationalsozialistische Vernichtungskrieg tobt. Er sucht und findet Kontakte zu Landsleuten und wird in seiner Liebe zu seiner russischen Heimat bestärkt. Zurück in München beginnt er gemeinsam mit Scholl und Graf, Kontakte zu anderen Regimegegnern zu knüpfen.

Während einer Vorlesung.Während einer Vorlesung. (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand.)
Im Januar und Februar 1943 arbeitet Schmorell an der Herstellung und Verbreitung des fünften und sechsten Flugblatts mit. Letzteres wird von dem regimekritischen Professor Kurt Huber verfasst, der seit Ende 1942 aktiv die Gruppe unterstützt. In nächtlichen Aktionen malen Schmorell, Scholl und Graf Freiheitsparolen an öffentliche Gebäude. Nach der Verhaftung von Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 versucht Schmorell, auf dem Lande unterzutauchen. Doch er muss nach München zurückkehren, wo er steckbrieflich gesucht wird. Am 24. Februar wird er während eines Bombenangriffs in einem Luftschutzkeller erkannt und verhaftet. Am 19. April 1943 werden Alexander Schmorell, Willi Graf und Professor Kurt Huber vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Am 13. Juli 1943 wird er in München durch das Fallbeil hingerichtet. Alexander Schmorell wird 25 Jahre alt.

Kirsten Schulz



 

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