Dossierbild Afrikanische Diaspora
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Just another street thing oder: the talking drums of the urban cities


30.7.2004
Die elektronische Club-Musik wird von Hamburg bis München zunehmend von afro-deutschen Künstlerinnen und Künstlern angenommen. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an etablierten Subgenres, die der Musikszene hier zu Lande ihre Langlebigkeit sichert. Dazu gehören beispielsweise House, Drum'n'Bass oder Jungle.

Bullet Proof Soul feat.Curley Energies & Elem EnopehBullet Proof Soul feat.Curley Energies & Elem Enopeh (© cyberNomads)

Einleitung



Die "elektronischen Sounds", ob nun House, Downbeat, Drum'n'Bass/Jungle oder Breakbeatz hatten es bisher nicht leicht, von afro-deutschen Künstlerinnen und Künstlern in der Musikszene angenommen zu werden. DJs, MCs und Produzenten widmeten sich primär der Hip-Hop- und R&B-Szenerie. Ein Aspekt, der verwundert, denn richtet man seinen Blick nach England, so wird deutlich, dass dort die elektronische Underground-Szene sehr stark von Schwarzer Kultur und ihren Künstlern beeinflusst wurde. Ob nun Roni Size, LTJ Bukem, New Sector Movement, Goldie, Tricky, 4Hero, Grooverider oder Dizzee Rascal: viele der britischen Künstlerinnen und Künstler zeigten bereits erfolgreich, wie groß das Spektrum afro-urbaner Soundinnovation ist.

Jungle, mit dem Englands Musikszene Anfang der 90er Jahre seine erste wirklich eigene Musikbewegung auf dem Dancefloorsektor bekam, hatte neben dem Techno-Hardcore-Breakbeat, der in englischen Clubs Ende der 80er, Anfang der 90er gespielt wurde, besonders prägende musikalische Einflüsse von Reggae, Ragga, Hip-Hop, Jazz und Dub. "The talking bass-drum" ist eines der zentralen Elemente und auch Brokenbeatz hat seinen Ursprung im Jazz, Funk und traditionellen Afro-Beat.

Aus den Arbeitervierteln East Londons machte sich Jungle/Drum'n'Bass auf, um über Dubplates (Vorab-Vinylpressungen), Clubs, Labels, Compilations und Piratensender einen neuen Trend zu etablieren, der sich bis heute von Europa bis nach Amerika und schließlich in der ganzen Welt durchsetzte. Viele Künstler, die das weite Spektrum nutzten und "ohne Regeln" produzierten, veröffentlichten entweder bei einem Major-Label oder waren so erfolgreich, dass sie eigene Label- und Vertriebsstrukturen aufbauen konnten. 1997 gewann die "Full Cycle Crew Reprazent" um Roni Size den prestigeträchtigen Mercury Music Award und damalige Independent-Labels wie "Mo Wax" waren stark daran interessiert, Drum'n'Bass-Produzenten im instrumentalen Hip-Hop-Bereich einzubinden. "Als eigenständiges Genre verweilt Drum'n'Bass weiterhin ganz oben an der Spitze der technischen und produktionsbezogenen Innovation, während die ständige Dynamik der Musik und der Szene selbst ihre Langlebigkeit und Beständigkeit sichert" (Kingsley Marshall & future-music.net).

Jungle Music und seine Entwicklungstrends



Jungle, das eine komplexe Mischung aus verschiedenen Einflüssen und Musikstilen darstellt, entwickelte sich damals in sehr viele Subgenres. Der wohl heute erfolgreichste und populärste Sound ist "Ambient/Intelligent". Er zeichnet sich durch eingängige Beats, atmosphärische Flächen (ein- und ausgefadete stehende Töne) und jazzige Elemente aus. Die bekanntesten Künstler sind u.a. LTJ Bukem, Photek, 4Hero oder Omni Trio.

Die Begriffe "Hardstep/Jump-Up" können weitgehend analog verwendet werden. Die kleine Differenzierung besteht darin, dass Jump-Up einen etwas leichteren, frischeren und dynamischeren Touch besitzt. Die Styles zeichnen sich vorwiegend durch progressivere, variantenreichere Drum-Patterns, musikalischere Momente und melodischere Basslinien aus. Künstler: z.B. Ray Keith, DJ SS, Dillinja, Shy FX.

Eine tiefere und eher düstere Variante von Jungle ist Darkside, das sich von dem Rave-Mainstream, der Anfang der 90er kaum musikalische Innovationen zeigte, absetzte. Produzenten des "Darkside Styles" verzichteten auf Elemente wie 'Happy'-Melodien oder gepitchte Samples und ersetzten sie durch tiefe Sub-Bässe und abstrakte Soundkonstrukte. Darkside hatte eine Brückenfunktion vom frühen Hardcore bis hin zum anspruchsvolleren Hardstep und experimentellerem Drum'n'Bass wie von DJ SS, Solo, Source Direct und Goldie, der als erster bei einer Major-Company unterschrieb.

"Jungle Ragga" – eine der frühesten und am weitesten verbreiteten Formen von Drum'n'Bass – fand damals in den Clubs der britischen Großstädte viele Sympathien bei Jugendlichen afrikanischer und karibischer Abstammung. Gesamplete raue "Ragga-Muffin-Beats", die mit etwa doppelter Geschwindigkeit abgespielt wurden, und – ebenfalls von Ragga-Platten gesampelte – sehr schnelle Vocals/Raps waren die Merkmale des Sounds. Den wohl ersten großen Hit der Jungle-Bewegung in England lieferte damals M-Beat feat. General Levy mit "Incredible". Weitere angesagte Künstler waren 2 Bad Mice, Rude Bwoy Monty, Shy FX, Amazon II, Congo Natty Artists.



 

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