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Hintergrund aktuell (17.03.2009)
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Debatte über AtomausstiegAngesichts des Klimawandels, steigender Energiekosten und der Abhängigkeit
von Energie-Importen hat die Diskussion um die Vor- und Nachteile der
Kernenergie wieder an Bedeutung gewonnen. Am Donnerstag (19.03.2009)
hat der Bundestag über den Atomausstieg debattiert.
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| Das Atomkraftwerk Brunsbüttel - hier kam es 2007 zu einem Störfall, Foto: AP |
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Als Reaktion auf Energie- und Versorgungsengpässe planen eine Reihe
europäischer Länder wie beispielsweise Schweden, Polen, Tschechien, Italien,
Frankreich und Großbritannien wieder Atomreaktoren zu bauen. Auch in
Deutschland ist die Debatte um den Atomausstieg neu entfacht. Während
Befürworter der Kernenergie angesichts der geänderten globalen
Rahmenbedingungen auf längere Laufzeiten für Atomkraftwerke drängen, wollen
Kritiker an dem Konsens zur befristeten Nutzung der Kernenergie festhalten.
Am Donnerstag hat sich auch der Bundestag mit dem Thema befasst. Anlass für die
Plenardebatte waren mehrere Anträge von Bündnis 90/Die Grünen sowie eine
Große Anfrage der FDP zum Thema Nutzung und Ausstieg aus der Kernkraft, die
den Abgeordneten zur Beratung und Abstimmung vorlagen.
Hintergrund ist der im Jahr 2000 zwischen der damaligen rot-grünen
Bundesregierung und den Energieversorgungs- unternehmen vereinbarte Ausstieg
aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Mit dem 2002 in Kraft getretenen Gesetz zur "geordneten Beendigung der Nutzung der Kernenergie zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität" wurde der langsame Ausstieg aus der Atomkraft besiegelt. Es änderte das Atomgesetz von 1959 grundlegend: statt der Förderung der Kernenergie ist nunmehr ihre geordnete Beendigung Zweck des Gesetzes. Demnach ist die Laufzeit für die deutschen
Kernkraftwerke auf durchschnittlich 32 Jahre seit Inbetriebnahme befristet.
2021 soll voraussichtlich das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen. Zudem
dürfen nach dem Atomkonsens keine neuen Atomkraftwerke in Deutschland gebaut
werden.
Gleichzeitig wurde in Deutschland die Förderung und der Ausbau der
regenerativen Energien vorangetrieben.
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Weltweiter Verbrauch von Primärenergie - zum Vergrößern klicken Sie bitte auf die Grafik!
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Mit dem Ende 2007 beschlossenen
"Integrierten Energie- und Klimaprogramm" (IEKP) soll der Anteil
erneuerbarer Energien an der Stromversorgung von derzeit rund 14 Prozent
(Stand: Februar 2009) bis zum Jahr 2020 auf mindestens 30 Prozent erhöht
werden. Dadurch soll die Abhängigkeit von Energie-Importen gemindert, die
Versorgungssicherheit gestärkt und ein wichtiger Beitrag zur Senkung
klimaschädlicher CO2-Emissionen geleistet werden.
Gerade diese Argumente führen aber auch Befürworter der Atomenergie ins
Feld: Die Erzeugung von Kernenergiestrom sei aufgrund seines geringeren
Anteils an Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilen Energieträgern
klimafreundlich. Zudem sei die Versorgung mit Uran vor dem Hintergrund der
hohen Importabhängigkeit Deutschlands bei Erdöl und Erdgas vergleichsweise
sicher: Während sich die fossilen Energiereserven auf eher unruhige Regionen
konzentrierten, komme Uran nahezu überall auf der Welt vor. Aufgrund des
weltweit steigenden Energieverbrauchs und der begrenzten fossilen
Energiereserven könne sich diese Problematik künftig noch verschärfen,
argumentieren die Fürsprecher. Demnach seien auch die erneuerbaren Energien
kein realistischer Ersatz für die Kernenergie. Sie könnten den wachsenden
Energiebedarf allein kaum abdecken und seien nicht grundlastfähig. Die
Grundlastversorgung bezeichnet die permanent benötigte Leistung für eine
stabile Stromversorgung. 2007 stammten rund 22 Prozent der
Bruttostromerzeugung aus Atomkraftwerken - bei der Grundlastversorgung mit
Strom betrug dieser Anteil knapp 48 Prozent. Solange es noch keine
Speichermöglichkeiten für die gewonnene Wind- und auch Solarenergie gebe,
könnten die erneuerbaren Energien keine stabile Stromversorgung garantieren.
Demgegenüber verweisen Kritiker der Atomenergie vor allem auf Probleme der
Sicherheit und Nachhaltigkeit, die sich mit dieser Art der Stromerzeugung
verbinden: Die Störfälle in den Atommeilern Krümmel und Brunsbüttel 2007
hätten gezeigt, wie sehr die Unfallwahrscheinlichkeit mit dem Alter steige.
Zudem stellten die Atomkraftwerke vor dem Hintergrund terroristischer
Bedrohung ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Auch fehle es an Knowhow und
ausreichend qualifiziertem Personal sowohl für den Bau der Werke als auch
deren Betrieb und für die Entsorgung - nicht zuletzt ein weiteres großes
Sicherheitsrisiko.
Der relative Klimavorteil im Vergleich zu fossilen Energieträgern wiege die
schwerwiegenden Umweltprobleme bei Uranabbau und Atommüllentsorgung nicht
auf. Je länger die Laufzeiten der Atomkraftwerke seien, desto mehr nehme
auch die Problematik der Entsorgung zu. Nach Angaben des
Bundesumwelt- ministeriums gibt es derzeit in Deutschland 6000 Tonnen
hochgefährlicher Atomabfälle in Form radioaktivbelasteter Brennelemente. Bis
zur Abschaltung des letzten Atomkraftwerkes werden noch weitere 4800 Tonnen
dazukommen. Damit einher geht die Frage nach der Endlagerung des Atommülls,
die bislang allerdings ungelöst ist. Daher seien die erneuerbaren Energien
nicht nur hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Bedeutung.
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