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Radio und Social Media
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"Social Radio" - Hörerbindung mit Twitter, Facebook und Co. |

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Von Wolfgang M. Seemann
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"Blitzer in der Zeppelinstraße stadteinwärts" meldet ein Radiofan via Twitter @gongwuerzburg. Kaum steht die Radarfallenwarnung auf der Twitterseite online, verkündet sie der Moderator auch schon on air im Radioprogramm. "Unser Twitter-Feed ist keineswegs eine Einbahnstraße", erklärt Frank Beyl, Programmleiter und Moderator beim Würzburger Lokalsender Radio Gong.
Das jugendlich orientierte Würzburger Hitradio "zwitschert" nun schon seit Juni 2009 mit seinen Hörern (http://twitter.com/gongwuerzburg). Dabei sind die Tweets aus dem Funkhaus Würzburg keineswegs nur Eigenwerbung für den Sender. Im Gegenteil: Das Gros der Tweets besteht aus topaktuellen Lokalnachrichten. "Wir wollen unseren Hörern einen echten Mehrwert bieten", betont Beyl. Daher halte sich Radio Gong mit Eigenwerbung wie Hinweisen auf Gewinnspiele und besondere Aktionen des Senders bewusst zurück.
Gut 1000 Follower hat der Twitter-Feed von Radio Gong. Neben Twitter und Facebook ist der Würzburger Lokalsender auch bei MeinVZ und Wer-kennt-Wen aktiv. Letzteres Netzwerk ist mit rund 1600 Radiofans das bislang erfolgreichste Diskussionsforum des Senders. "Unsere Moderatoren nutzen die Sozialen Netzwerke um ein Feedback von den Hörern zu bekommen", so Beyl. Für die Radiomacher sei es schließlich wichtig, zu wissen wer die Hörer sind, "dass die Hörer quasi ein Gesicht bekommen", wie es Frank Beyl formuliert. Dabei kämen bei den Diskussionen über das Programm von Seiten der Hörer durchaus kreative und konstruktive Ideen zur Sprache.
Es sind vor allem die jungen Wellen, die den Nutzen von Twitter, Facebook und Co. für die Hörerbindung erkannt haben. Einer der darin erfolgreichsten deutschen Sender ist das hessische "planet radio", der jugendliche Ableger des landesweiten hessischen Radioprogramms "Hitradio FFH". "Angefangen haben wir mit den "Sozialen Netzwerken" im Frühjahr 2009. Radio muss da sein, wo die Hörer sind", sagt Hans-Dieter Hillmoth, Programmdirektor und Geschäftsführer bei Radio/Tele FFH. Um die Hörer dort abholen zu können, wo sie sind, stellt FFH auch 26 Webradios - vom Schlagerkult, über Nachrichten bis zum Comedyformat - ins Netz. Allein im letzten Jahr hätten die FFH-Programme ihre Hörerzahlen verdoppelt. Und bei Facebook und Twitter "gehe gerade die Post ab" freut sich Hillmoth.
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"planet radio" nutzt Facebook.
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Bis Ende Dezember sind nach Senderangaben bereits rund 4800 Facebook-Nutzer "Fans" von "planet radio" geworden, mehr als bei jedem anderen deutschen Radiosender sollen es sein. Für die Facebookfans von "planet radio" ist es dabei besonders praktisch, dass sie sich den Webstream des Programms gleich direkt auf ihre Facebook-Seite laden können. "Klar, dass da gerade die jüngeren Hörer vertreten sind. Auch deshalb machen wir's bei planet", so Hillmoth. Bei planet radio ist es Morgen-Moderator Matze beispielsweise, der schreibt. Aber auch FFH versucht Tweets und Beiträge zu personalisieren. Beim eher etwas älteren FFH-Publikum finden dementsprechend vor allem Musik-, Hessen- und Sport-News ihre Nutzer in den sozialen Netzwerken.
Auch die Senderkette Radio Energy ist bei Facebook und Twitter aktiv. Wie die meisten jugendlichen Radiosender verfügt Energy zwar ebenso über eine eigene Community, Facebook allerdings biete darüber hinaus auch Kontaktmöglichkeiten nach außen, zu den Freunden der eigenen Stammhörer. Christophe Montague, Geschäftsführer der Radio NRJ GmbH, empfindet Facebook daher auch keineswegs als Konkurrenz zur sendereigenen Community "MyEnergy". Montague: "Die Realität zeigt, dass unsere User mehrere Plattformen nutzen, um mit Freunden im Kontakt zu sein und Infos über Musik und Events zu haben. Aus diesem Grund muss Energy mit seinen Angeboten auch auf anderen Plattformen aktiv und präsent sein". Für Energy sind die Sozialen Netzwerke in der multimedialen Web-2.0-Welt daher eher weitere Multiplikatoren.
Den besonderen Nutzen für das Radio sieht der Energy-Chef dabei in den Möglichkeiten zur Interaktion. Montague: "Das Radio von gestern als reines Empfangsgerät hat ausgedient. Direkter Kontakt zum User und Mitgestaltungsmöglichkeiten sind heute unverzichtbarer Service von modernen Radiosendern. Innovative Onlineangebote mit Bewegtbildformaten bilden zusammen mit dem On-Air-Programm ein neuartiges multimediales Angebot."
Natürlich wird bei den Radiosendern, die die neuen Möglichkeiten des Web 2.0 nutzen, noch viel experimentiert. Nicht immer gelingt es den Moderatoren dann auch, wirkliche Diskussionen anzuschieben. "Die Erwartungshaltung an einen Musiksender kann nur dann befriedigt werden, wenn relevante Themen und Inhalte für die Zielgruppe stets aktuell aufbereitet sind. Durch die Nutzung unserer nationalen Synergien gelingt es uns, exklusiven Content zu generieren, der uns von den Angeboten vergleichbarer Musikformate unterscheidet und abhebt. Die Einbindung unserer User durch Kommentarfunktionen und Mitentscheidungstools spielt dabei eine wesentliche Rolle", so Montague.
Dass sich das Engagement lohnt, wissen die Senderchefs, denn gerade im Internet haben sie stets konkrete aktuelle Hörerzahlen zur Hand. Und diese Zahlen wachsen stetig. Allerdings verändert diese Entwicklung auch das Berufsbild des Radiomoderators. "Gerade bei den Sozialen Netzwerken läuft nichts ohne persönliche Einbindung der Macher in den einzelnen Programmen", betont auch Hans-Dieter Hillmoth. Wenngleich die Radiosender ihre digitalen Aktivitäten hinter den Kulissen meist in eigenen, übergreifenden Digital-Bereichen bündeln, müssen auch die Radiomoderatoren heute Internet-affin sein. Sonst geht vor allem bei Jugendprogrammen gar nichts mehr. |
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