Dossierbild: Verbotene Spiele
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Chronik der Negativschlagzeilen

Die wichtigsten Computerspiel-Kontroversen im Überblick


13.8.2007
Von Death Race bis Emsdetten: Skandale um Videospiele sind so alt wie das Medium selbst. Eine Chronik der wichtigsten Kontroversen seit 1990.

In der jüngsten Vergangenheit haben Computerspiele sich immer wieder mit negativen Schlagzeilen in das kollektive Gedächtnis eingebrannt: Killerspiele. Amoklauf. Onlinesucht.

Doch die ersten Skandale entzündeten sich schon vor Jahrzehnten: Etwa, als in den USA 1976 "Death Race" verboten wurde, in dem mit einem Auto Strichmännchen überfahren werden mussten. Oder als 1982 ein 18jähriger Amerikaner am Spielautomaten "Berzerk" vor Aufregung starb. Oder 1984, als mit der Panzersimulation "Battlezone", in der Spieler auf durchsichtige geometrische Figuren schossen, erstmals ein Computerspiel in Deutschland indiziert wurde.

In den Jahren seitdem haben Computerspiele sich mit rasender Geschwindigkeit weiterentwickelt. Die negativen Schlagzeilen rissen dabei nie ab, darunter immer wieder Gewalttaten, die mit Spielen in Zusammenhang gebracht wurden. Ein Überblick über die größten Skandale seit 1990.

1992

15.10.1992 – Veröffentlichung des Adventures Night Trap. Der Spieler muss die Besucher einer Pyjamaparty vor Vampiren retten. Wegen der Darstellung leicht bekleideter weiblicher Teenager und ihrer Tötung durch Vampire wird dem Spiel vorgeworfen, Kindesmisshandlung zu propagieren. Mehrere Supermarktketten entfernen Night Trap aus ihrem Sortiment.

1993

13.09.1993 – Veröffentlichung der Heimkonsolenversion von Mortal Kombat. Das Kampfsport-Spiel schockiert mit detaillierten Gewaltdarstellungen: Die so genannten Fatality-Moves ermöglichen es, zur endgültigen Beendigung eines Kampfes bereits geschlagenen Gegnerfiguren u.a. die Wirbelsäule herauszureißen. Protestverbände besorgter Eltern formieren sich.

9.12.1993 – Der Senat der Vereinigten Staaten bildet ein Komitee zu Computerspielgewalt. Senator Joseph Lieberman fordert, gewalthaltige Computerspiele verfassungsrechtlich zu verbieten. Unter dem Druck einer drohenden staatlichen Zensur richtet die US-Videospielindustrie am 31.7.1994 das Entertainment Software Rating Board (ESRB) ein, das Computerspiele mit Altersempfehlungen versieht.

1997

1.12.1997 – Amoklauf an der Heath High School in Paducah, Kentucky. Der 14jährige Michael Carneal tötet drei Mädchen und verwundet fünf weitere Personen. Für die Tat hatte er Waffen aus einem Schrank seines Vaters und der Garage eines Freundes entwendet. Carneal hatte seine Tat Monate vorher gegenüber Mitschülern angedeutet und war an der Schule durch versuchten Waffenhandel aufgefallen. Er war wiederholtes Opfer von Mobbing gewesen. Die Ermittlungen ergeben, dass er regelmäßig gewalthaltige Computerspiele gespielt und pornographische Websites besucht hatte. Das Urteil stellt jedoch keinen Zusammenhang zwischen Tat und Medienkonsum fest.

Am 28.11.2001 verklagen die Eltern dreier Opfer – vertreten durch den Anwalt Jack Thompson – mehrere Computerspiel-Hersteller und die Betreiber der pornographischen Websites auf 33 Millionen Dollar Schadensersatz. Die Klage wird 2002 abgewiesen.

  • »Protokoll des Gerichtsprozesses«

    1998

    24.3.1998 – Der 13jährige Mitchell Johnson und der 11jährige Andrew Golden töten an ihrer Schule in Jonesboro, Arkansas, fünf Personen und verletzen zehn weitere. Die Tatwaffen hatten sie Goldens Großvater entwendet.

    Johnson, der als Kind wiederholt Opfer sexuellen Missbrauchs geworden war, hatte mehrfach vor Mitschülern geäußert, er habe "viele Morde zu begehen." Er war Mitglied in einer Straßengang.

    Der Militärpsychologe Dave Grossman erklärt, die beiden Täter seien durch Videospiele für die Tat trainiert worden. Das Gericht stellt jedoch keinen Zusammenhang zu Computerspielen fest.

  • »Gerichtsprotokoll der abschließenden Anhörung«

    1999

    20.4.1999 – In Littleton, Colorado töten der 17jährige Dylan Klebold und der 18jährige Eric Harris an der Columbine High School mit Rohrbomben und Handfeuerwaffen zwölf Schülerinnen und Schüler sowie einen Lehrer und verwunden 24 weitere Personen. Schließlich begehen sie Selbstmord.

    Harris hatte wiederholt auf seiner Website Gewalt- und Morddrohungen gegen Mitschüler sowie das Lehrpersonal seiner Schule ausgesprochen. Die Polizei war darauf aufmerksam gemacht worden, hatte die Ermittlungen jedoch eingestellt. Als ein mögliches Motiv wird soziale Ausgrenzung diskutiert: Während der Tat sollen Klebold und Harris nach Zeugenberichten erklärt haben, alle "Jocks" (beliebte Sportlertypen, die Schwächere unterdrücken) töten zu wollen.

    Harris und Klebold waren Fans des Ego-Shooters Doom. Harris baute Levels für das Spiel und betrieb eine Fan-Website. In einem Tagebuch hatte er die geplante Bluttat unter anderem mit den Spielen Duke Nukem und Doom verglichen.

    Angehörige der Opfer verklagen elf Computerspielfirmen auf 5 Milliarden US-Dollar Schmerzensgeld. Die Klage wird am 2.5.2002 abgewiesen. Eine vom FBI einberufene Gruppe von Psychologen erklärt am 20.4.2004, die Tat sei auf psychische Probleme der Jungen zurückzuführen.

  • »Der abschließende Polizeibericht«

  • »Abschließende Presse-Stellungnahme des FBI zu den Ursachen des Columbine-Amoklaufs«

    2001

    23.11.2001 – Der Amerikaner Shawn Wooley erschießt sich selbst, während er das Online-Rollenspiel EverQuest spielt. Wooley hatte zuvor erfolglos an einem Entziehungsprogramm teilgenommen, das ihn von seiner EverQuest-Abhängigkeit befreien sollte.



     
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