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Interview: Was ist Open Source?

Wirtschaft mit Weitsicht


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Sandra Braman
Das Open-Source-Modell wird derzeit ausschließlich für Software und Kulturgüter verwendet. Lässt es sich auch auf andere Güter und Dienstleistungen ausweiten? Wo wäre die Grenze?

Letzte Frage zuerst: Natürlich kennen wir die Grenze nicht. Ein anderes Gebiet, das derzeit den Übergang zu Open Source sehr schnell vollzieht, ist die Welt der wissenschaftlichen Produktion. Das ist zwar auch nichts Greifbares, aber wir sind an der Schwelle zu einem wesentlich offeneren Zugang zu wissenschaftlichen Information für alle Menschen auf der Welt. Und das wird wieder zu jedermanns Vorteil sein: Je mehr Menschen man hat, die über schwierige Probleme nachdenken, desto wahrscheinlicher wird man Antworten für sie finden.

Was Gegenstände angeht, nun: Zwischen der Welt der traditionellen Ökonomie, kurzfristigen Transaktionen und "es muss immer Geld im Spiel sein" auf der einen Seite und dem Open Source-Ideal auf der anderen, in seiner utopischen Formulierung – zwischen diesen beiden haben wir konkrete ökonomische Theorie, die darüber spricht, was die digitale Welt, in der wir leben, unterscheidet von der industriellen oder landwirschaftlichen Ökonomie.

Es gibt verschiedene Arten, über "die Informationswirtschaft" zu sprechen, aber die Art, die die Welt, in der wir leben, am genauesten wiederspiegelt, und die zugleich die nützlichste Art ist für diejenigen, die ökonomische Aktivitäten planen, selbst für Manager von Unternehmen –, die beste Art also scheint zu sein, dass wir einen wirklichen Wandel in der Weise annehmen, wie die Wirtschaft funktioniert. Es geht nicht darum, dass es mehr Informationsgüter gibt als früher – es geht darum, dass die Dinge anders funktionieren.

Im klassischen ökonomischen Modell lag der Schwerpunkt stets auf Wettbewerb. Ich bin nur dann besser, wenn du schlechter bist, und wir messen kurzfristig, ob ich mehr Geld mache als du. In der Informationswirtschaft sind Zusammenarbeit und die Koordination unserer Handlungen langfristig genauso erfolgreich oder sogar erfolgreicher als Wettbewerb.

Also sehen wir die Anfänge neuer Praktiken sogar in solchen Unternehmen, die sehr traditionell wirken – wenn es darum geht, wie sie Dinge zu teilen bereit sind, was ihre Angestellten mit anderen Organisationen tun dürfen, wie sie Ressourcen teilen, wie sie Wissen teilen; es muss nicht immer ein Vertrag sein, es kann einfach eine Zusammenarbeit sein. Das ist ein Problem für das Kartellrecht, für das Wettbewerbsrecht, denn Dinge, die laut Wettbewerbsrecht illegal sind, müssen jetzt neu überdacht werden. Aber so, wie sich dieser Trend fortsetzt, werden wir meiner Ansicht nach viele Dinge sehen, die sehr traditionell wirkten – Autoproduktion und ähnliches – und nun mehr und mehr die Eigenschaften einer Open-Source-Welt annehmen. Wie weit das gehen wird, wissen wir noch nicht.

Sie würden also sagen, dass wesentliche Marktmechanismen wie die Koordination von Angebot und Nachfrage oder effiziente Arbeitsorganisation auch in einem kollaborativen Modell funktionieren?

Das ist eine gute Art, die Frage zu formulieren. Ja, ich glaube, das entdecken wir gerade. Was gerade geschieht, ist, dass wir neue Wege kennen lernen, Angestellte zu effizientem Arbeiten zu motivieren und den Markt zu koordinieren. Die Abstimmung von Produktion und Konsum ist ein sehr gutes Beispiel: Es gibt alle möglichen Leute, die durch soziale Netzwerke und das Internet ziehen, um herauszufinden, was für die Menschen wirklich von Interesse ist. Reale menschliche Wesen geben also Input in die Gestaltung der Dinge, die hergestellt werden, und das viel früher im Herstellungsprozess als zuvor.



05. Januar 2007

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