|
|
 |

 |

Hintergrund aktuelle (10.05.2008)
 |
 |
 |
|
 |
Birma nach dem ZyklonDie humanitäre Lage in Birma ist katastrophal, die Wut der Bevölkerung
wächst. Nur vereinzelt lässt die Militärregierung Hilfskräfte ins Land. Das umstrittene Verfassungsreferendum wurde am Wochenende indes durchgeführt.
 |
 |
 |
 |
Zweigeteilte Satellitenbildaufnahmen von Birma: Unten ist das Ausmaß der Über- schwemmung zu sehen, Foto: AP
|
 |
|  |
 |
Die Auswirkungen des Wirbelsturms sind katastrophal. Mehr als die Hälfte der 53 Millionen Einwohner Birmas leben in den vom Zyklon "Nargis" verwüsteten Gebieten. Dieser war am Freitagabend (2. Mai 2008) mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde über das Land hinweggefegt. Bis zu 100.000 Menschen könnten in dem Sturm umgekommen sein. Diese Zahl nannte
Shari Villarosa, die höchste US-Diplomatin in Birma. Nach Angaben der
Organisation "Save the Children in Birma" sind 40 Prozent der Todesopfer
Kinder und Jugendliche. Die Militärregierung hatte bisher von 22.000 Toten
gesprochen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass mindestens eine Millionen
Menschen ihr Obdach verloren haben. Und noch immer stehen rund 5.000
Quadratkilometer unter Wasser. Das entspricht der doppelten Fläche des
Saarlands.
Inzwischen wächst die internationale Kritik am Krisenmanagement der
birmanischen Regierung. Erst am Mittwoch (8. Mai 2008) ließen die
Militärmachthaber internationale Hilfsflüge ins Katastrophengebiet zu. Und
immer noch warten Mitarbeiter verschiedener Hilfsorganisationen auf
Einreisevisa, um vor Ort helfen zu können.
Im ganzen Land fehlt es an Wasser, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Zelten. Menschen stürmten in die wenigen Läden, die bereits wieder geöffnet sind. Augenzeugen berichten von
ersten Auseinandersetzungen. Die Preise für Lebensmittel - etwa Reis,
Speiseöl oder Trinkwasser - haben sich in den letzten Tagen mehr als
verdoppelt.
|
 |
Infobox |
 |
 |
 |
 |
Birma, Burma, Myanmar Wenn von dem Land zwischen Indien und Thailand gesprochen wird, werden oft
unterschiedliche Namen benutzt. Grund dafür ist die Umbenennung des Landes
in Myanmar im Jahr 1989 durch die Militärjunta. Bis dahin hieß das Land im
Deutschen Birma, im Englischen Burma. Im englischen Sprachraum hat sich die
Bezeichnung Burma gehalten - wohl auch, weil die USA als Ausdruck ihrer
Missbilligung der Militärregierung am alten Namen festhalten. Burma wird
auch in deutschen Medien verwendet, die deutschen Presseagenturen haben sich
aber auf den Namen Birma geeinigt. Die UN und das Auswärtige Amt benutzen
den offiziellen Landesnamen Myanmar.
|
 |
 |
|
Beobachter rechnen mit weiteren Unruhen, sollte das Militärregime Birma
weiterhin von internationaler Hilfe abschirmen. Die Wut in der Bevölkerung
wachse, berichtet eine Mitarbeiterin der britischen Botschaft in Rangun. Die
Menschen werfen der Regierung vor, sie nicht vor der herannahenden
Katastrophe gewarnt zu haben. Um der schlechten Stimmung entgegenzuwirken,
täuscht die politische Führung Engagement vor. Laut Medienberichten werden
Hilfsgüter aus China und Thailand umgepackt und als Hilfsleistungen der
Regierung deklariert.
Trotz der Katastrophe und internationaler Kritik hat die Militärjunta am Samstag (10.05.2008) das Verfassungsreferendum durchführen lassen. Die neue Verfassung ist umstritten, da sie das Militär in Parlament und Regierung mit mehr Machtbefugnissen ausstattet. Birmas Staatsmedien vermeldeten am Wochenende einen Erfolg des Referendums. In einzelnen Regionen habe die Zustimmungsquote zwischen 90 und knapp 100 Prozent gelegen. Politische Beobachter hatten im Vorfeld damit gerechnet, dass zwei Drittel der Wahlberechtigten die Verfassung ablehnen werden. Regimekritiker sprachen von massivem Wahlbetrug und Einschüchterungen seitens der Regierung. "Dieses Referendum war absolut nicht frei und fair", sagte Naing Aung vom "Forum für Demokratie in Birma" gegenüber einer deutschen Tageszeitung.
Das könnte die Lage im Vielvölkerstaat Birma weiter verschärfen. Das
Vertrauen der Bevölkerung in die Junta hat stark gelitten, nachdem die
Generäle im vergangenen Herbst friedliche Proteste gegen das Militärregime
gewaltsam niedergeschlagen hatten. Sollte sich die Lage für die Menschen in
den nächsten Wochen nicht spürbar verbessern, könnte die Situation
eskalieren, prophezeit der thailändische Politikwissenschaftler Win Min.
Auch ein Sturz der Militärregierung, die das Land seit 1962 diktatorisch
regiert, wäre dann nicht ausgeschlossen.
Mehr zum Thema
|
 |
 |

 |
Markus Reger
 |
 |
 |
 |
Birma/Myanmar
Die Öffnung des Militärregimes hat zwar nicht die Dominanz des Militärs beseitigt, aber doch neue politische Spielräume geschaffen. Der neue Präsident Thein Sein versucht, sich als Reformer zu profilieren. In den Gebieten ethnischer Minderheiten haben bewaffnete Auseinandersetzungen jedoch wieder zugenommen. |
 |
 |
|
 |

 |
euro|topics - Presseschau
 |
 |
 |
 |
Katastrophe in Birma: Die europäische Sicht
Birma steht vor einer humanitären Katastrophe. Vor wenigen Tagen verwüstete ein Wirbelsturm das südostasiatische Land. Mindestens 10.000 Menschen wurden getötet, mehrere Hunderttausend sind obdachlos. Die birmanische Militärregierung will in wenigen Tagen trotzdem ein geplantes Verfassungsreferendum durchführen, mit dem sie ihre Macht weiter festigen will. Was denkt Europa? |
 |
 |
|
 |

 |
Hintergrund aktuell (24.09.2007)
 |
 |
 |
 |
Proteste in Myanmar
Der Druck auf das Militärregime in Myanmar wächst. Am Montag gingen rund
30.000 buddhistische Mönche und Zivilisten auf die Straße, um friedlich
gegen die Militärdiktatur zu demonstrieren. |
 |
 |
|
 |
|
 |
09. Februar 2012
 |
 |
 |
Mehr Wissen |
 |
 |
 |  |
 |
 |
 |
 |
Stichworte aus den Lexika der bpb
|
 |
 |
 |
 |
|