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Bilder in Geschichte und Politik
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Historische Plakate |
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| Michael Sauer |
Plakate sind ein Massenmedium, sie richten sich zumeist in großer Stückzahl an ein breites Publikum. Sie sollen informieren, werben, Zustimmung heischen, Gegner diffamieren, zur Aktion bewegen. Damit sie auch den schnellen und uninteressierten Betrachter erreichen, müssen sie Aufmerksamkeit hervorrufen. Entsprechend auffällig, eingängig und wirkungsvoll müssen sie gestaltet sein.
Der Quellenwert
Zwei thematische Großgruppen von Plakaten lassen sich unterscheiden: politische Plakate und Werbeplakate. Die erste Gruppe lässt sich weiter differenzieren, wenngleich die Abgrenzung nicht ganz trennscharf ist: Wahlplakate sind ein Instrument im Wettstreit der Parteien auf einem politischen Massenmarkt; Propagandaplakate dienen der Auseinandersetzung mit dem Gegner, vorzugsweise im Krieg oder im ideologischen Kampf; sozialkritische Plakate prangern gesellschaftliche Missstände an.
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Zur Person |
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Prof. Dr. Michael Sauer ist Professor für Didaktik der Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Er hat Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Geschichtsdidaktik, Literaturdidaktik und Bildungsgeschichte veröffentlicht und ist Mitherausgeber der Zeitschriften "Geschichte in Wissenschaft und Unterricht" sowie "Geschichte lernen". |  |
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 |  | Wie lassen sich Plakate als historische Quellen nutzen? Die Besonderheit politischer Plakate liegt darin, dass in ihnen verdichtet und zugespitzt eine zeitgenössische Perspektive, ein Programm, ein Werturteil oder eine Ideologie zum Vorschein tritt. Diese lassen sich anhand von Plakaten einfacher und eindrücklicher (wenngleich weniger differenziert) untersuchen als anhand programmatischer Schriften. Hinzu kommt, dass sich nicht nur Überzeugungen und Meinungen, sondern auch Wirkungsabsichten anhand dieser Quellen besonders gut nachvollziehen lassen. Und Plakate machen allemal Grundströmungen einer Zeit erkennbar: Die rege Produktion politischer Plakate in der Weimarer Republik ist das Spiegelbild eines mit (damaligen) modernen Mitteln heiß umkämpften politischen Massenmarktes.
Werbeplakate aus dem Bereich der kommerziellen Werbung und der Kultur und Unterhaltung können Aufschlüsse über Alltags- und Mentalitätsgeschichte geben: Wer potenzielle Besucher und Kunden ansprechen will, muss deren Selbst- und Leitbilder treffen – anders hat er mit seiner Werbung keinen Erfolg. Deshalb kann man davon ausgehen, dass sich zeittypische Interessen, Haltungen, Bedürfnisse und Sehnsüchte in Werbeplakaten recht zuverlässig spiegeln.
Die Frühgeschichte des Plakats
Die Geschichte des Plakats geht zurück auf die Erfindung des Buch- und Bilderdrucks im 15. Jahrhundert. Diese technische Revolution brachte Texte und Holzschnitte unters Volk. Flugblätter und Flugschriften, am öffentlichen Ort angeschlagen oder von Hand zu Hand weitergegeben, wurden zum propagandistischen Mittel der konfessionellen Auseinandersetzungen nach der Reformation. [int. Link auf Faulstich, 1.1.1.4 und von dort hierher] Zugleich waren sie als Medien der Massenkommunikation Vorläufer der späteren Zeitungen. Diese neue Form von Öffentlichkeit war der Obrigkeit suspekt; schon früh gab es deshalb Versuche, solche Druckerzeugnisse zu kontrollieren und zu zensieren.
Schon die frühen Plakate übernahmen werbliche Funktionen: Ab 1501 warb ein Anschlag für das Kölner Schützenfest, und seit dem 16. Jahrhundert verbreiteten sich die Ankündigungen von Gauklern, Schaustellern und Theaterleuten.
Der weiteren Entwicklung bereitete wiederum eine technische Erfindung den Boden. Die Lithografie, 1798 von Alois Senefelder entwickelt, ermöglichte größere Formate, eine engere Verbindung von Schrift und Bild und den Farbdruck. Nach 1848 hatte überall in Deutschland die Obrigkeit die politische Plakatierung erheblich eingeschränkt oder ganz untersagt. Erlaubt waren Werbeplakate. 1854 erhielt Ernst Litfaß durch einen Vertrag mit dem Polizeipräsidenten von Berlin das Recht, öffentlich Plakate anzubringen, im Jahr darauf errichtete er seine erste Werbesäule.
06. Februar 2007 |
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