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Dossier - Fußball-WM 2010
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Afrikas WM? Von wegen! |
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| Andreas Mehler |
| Dass die Fußball-WM einen ganzen Kontinent repräsentiert und mit Glück erfüllt, ist ein falscher Mythos. Immerhin ist die WM eine Chance für die Medien, ihr Afrika-Bild zu differenzieren.
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| Südafrika Krüger Nationalpark. (Bild: AP) |
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 |  | 1. Der Gastgeber der WM ist Südafrika und nicht Afrika
Nicht nur die Fifa und der Ausrichter Südafrika wollen uns glauben machen, ein ganzer Kontinent habe die WM-Ausrichtung gewonnen. Das ist aus Sicht internationaler Fußballfunktionäre und der Regierung in Tshwane (ehemals Pretoria) verständlich, aber in der Sache nicht gerechtfertigt.
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Zur Person |
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Dr. Andreas Mehler ist Direktor des GIGA Instituts für Afrika-Studien in Hamburg und schreibt regelmäig zu Fußball und Politik in Afrika. |  |
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 |  | Die Fifa hat früh erklärt, dass mit der Vergabe an Südafrika ganz Afrika in den Genuss der Spiele komme. Fifa-Präsident Joseph Blatter hat sich in seiner Amtszeit sehr um den afrikanischen Fußball gekümmert – dies nicht uneigennützig, denn die afrikanischen Stimmen waren für seine Wahl 1998 und Wiederwahl 2002 von großer Bedeutung. 2002 unterlag sein Widersacher Issa Hayatou aus Kamerun nicht zuletzt deshalb, weil Blatter mehr afrikanische Verbände hinter sich brachte als der Sohn des Kontinents. Umso wichtiger ist der Fifa und ihrem Spitzenfunktionär nun die Darstellung, dass die WM dem ganzen Kontinent gehöre. "Mit der WM wollen wir auch ein Vermächtnis in Afrika hinterlassen", sagte Blatter zuletzt in diesem April.
Südafrika ist die führende Regionalmacht auf dem afrikanischen Kontinent. Militär- und machtpolitisch, aber auch als Investor ist Südafrika eine Führungsnation – bis weit nach Zentralafrika hinein, in manchen Sektoren sogar weit darüber hinaus. Doch beliebt ist Südafrika unter Afrikanern nicht. Zum Teil auf Vorbehalte aus der Zeit der Apartheid zurückgehend, wird in den Nachbarländern manche Initiative des ehemaligen Paria-Staates skeptisch bewertet.
Aber um auf der Weltbühne eine wichtige Rolle zu spielen, muss das Land am Kap alles dafür tun, als Sprecher des gesamten Kontinents wahrgenommen zu werden. Einige Initiativen auf internationalem Parkett, inklusive der Propagierung der "African Renaissance" durch den Ex-Präsidenten Thabo Mbeki und des Engagements für die Reform der African Union, dienen diesem Zweck. So liegt auch nichts näher, als die WM im eigenen Land flugs zur WM ganz Afrikas zu (v)erklären: "Wir müssen aufstehen und die Geschichte eines Kontinents voller Möglichkeiten und standhafter Menschen erzählen, die Menschen aus anderen Nationen und Kulturen empfangen", sagte der aktuelle Präsident Jacob Zuma kürzlich. Der Anspruch lautet: Südafrika ist "primus inter pares", Übersetzer und Anwalt des ganzen Kontinents.
Wird diese Strategie Erfolg haben? Das Ergebnis könnte auch in Europa und Afrika höchst unterschiedlich sein. Während es in Europa stark davon abhängt, ob in den Medien die Etiketten "Südafrika" oder "Afrika" auf relevanten Berichten vom Großereignis und seinen Begleiterscheinungen stehen werden, wird es in den Nachbarländern darauf ankommen, ob es Südafrika über die WM gelingt, das Bild eines "gütigen" großen Bruders zu zeichnen, der etwa die fremdenfeindlichen Exzesse der vergangenen Jahre vergessen machen kann. Die sich ja nicht gegen Europäer oder Asiaten richteten, sondern gegen Einwanderer aus den Nachbarländern.
Ein gutes Zeichen: Die südafrikanische Regierung hat sich dem Vernehmen nach dafür eingesetzt, dass die Fifa die Übertragung der Spiele innerhalb Afrikas kostenfrei gestaltet. Dies ist ein kaum zu unterschätzendes Zugeständnis seitens der als geschäftstüchtig bekannten Weltorganisation. Diese Art von Intervention wird vermutlich in den afrikanischen Hauptstädten Maputo, Lilongwe oder Harare deutlich höher geschätzt als andere Formen der Einmischung.
Allerdings bleibt es eine Anmaßung, wenn von der "WM in Afrika" gesprochen wird. Es ist nicht überliefert, dass die WM in Japan und Südkorea 2002 in Thailand oder China besonderen Enthusiasmus ausgelöst hätte ("WM in Asien"). Die WM in Deutschland 2006 nahm ein ganzes Land gefangen und beschäftigte Menschen weit über die deutschen Grenzen hinaus, aber niemand hätte sie zur WM Europas oder auch nur Mitteleuropas ausgerufen. Bei Afrika ist man immer noch bereit anzunehmen, es handele sich um ein Land.
2. Die Zeitungen vermitteln zu wenig über Afrika
Dies ist auch so, weil in den deutschen Medien wenig aus Afrika berichtet wird. Kaum ein Redakteur traut sich, selbst bei nachrichtenstarken Anlässen mehr als eine Afrika-Geschichte pro Ausgabe "zu bringen", weil das den Kunden angeblich überfordere. Üblicherweise wird nur über die großen Katastrophen des Kontinents berichtet: Krieg, Armut, Aids. Mit achtundvierzig Staaten südlich der Sahara, ihren ökonomischen Krisen, Wahlkämpfen oder außenpolitischen Allianzen gibt es eigentlich genug Stoff zur Diskussion, aber allein schon die Namen der Staatschefs dürften selbst informierten Zeitungslesern selten ein Begriff sein. Der deutsche Journalismus hat vor Afrika weitgehend kapituliert.
In der politischen Sphäre steht es kaum besser. Erstens interessieren sich Bundestagsabgeordnete in ihrer Mehrzahl nicht für Afrika, damit lässt sich kein Wahlkampf gewinnen (oder verlieren). Zweitens hat sich die fraktionsübergreifende Minderheit der Afrika-Interessierten im Bundestag ziemlich einheitlich in einem Kampf gegen die Mühlen engagiert, den sie dadurch zu gewinnen gedenkt, dass sie gegen das negative Zerrbild des Kontinents ein positives stellt: Afrika ist initiativ, kreativ, schön und bunt. Es genügten die schon so oft zugesagten Transferleistungen an Entwicklungshilfe oder eine faire Welthandelsordnung, und schon wäre alles gerichtet. Beide Sichtweisen sind grotesk vereinfachend. Jedes einzelne afrikanische Land bietet eine Fülle von Problemen, meistens aber auch Ansätze zu ihren Lösungen. Nur zum geringeren Teil liegen Wurzeln und Medikation außerhalb, "bei uns".
Nun besteht durch die WM durchaus Hoffnung auf Besserung. Das liegt allein an der Masse der Sendestunden und Druckseiten, die zusätzlich zur Verfügung stehen. Es sollte möglich sein, an einer Story "dran zu bleiben", Lebensumstände genauer zu schildern, Empathie aufzubauen, Pro und Contra zu beleuchten, auch am ersten Tag "Vorwissen" zu generieren, das man am nächsten Tag nicht neu erarbeiten muss. Es könnte endlich gelingen, vertiefend über Afrika zu berichten.
08. Juni 2010 |
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APuZ 1/2010 |
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Südafrika
Südafrika stellt sich seit dem Ende der Apartheid gern als Rainbow Nation dar. Doch der Gastgeber der nächsten Fußball-WM hat im Inneren mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen. |
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Informationen zur politischen Bildung (Heft 302) |
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Afrika – Länder und Regionen
Afrikas Vielfalt und Afrikas Gemeinsamkeiten: Ein Überblick mit Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft erschließt die fünf Großräume des Kontinents und Länder, die für ihre Region charakteristisch oder besonders bedeutsam sind. |
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