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Dossier Fußball-WM 2006
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Portugal |
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| Marco Bertolaso |
Portugal kommt mit dem Rückenwind einer souveränen Qualifikation 1. März 2006, 20 Uhr 45. Dafür sind sogar Kölner nach Düsseldorf gekommen! Portugal spielt gegen Saudi-Arabien eine der letzten Vorbereitungspartien vor der Weltmeisterschaft. 8.000 Zuschauer füllen die Arena nicht, aber dennoch erlebt Düsseldorf eine der größten Versammlungen von Portugiesen auf deutschem Boden. Einige von ihnen haben deutsche Freunde mitgebracht und denen erklären sie vor dem Anpfiff noch schnell das Nötigste. Also, die Nationalmannschaft nennt man Selecção, ein "c" mehr als bei der brasilianischen Seleção, oder auch "Selecção/Equipa das Quinas". Quinas, das sind die Ritterschilde auf dem portugiesischen Wappen. Die Spieler treten neuerdings ganz in Bordeauxrot an. Das ist daheim umstritten. Denn Grün, die zweite Farbe der Nationalflagge, ist bis auf ein paar Streifen verschwunden.
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Zur Person |
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Dr. Marco Bertolaso ist Nachrichtenredakteur beim Deutschlandfunk in Köln. Der Historiker und Politikwissenschaftler arbeitet viel über internationale Themen und dabei hin und wieder auch über den Fußball als Spiegelbild gesellschaftlicher Zustände und Traditionen. |  |
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 |  | Jetzt läuft die Nationalhymne und wird gleich mit erklärt. "Heróis do Mar" schmettern Spieler und Fans, "Helden des Meeres". Das erinnert an die Großtaten der Entdecker im 15. und 16. Jahrhundert. Der schmissige Refrain "Às armas, às armas!" war schon Thema im Parlament in Lissabon, denn der Ruf "zu den Waffen" klingt nicht mehr politisch korrekt. Nicht ganz fair, aber bei der saudischen Hymne lässt die Konzentration nach. Zeit für den Hinweis, wie souverän sich die Portugiesen für die WM qualifiziert haben. In der europäischen Gruppe 3 ließen sie die Slowakei, Rußland, Estland, Lettland, Liechtenstein und Luxemburg in dieser Reihenfolge hinter sich. Die zwölf Gruppenspiele brachten neun Siege und drei Unentschieden. Mit 35 Toren in der Qualifikation waren die Portugiesen treffsicherer als jede andere europäische Mannschaft.
Figo, Deco, Cristiano Ronaldo und Co. - Mannschaft voller Stars
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Portugals Top-Spieler Luis Figo, Foto: Francisco Paraíso / FPF
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An diesem kalten Abend stehen in Düsseldorf schon weitgehend die Spieler auf dem Rasen, auf denen im Sommer die WM-Hoffnungen ruhen. Die meisten spielen nicht mehr in Portugal, sondern holen sich Härte und Erfahrung bei Topclubs in Europa. Luís Figo ist zurück in der Nationalelf. Er ist nicht mehr so schnell wie früher? Egal, jeder Schritt strahlt Weltklasse aus. Der in Brasilien geborene Spielmacher Deco ist für viele schon jetzt einer der Stars der WM. Auch Costinha , Maniche und Cristiano Ronaldo stehen für ein Mittelfeld, das vor Technik sprüht und Druck nach vorne macht. Der junge Cristiano Ronaldo, der in Düsseldorf zwei Tore zum 3:0 gegen Saudi-Arabien beisteuert, ist vielleicht der weltweit beste Spieler seines Alters. Pauleta , seit Jahren einer der erfolgreichsten Stürmer in Europa, hat für Portugal inzwischen öfter getroffen als der legendäre Eusébio. Die Abwehr muss bei der WM ohne den verletzten Jorge Andrade auskommen, sieht aber immer noch stark aus, unter anderem mit Ricardo Carvalho , Paulo Ferreira , Nuno Valente und dem Stuttgarter Fernando Meira . Dazu kommen Torwart Ricardo und noch viele andere Namen mit gutem Klang wie Nuno Gomes, Miguel, Tiago, Simão Sabrosa, Quaresma, Hugo Viana oder Petit.
Der Mitfavorit kommt mit "Titelverteidiger" Scolari
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Luiz Felipe Scolari, Photo: Francisco Paraíso / FPF
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Dass Portugal bei der WM als Mitfavorit an den Start geht, liegt auch an Luiz Felipe Scolari , dem amtierenden Weltmeistertrainer. Felipão, wie er daheim genannt wird, der große Philipp, hat Brasilien vor vier Jahren zum Endspielsieg gegen Deutschland geführt und danach in Portugal ganze Arbeit geleistet. Der Disziplinfanatiker hat klassische Schwächen abgestellt: die Schönspieler stehen jetzt auch hinten gut und behalten in kritischen Momenten die Nerven. Die Vize-Europameisterschaft war der erste Lohn für diese neue Spielergeneration. Mitgeprägt hat sie José Mourinho. Der Exzentriker auf der Trainerbank hat der halben Nationalelf in Porto seinen erfolgsorientierten Stil eingebleut und formt einige von ihnen in London weiter.
05. Dezember 2005 |
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