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Dossier
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Mexiko-Stadt |

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Selbstbausiedlungen als Lösung Sonja Ernst
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1325 gründeten die Azteken, die sich selbst méxica nannten, auf einer Insel im See Texcoco die Stadt Tenochtitlán. Als der Spanier Hernán Cortés 1519 an der Ostküste des heutigen Mexikos landete und die Stadt zwei Jahre später eroberte, lebten dort nach Schätzungen 200.000 bis 300.000 Menschen – für damalige Verhältnisse bereits eine Megastadt.
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2010 wird Mexiko-Stadt 20 Millionen Menschen zählen - eine Hybercity, Foto: Eckhart Ribbeck
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In der Folge zerstörten die Spanier nicht nur zahlreiche aztekische Kulturdenkmäler, sondern legten auch den Texcocosee trocken. So konnte sich die Stadt weiter ausdehnen. Allerdings führte die Bebauung des trockengelegten Sees zu einem noch heute schwerwiegenden Problem: Mexiko-Stadt steht nicht auf festem Grund. Die Metropole senkt sich jährlich um rund 20 Zentimeter, teilweise sind Häuser über die Jahre metertief in den Boden gesackt. Das macht die Bebauung schwierig, und viele vor Jahrzehnten errichtete Gebäude stehen mittlerweile schief.
Ein weiteres Problem ist die Wasserversorgung: Trinkwasser muss teilweise aufwändig aus tiefer gelegenen Regionen in die Stadt gepumpt werden. Das Leitungssystem ist überaltet, so dass ein beträchtlicher Teil des Wassers unterwegs versickert. Im Sommer rationieren die Stadtwerke teilweise das Trinkwasser. Mexiko-Stadt ist auch eine erdbebengefährdete Region. 1985 erschütterte ein großes Beben die Stadt. 9.500 Menschen starben und rund 30.000 wurden obdachlos.
Spontansiedlungen – Entwicklung mit ungewissem Ausgang
Etwa die Hälfte der Wohnbebauung der Metropole besteht aus illegalen, aber meist geduldeten Selbstbausiedlungen. Bereits um 1950 entstanden so genannte colonias populares, die sich jenseits der offiziellen Stadtpolitik und -planung entwickelten. Am Stadtrand etablierte sich der illegale Handel mit Grund und Boden: Die Gebiete werden kleinteilig parzelliert und profitorientiert verkauft. Entsprechend frei ist auch die Gestaltung und Bebauung der Grundstücke: Oft sind es ein- bis zweistöckige Wohnhäuser mit einem Hof, die den wirtschaftlichen und familiären Umständen der Bewohner angepasst werden. So entstehen im Parterre häufig Läden oder Werkstätten.
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Der Begriff Slum greift in Mexiko-Stadt nicht immer, hier eine konsolidierte Slumsiedung, Foto: Eckhart Ribbeck
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Nicht zwangsläufig müssen sich am Stadtrand auf Dauer Elendsquartiere entwickeln. Durch das hohe Maß an Hauseigentum handelt es sich auch bei den armen Gebieten nicht um Slums im engeren Sinne. Einige dieser Siedlungen konnten sich nach Jahrzehnten konsolidieren und weisen mittlerweile eine tragfähige Infrastruktur auf. Das prominenteste Beispiel einer solchen, schnell gewachsenen Siedlung ist Nezahualcoyotl im Osten von Mexiko-Stadt. Anfang der 1970er Jahre galt "Nezo" als größter Slum Lateinamerikas, heute ist die Siedlung weitgehend eine intakte Vorstadt. Das Gebiet, in dem heute fast zwei Millionen Menschen leben, ist zum Großteil durch eine großstädtische Infrastruktur geprägt und vom Stadtkern gut mit Bussen oder der Metrolinie zu erreichen. Mittlerweile ist Nezahualcoyotl politisch selbstständig, gehört jedoch zur urbanen Region von Mexiko-Stadt. "Nezo" zählt zu den ärmsten Millionenstädten des Landes.
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Städtebaulich ist Mexiko-Stadt eine echte "Sparstadt", Foto: AP
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Zuwachs am Rand
Die Selbstbausiedlungen am Stadtrand bilden aufgrund der kleinteiligen Parzellierung und streng symmetrischer Straßen ein gigantisches, monotones Muster. Auch der Stadtkern ist wie die meisten Städte, die von den Spaniern errichtet wurden, schachbrettartig strukturiert – allerdings immer wieder auch durchsetzt mit großen Parks und verkehrsberuhigten Gebieten. Das historische Zentrum – das centro historico – von Mexiko-Stadt ist von der Unesco 1987 auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt worden.
Im eigentlichen Stadtkern wohnen heute 8,7 Millionen Menschen auf einer Fläche von knapp 1.500 Quadratkilometern. Dieses Gebiet bildet einen eigenen Bundesdistrikt (distrito federal), dem seit 1997 ein Bürgermeister vorsteht, der direkt gewählt wird. Mexiko-Stadt ist in 16 Bezirke (delegaciones) unterteilt, die politisch weitgehende Selbstständigkeit besitzen. Indem man von den vormals zentralistischen Strukturen abrückte, erhoffte man sich auch, die Entwicklung der Metropole besser steuern zu können. Während das Bevölkerungswachstum im Zentrum nur gering ist, steigt es an der Peripherie weiter an. 2010 wird die gesamte Agglomeration mehr als 20 Millionen Bewohner haben. Längst hat sich Mexiko-Stadt auf die angrenzenden Bundesstaaten Mexiko und Hidalgo ausgeweitet. |
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Lateinamerika
Lateinamerika befindet sich mitten im Umbruch. Demokratische Strukturen haben sich etabliert, doch die soziale Anspannung ist geblieben. Das Dossier schildert die jüngsten politischen Entwicklungen in 19 Staaten. Im Mittelpunkt stehen zudem die sozialen Bewegungen, aber auch Themen wie Bildung, Emanzipation und Menschenrechte. |
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