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Maßnahmen

100.000 Watt-Solar-Initiative für Schulen in NRW


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Kurt Berlo / Anja Bierwirth / Dieter Seifried
Bei den Solar&Spar-Schulen nun übernahmen die Bürgercontracting-Gesellschaften die Rolle des Contractors. Mit Anteilsscheinen ab 2.500 Euro konnten sich interessierte Bürger an den Gesellschaften beteiligen. Für Schüler, Lehrer, Eltern und Großeltern war eine Beteiligung ab 500,- Euro möglich. Entsprechend der Höhe ihrer Investitionen bekommen die Bürger nun einen Teil der eingesparten Energiekosten – und haben, wie bei einer Kapitalanlage, am Ende mehr Geld als sie ursprünglich investiert hatten. Über die gesamte Projektlaufzeit gerechnet ist dieser Kapitalrücklauf so hoch, dass er einer 6- bis 7-prozentigen Verzinsung des eingesetzten Kapitals entspricht.

Die Erfolge lassen sich sehen

Tatsächlich wurden die Energieeinsparungen, die man pro Schüler und Schule prognostiziert hatte, deutlich übertroffen, da in allen Schulen zusätzliche wirtschaftlich interessante Einsparpotenziale erschlossen werden konnten.

In folgenden Bereichen kamen nachhaltige Technologien zum Einsatz:
  • umweltfreundliche Photovoltaikanlagen (20 bis 50 kWp): Insgesamt speisten die vier Anlagen (mit einer Gesamtleistung von 143 kWp) im Jahr 2006 rund 130.000 kWh Strom in das Netz und bekamen dies mit rund 65.000 Euro vergütet.
  • effiziente Beleuchtungsanlagen: In einigen Schulen befand sich noch die Erstausstattung mit Leuchten. Diese haben im Gegensatz zu heute üblichen Technologien einen wesentlich höheren Stromverbrauch, deren Leuchtmittel haben eine kürzere Lebenszeit, und sie sind zudem noch teurer in der Anschaffung. Auch die notwendige Beleuchtungsstärke wurde teilweise kaum mehr erreicht. Dazu kamen unangenehme Flackereffekte, die ebenfalls auf das Alter der Beleuchtungsanlage zurückzuführen sind. Mit dem Einsatz effizienter Technologien und Bewegungs- bzw. Präsenzmeldern in weniger kontinuierlich genutzten Räumen, konnte nicht nur der Stromverbrauch für die Beleuchtung deutlich gesenkt werden, sondern auch ausreichende und flackerfreie Lichtverhältnisse geschaffen werden.
  • Pumpensanierung und Optimierung der Heizkreisläufe sowie der Regelungstechnik im Heizungsbereich: Um das Wasser in den Heizungen bis in die obersten Stockwerke und hintersten Zimmer zu transportieren, braucht jedes Heizungssystem Umwälzpumpen. Ältere Pumpen brauchen dafür deutlich mehr Strom und wurden durch neue Effizienzpumpen ersetzt. Mit einem hydraulischen Abgleich wurden außerdem Pumpen und Ventile des Heizungssystems so aufeinander eingestellt, dass im Betrieb alle Heizkörper gleichmäßig warm werden. Hinzu kam noch eine moderne Regelungstechnik, durch die unnötiges und übermäßiges Heizen vermieden wird.
  • Sanierung der Lüftungstechnik und der Lüftungsregelung: Auch die Lüftungsanlagen der Schulen waren dringend sanierungsbedürftig. Sie arbeiteten ineffizient und waren teilweise kaputt. Die Kühlung im Sommer, die über die Anlage möglich sein sollte, war zum Teil außer Betrieb. Die neuen Lüftungsanlagen sind also nicht nur im Stromverbrauch deutlich sparsamer, sondern tragen außerdem wesentlich zu einem guten und gesunden Raumklima bei.
  • Maßnahmen zur Einsparung von Wasser: Heutige Wasserarmaturen sind deutlich sparsamer als die, die in den Schulen zum Teil im Einsatz waren. Das gilt sowohl für WC-Spülungen und Handwaschbecken, für die Duschen im Umkleidebereich der Turnhalle wie auch für die Einrichtung der Küche.


Tabelle
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Einsparungen im Strom- und Wärmebereich bei den Solar&Spar-Projekten in 2007. Quelle: Wuppertal Institut

Wie die Tabelle zeigt, können sich die jährlichen Energieeinsparungen in den vier Solar&Spar-Schulen sehen lassen. Fast zwei Millionen Kilowattstunden Strom werden jedes Jahr weniger verbraucht und bei der Heizwärme beträgt die Gesamteinsparung weit über drei Millionen Kilowattstunden im Jahr. Ein Erfolg, der sich auch bei den Energiekosten bemerkbar macht: Insgesamt über 400.000 Euro werden jährlich eingespart. Und nicht zuletzt ist der Beitrag zum Klimaschutz (mit einer jährlichen CO2-Reduktion in Höhe von über drei Millionen Kilogramm) beachtlich.

Ausblick

Die Solar&Spar-Projekte waren als Pilotprojekte rein auf den Einsatz effizienter Technologien ausgerichtet. Die Einsparungen bei einer energetischen Sanierung können allerdings noch wesentlich höher ausfallen, wenn zusätzlich umfassende Dämmmaßnahmen ausgeführt werden. Dann ist es letztendlich möglich, aus einer Schule ein Niedrig-Energie- oder gar Passivhaus zu machen, wie ein Beispiel in Schwanenstadt in Österreich zeigt. Die aktuellen Planungen aber gehen noch einen Schritt weiter: Auf Basis der Solar&Spar-Erfahrungen soll mit Bürgerkapital eine Schulsanierung mit dem Ziel der CO2-Neutralität durchgeführt werden.

Neben den eingesparten Energiekosten liegen in einer energetischen Sanierung von Schulen aber auch viele weitere Vorteile, die sich nicht ohne weiteres berechnen lassen: etwa die Förderung von Umweltwissen und umweltbewusstem Verhalten bei Lehrern und Kindern. Oder auch die Beteiligung von Schülern, Lehrern, Eltern und Großeltern an der Finanzierung über die Bürgercontracting-Gesellschaft, die zu einem besonderen Engagement und Identifikation mit der Schule beiträgt. Und nicht zuletzt erleichtern ein angenehmes Raumklima und verbesserte Lichtverhältnisse die Arbeits- und Lernbedingung – kurz gesagt – den Alltag für Lehrer und Schüler.

Literatur

Lang, G.; Plöderl, H. et al (2004): Erste Passivhaus –Schulsanierung. Ganzheitliche Faktor 10 Generalsanierung der Hauptschule II und Polytechnischen Schule in Schwanenstadt mit vorgefertigten Holzwandelementen und Komfortlüftung. Berichte aus Energie- und Umweltforschung 22/2004, Wien.

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (1999): Einspar-Contracting für Fortgeschrittene. www.wupperinst.org
www.solarundspar.de
www.eco-watt.de
www.zukunft-haus.info


10. August 2009

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