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Einführung

Gastkolumne

Deutschland und Indien – moderne Partnerschaft in einer sich globalisierenden Welt
Meera Shankar und Bernd Mützelburg
Manmohan Singh mit Angela Merkel
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Premier Singh mit Bundeskanzlerin Merkel während seines Deutschlandbesuchs 2006
Foto: REGIERUNGonline/Fassbender

Für viele Deutsche ist Indien ein Land der Mystik, der Maharadschas, der Philosophie und des Yoga. Erst neuerdings haben es Informationstechnologie, Offshoring, Indiens großes Wirtschaftswachstum und Bollywood auf die deutschen Titelseiten geschafft.

Wir freuen uns, dass auch die Bundeszentrale für politische Bildung entschieden hat, ein Dossier mit dem Schwerpunkt Indien zusammenzustellen, das einem deutschen Publikum sowohl die Geschichte als auch Politik, Wirtschaft und Kultur des modernen Indien vorstellt. Wie haben sich die Beziehungen zwischen Indien und Deutschland entwickelt? Wo stehen wir heute? Diese Fragen wollen wir als Botschafter unserer Länder hier gemeinsam in einem kurzen Text beantworten.

Das heutige Indien und Deutschland sind natürliche Partner. Schon traditionell unterhalten wir enge Beziehungen

Indien und Deutschland ergänzen sich. Beide Länder sind föderative und parlamentarische Demokratien, die nicht zuletzt auf Säkularisierung, Pluralismus und Rechtstaatlichkeit beruhen. Unsere Beziehungen sind historisch nicht belastet.

Zur Person
Meera Shankar ist seit Dezember 2005 Botschafterin der Republik Indien in Deutschland. Davor war die Diplomatin im Außenministerium in Neu Delhi unter anderem für Abrüstungsfragen und internationale Sicherheit zuständig.
Zur Person
Bernd Mützelburg ist seit März 2006 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Indien. Unter Rot-Grün war er drei Jahre lang außen- und sicherheitspolitischer Berater des Bundeskanzlers. Davor wirkte er unter anderem als Botschafter in Estland und Kenia.

Unsere Geschichte verbindet uns auch deswegen, weil die Beziehungen zwischen Indien und Deutschland sich über viele Jahrhunderte erstrecken. Unsere ersten Handelskontakte reichen zurück bis zum Jahr 1505, als von der Familie Fugger aus Augsburg finanzierte Schiffe vor der Küste von Goa landeten, um Handel zu treiben. Vor zwei Jahren feierten wir 500 Jahre bilateraler Handels- und Geschäftskontakte.

Im 18. Jahrhundert wurde Deutschland zum herausragenden Zentrum für das Studium der klassischen indischen Sprachen, Literatur und Philosophie. Die Universität Halle war über hundert Jahre die einzige Stadt in Europa, die Bücher in dravidischen Sprachen druckte. Es gab auch systematische Anstrengungen unter deutschen Gelehrten, Sanskrit-Literatur zu studieren, und die Indologie wurde früh als neue Fachrichtung an deutschen Universitäten eingeführt. Der Beitrag von Max Müller war besonders nachhaltig und wird in seinem Buch "Was Indien für mich bedeutet" zusammengefasst. Bonn wurde sogar das "Benares am Rhein" genannt. Die indische Philosophie hat bedeutende deutsche Literaten und Philosophen wie Goethe, Hegel und Schopenhauer tief beeinflusst. Die Gespräche zwischen den beiden Nobelpreisträgern Tagore und Einstein gerieten zu einem breit wahrgenommenen besonders tiefgründigen Gedankenaustausch zwischen einem Philosophen und einem Wissenschaftler zu Religion und Wissenschaft.

Im vergangenen Jahrhundert führten diese substanziellen kulturellen und geistigen Verbindungen zunächst zu guten aber noch nicht besonders vertieften bilateralen Beziehungen. Während Indien die wirtschaftliche Autarkie betonte, galt Deutschland als wertvoller Partner insbesondere in der Entwicklungszusammenarbeit. So half Deutschland etwa dabei, Indiens Stahlindustrie aufzubauen oder auch das heute international bekannte Indian Institute of Technology (IIT) in Madras zu gründen. Erst das Ende des Kalten Krieges und die Öffnung der indischen Wirtschaft seit den 90er Jahren entfalteten eine umfassende Intensivierung unserer Beziehungen. Indien und Deutschland beschlossen eine strategische Partnerschaft und wurden etwa im Rahmen der G-4-Initiative zu engen Partnern im Einsatz für die Reform des Systems der Vereinten Nationen einschließlich des Sicherheitsrates.

2006 – ein bedeutendes Jahr

Das Jahr 2006 war ein besonderes Jahr für die deutsch-indischen Beziehungen. In diesem "Indien-Jahr" fand in Deutschland eine ganze Serie von Ereignissen statt, die für den Ausbau unserer Partnerschaft besonders wichtig sind.
Poster mit Tagore und Einstein
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Poster mit Tagore und Einstein vor den Ausstellungshallen der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2006
Foto: Frankfurter Buchmesse/Deuscher

Im April war Indien das Partnerland auf der Hannovermesse, der weltweit bedeutendsten Industriemesse, die gemeinsam von Premierminister Manmohan Singh und Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet wurde. Mehr als 300 indische Firmen nahmen an der Messe teil. Im Oktober war Indien zudem Gastland der Frankfurter Buchmesse, an der fast 75 indische Schriftsteller und Autoren sowie 235 indische Verleger teilnahmen. Und bereits im Mai hatte die Bonner Biennale Indiens reiche kulturelle Vielfalt aufgezeigt.

Der Besuch von Premierminister Manmohan Singh in Deutschland im April 2006 vertiefte die strategische Partnerschaft mit Deutschland in politischen Gesprächen auf höchster Ebene mit der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten. Wenige Monate später trafen sich beide Regierungschefs erneut am Rande des G-8-Gipfels, hochrangige Besuche in beiden Ländern folgten. Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Michael Glos besuchte Indien im August in Begleitung von mehr als 50 führenden Vertretern der deutschen Industrie. Im September war der seinerzeitige indische Verteidigungsminister Pranab Mukherjee in Deutschland und Christoph Heusgen, Außenpolitischer und Sicherheitsberater der Bundeskanzlerin, traf im November in Indien mit seinem Amtskollegen, dem nationalen Sicherheitsberater M. K. Narayanan zusammen. Nicht zuletzt schuf der intensive bilaterale Dialog der vergangenen Monate eine hervorragende Grundlage für die kommende deutsch-indische Zusammenarbeit während der deutschen EU-Präsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 2007 und der einjährigen deutschen G-8-Präsentschaft, die ebenfalls im Januar 2007 begann.

Jeder dieser Besuche hat zu einer Vertiefung unserer strategischen Partnerschaft beigetragen. Auf dem Gebiet der Verteidigung unterzeichneten die Verteidigungsminister das erste bilaterale Abkommen zwischen Indien und Deutschland zur verteidigungspolitischen Zusammenarbeit. Zuvor hatten die Regierungschefs ein deutsch-indisches Energieforum ins Leben gerufen, das sich auf die Entwicklung der Zusammenarbeit auf den Gebieten Energieeffizienz, saubere Kohletechnologie und erneuerbare Energien konzentriert. Zudem wurde beschlossen, ein deutsch-indisches Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiezentrum aufzubauen. Ohnehin entwickelt sich Deutschland derzeit zu einem für indische Studenten attraktiven Studienstandort, der bereits 2005 mehr als 4000 indische Studenten verzeichnete. Um auch die traditionell stark in Deutschland verankerten Indien-Studien weiter zu fördern, werden von indischer Seite derzeit an verschiedenen deutschen Universitäten fünf wechselnde Lehrstühle zu modernen Indien-Studien eingerichtet. Nicht zuletzt zeigt sich ein deutlicher Anstieg der Zahlen indischer bzw. deutscher Touristen, die das jeweilige Partnerland besuchen. Während Deutschland indische Touristen gerade auch während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 anzog, wird Indien zunehmend zu einem in Deutschland nachgefragten Reiseland – ein Trend, der sicherlich schon bei der ITB in Berlin Anfang 2007 weiter gefördert wird, bei der Indien das Partnerland ist.

Die deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen waren noch nie so intensiv wie heute. Schon 2005 stieg das bilaterale Handelsvolumen um 22 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres 2006 wuchs der bilaterale Handel verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um weitere 35,6 Prozent – Exporte aus Indien stiegen um 26,9 Prozent, Importe nach Indien um 42,4 Prozent. Damit ist bereits jetzt abzusehen, dass die anlässlich des Besuchs von Bundeskanzler Schröder in Indien 2004 anvisierte Verdoppelung des bilateralen Handelsvolumens auf 10 Milliarden US-Dollar bis 2010 schon weit vorher erreicht sein wird. Auch die beiderseitigen Investitionen waren noch nie so hoch wie heute – und dennoch ist das vorhandene Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Deutsche Firmen haben Indien als Standort ins Auge gefasst. Neben BMW oder Volkswagen, die in Kürze auch in Indien produzieren werden, sind es zunehmend auch die das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft bildenden kleineren und mittleren Unternehmen, die sich Indien zuwenden. Zugleich weiten viele deutsche Firmen, die schon länger in Indien sind – wie Siemens, Bosch oder SAP – ihr Geschäft in Indien erheblich aus. Auf der anderen Seite entdecken indische Unternehmen im Kontext ihres verstärkten weltweiten Engagements zunehmend den Standort Deutschland.

Die Zukunft beginnt

2006 war ein gutes Jahr für unsere schon traditionell guten bilateralen Beziehungen. Zu Zeiten einer sich dynamisch entwickelnden Globalisierung spricht einiges dafür, dass sich die Beziehungen zwischen unseren Ländern in Zukunft auch sehr dynamisch weiterentwickeln werden. Mit neuen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen und Chancen rücken unsere Welten näher zusammen.


30. Januar 2007


 
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Informativ und leidenschaftlich stellt Shashi Tharoor in seinem Buch Indien als Subkontinent der Gegensätze dar. Er analysiert und argumentiert, statt zu deuten und zu schwärmen.
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