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Bilder in Geschichte und Politik

Historische Plakate


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Michael Sauer
Die große Zeit des Plakats

Rudi Erdt
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Werbeplakat von 1911
Die große Zeit des Plakats begann am Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung, die sich jetzt in den führenden Wirtschaftsnationen durchgesetzt hatte. Neue Formen der Kultur, der Unterhaltung und des Konsums entstanden und ein breiteres, vornehmlich städtisches Publikum erhielt die Möglichkeit, daran teilzuhaben. Die anspruchsvolle Plakatwerbung für Theater, dann Kabarett oder Film wurde stilistisch vor allem geprägt durch Henri Toulouse-Lautrec, der durch die japanische Malerei zu seiner typischen kontrastiven Gestaltung klarer Linien und farbkräftiger Flächen angeregt wurde. Den Künstlerplakaten folgte die massenhafte kommerzielle Werbung für die jetzt neu entstehenden Markenartikel in den unterschiedlichsten Branchen – von Lebensmitteln bis zu Automobilen . Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden die Werbeagenturen und die Werbeabteilungen in den Firmen.

Die Nutzung des Plakats für politische Propagandazwecke begann im Ersten Weltkrieg. Den Anfang machten mit einer wirksamen Feindbildpropaganda die Alliierten, Deutschland folgte erst mit Verspätung und eher zurückhaltend. Während der Weimarer Zeit avancierten dann die Plakate zu einem bevorzugten Instrument der politischen Auseinandersetzung zwischen den Parteien. Unter der NS-Herrschaft wurde die Plakatwerbung wie auch alle anderen Medien staatlich kontrolliert und funktionalisiert. Plakate warben für die Partei und ihre Gliederungen und propagierten die Errungenschaften des Systems. Sie warnten vor Judentum und Bolschewismus, sie feierten alles Soldatische und Militärische und sollten so zur Ideologisierung und Militarisierung der Gesellschaft beitragen.

propgandaplakat
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Propagandaplakat der Nationalsozialisten, Quelle: wikipedia.org
Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte die politische Plakatwerbung zunächst – wenngleich in der Ausführung weniger aggressiv – an die Weimarer Zeit an. Mit der Konsumwelle der Fünfzigerjahre war auch ein erneuter Aufschwung des Werbeplakates verbunden – mit Werbung für die Zigarette im Friedensformat, für Heidi-Filme oder für Coca-Cola. Durch die Entwicklung der Massenmedien Presse, Funk und schließlich Fernsehen nahm dann die Bedeutung politischer Plakate immer stärker ab. Heute sind sie häufig reduziert auf den Typ des reinen Kopfplakats, das einen Politiker bekannt machen und ein bestimmtes Image vermitteln soll. Die Parteien dokumentieren mit Plakaten vorwiegend Präsenz und führen dem Publikum ihren "Markennamen" vor Augen. Natürlich haben aber auch Plakate in allen großen politischen Streitfragen der bundesrepublikanischen Geschichte – von der Wiederbewaffnung über "1968" bis zur Nachrüstungsdebatte – ihre Rolle gespielt.

Das sozialkritische Plakat

Auch das sozialkritische Plakat erlebte seine Geburtsstunde im späten 19. Jahrhundert. Für diese Zeit ist es besonders mit den Namen Théophile-Alexandre Steinlen (1859-1923) in Frankreich und Thomas Theodor Heine (1867-1948) in Deutschland verbunden. Zwischen den Kriegen waren Käthe Kollwitz (1867-1945), George Grosz (1893-1959) und John Heartfield (eigentlich Helmut Herzfeld) (1891-1968) mit seinen Collagen und Fotomontagen seine profiliertesten Vertreter, und in den Siebziger- und Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts führte Klaus Staeck (*1938) diese Tradition fort.

Wirft man einen Blick auf die außerdeutsche Geschichte, fällt vor allem ins Auge, welche maßgebliche Rolle das politische Plakat seit der Revolution in Russland bzw. der Sowjetunion gespielt hat. Für die Politisierung von weitgehend analphabetischen Adressaten war das auf Bilder und wenige Schlagworte konzentrierte Plakat das Medium der Wahl. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Plakate in den sozialistischen Ländern ein beliebtes Propagandamittel, allerdings zunehmend geprägt durch die simplen Darstellungsweisen des sozialistischen Realismus. Die Gleichförmigkeit der Botschaften und Gestaltungsmittel sowie deren Häufigkeit hat bei den Adressaten im Laufe der Zeit vermutlich eher zu einer Abstumpfung geführt. In vielen Ländern der ehemaligen Dritten Welt spielen Plakate als Mittel der Masseninformation und -beeinflussung heute noch immer eine wichtige Rolle.


06. Februar 2007

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