
|
 |

 |
Konfliktporträts
 |
 |

Libanon |
|
| Heiko Wimmen |
| Die Geschichte des Libanon ist geprägt von einem Wechsel zwischen Phasen friedlicher Machtteilung und erbitterten Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Es besteht weiter die Gefahr, dass regionale Konflikte zur Verschärfung der inneren Gegensätze und Gewalt führen.
|
 |
 |
| Mitglieder der Hisbollah auf einer Parteiveranstaltung zum "Märtyrer-Tag" der Hisbollah im November 2009. Foto: AP |
 |
 |  | Aktuelle Situation
Der Libanon ist politisch in zwei Lager gespalten. Die Hisbollah und ihre Verbündeten, die seit Juni 2011 die Regierung stellen, sehen das Land als Teil einer Allianz gegen eine "israelisch-amerikanische Hegemonie" im Nahen und Mittleren Osten. Die pro-westliche Opposition betrachtet die Hisbollah und ihre beträchtlichen Waffenarsenale als Gefahr für die äußere und innere Sicherheit und warnt vor neuerlicher Verwicklung in regionale Konflikte.
|
 |
Zur Person |
 |
 |
 |
 |
Heiko Wimmen Heiko Wimmen ist Promotionsstipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung an der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Er arbeitet zu Bedingungen sozialer Mobilisierung in ethnisch und religiös diversen Gesellschaften. Von 2004 bis 2009 war er Programm-Manager des Beirut-Büros der Heinrich Böll Stiftung, zuvor Journalist am gleichen Ort.
|
 |
 |
 |  | Das pro-westliche Lager musste trotz eines knappen Sieges in den Parlamentswahlen vom Juni 2009 nach intensiver Vermittlung durch Syrien und Saudi-Arabien erneut eine "Regierung der Nationalen Einheit" mit der Hisbollah und ihren Verbündeten bilden. Diese Regierung zerbrach im Januar 2011 über unvereinbare Positionen zur Kooperation mit dem "Sondertribunal für Libanon" (STL). In dessen im August 2011 veröffentlichten Anklageschrift werden prominente Hizbollah-Vertreter als Beteiligte an der Ermordung des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten, Rafik El-Hariri, im Februar 2005 benannt. Erst nach langwierigen Verhandlungen konnten die Hisbollah und ihre Verbündeten im Juni 2011 eine Regierung unter Najib Mikati bilden. Deren Stabilität und Effizienz wird jedoch weiterhin von Gegensätzen über das Hariri-Tribunal sowie durch Streit um Ämter und Einfluss beeinträchtigt.
 |
 |
 |
 |
Das libanesische Kabinett unter Präsident Michel Suleiman im November 2009. Foto: AP
|
 |
|  |
 |
Die Ereignisse des "Arabischen Frühlings" führten auch im Libanon zu Demonstrationen gegen das herrschende politische System. Diese wurden jedoch rasch von Hisbollah und ihren Verbündeten für ihre eigenen politischen Ziele vereinnahmt und kamen bald zum Erliegen. Fortdauernde Unruhen im Nachbarland Syrien erhöhen die Spannungen im Libanon: die schiitische Hisbollah hat eindeutig ihre Unterstützung für das in Syrien herrschende, mit dem Iran verbündete Assad-Regime ausgedrückt, das sunnitisch dominierte Hariri-Lager sympathisiert mit der gleichfalls sunnitisch geprägten Widerstandsbewegung. Eine Eskalation in Syrien könnte auch Zwischenfälle zwischen libanesischen Schiiten und Sunniten provozieren.
Ursachen und Hintergründe des Konflikts
Erziehung, Sozialisation und besonders die (selektive) Erinnerung an in der Vergangenheit erlittenes Unrecht
 |
 |
 |
 |
Libanon
Karte: CIA The World Factbook
|
 |
|  |
 |
bewirken eine oft bedingungslose Identifikation junger Libanesen mit der Religionsgemeinschaft, in die sie hineingeboren wurden. Die Wirkung solcher kollektiver Identitäten wird durch das Prinzip des religiös-konfessionellen Proporzes verstärkt: Arbeitsplätze, Staatsaufträge und Sozialleistungen werden anteilig an die verschieden Religionsgemeinschaften vergeben. Soziale und ökonomische Verteilungskämpfe sind damit immer auch religiös-konfessionelle Auseinandersetzungen.
Die so zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen kultivierten Ressentiments werden von den politischen Führern systematisch zur politischen Mobilisierung eingesetzt. In Zeiten regionaler Stabilität geht es dabei vor allem um Anteile an Macht und Ämtern. Wenn jedoch die Spannungen in der Region zunehmen, nutzen ausländische Akteure die Zerrissenheit des Libanon und die Schwäche seiner Institutionen, um das strategisch gelegene Land durch Bündnisse mit lokalen Kräften auf ihre Seite zu ziehen. Solche Bündnisse verlaufen oft entlang religiöser und konfessioneller Linien: So kooperiert der Iran mit dem schiitisch dominierten Regierungslager, Saudi-Arabien mit der sunnitisch geprägten Opposition.
01. November 2011 |
 |
1 / 2 |
 |
|
|

|
 |
 |
Hintergrund aktuell (26.05.2008) |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Libanon: Suleiman neuer Präsident
Das politische Machtvakuum im Libanon ist beendet. Regierung und Opposition
haben den General Michel Suleiman zum neuen Präsidenten gewählt. Die
schiitische Hisbollah wird künftig stärker Einfluss auf die Politik nehmen. |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |

|
|
|
|