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Dossier bpb.de


Zukunftsvisionen auf den Nürnberger Lokalrundfunktagen

Wird das iPad das neue Küchenradio?


Von Inge Seibel-Müller

Noch senden die lokalen Radiosender über ihre angestammten UKW-Frequenzen, während weiterhin heftig nach der besten Lösung für digitale Ausstrahlungswege gesucht wird. Doch kaum ein Sender, der nicht auch über Webstreams im Internet erreichbar ist - jede Radiostation verfügt wie selbstverständlich über eine eigene Internetsite.

Das Internet, soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook und MySpace und die Konvergenz der Medien - um diese Schwerpunkte drehten sich inhaltlich nahezu alle Radio-Workshops auf den Lokalrundfunktagen Anfang Juli in Nürnberg. Im Internet , so glauben die meisten Radioschaffenden, liegt die Zukunft des Radios. "Das Internet wird überbewertet", meint dagegen Ad Roland.



Der holländische Radioberater Ad Roland hat die private Radiolandschaft in Deutschland entscheidend mitgeprägt. Die Stärke des Mediums sieht er noch immer in seiner großen Kommunikationsfähigkeit.

Der Radiopionier aus Holland, der in den 70er Jahren die "Europarade" erfand und als Berater maßgeblich am Erfolg des ersten landesweiten Privatradios "R.SH" aus Schleswig-Holstein beteiligt war, hält Facebook und "Twitter", den Infokurzdienst in 140 Zeichen, für Zeitverschwendung und einen Hype, der vorüber geht. "Das Schöne am Radio", sagt Ad Roland, "ist doch die Tatsache, dass Du alles andere nebenbei machen kannst. Videos und all die anderen visuellen Anwendungen verlangen unsere ganze Konzentration. Radio braucht das nicht."

In der schönen neuen Radiowelt wird aber alles ganz anders. Das zumindest glaubt Mikko Linnamäki, einer der Referenten, die in Nürnberg auf einem der meist beachteten Workshops unter dem Schlagwort "Radio und Internet" neue Entwicklungen, Trends und Anwendungen vorstellten. Mikko Linnamäki kennt sich auf dem Markt der Radio-Applikationen (Radio-Apps) für Smartphones aus, den er aufgrund der mittlerweile beachtenswerten Nutzerzahlen nicht mehr als Hype, sondern längst als "Mainstream" bezeichnet. Smartphones wie das iPhone ermöglichen es Radiomachern, ihr Angebot zu visualisieren und damit zu erweitern.

iphone_Apps
Der Screenshot zeigt nur einen Bruchteil der Apps, die Linnamäkis Firma für rund 150 Radiostationen bereits entwickelt hat.

Linnamäki ist Geschäftsführer der Firma "Liquid Air Lab". Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart ist Marktführer im Bereich mobiler Radio-Apps und bietet seit etwa einem Jahr Radiosendern Apps für Smartphones der unterschiedlichsten Marken an. Die Preise für die Apps sind erschwinglich und beginnen bereits bei 399 Euro. Liquid Air Lab ist dabei nicht nur der Ansprechpartner für Design und Programmierung, sondern bietet auch Lösungen für Publizierung und Vermarktung der in den Radioplayern integrierten Werbeflächen.


Audio
Mikko Linnamäki entwickelt Radio-Apps

Mikko Linnamäki hat mit seiner Firma "Liquid Air Lab" für viele Radiostationen Smartphone-Apps entwickelt. Auf dem iPad sieht er die Zukunft des Radios.
5,2 Millionen Apps der Firma Liquid Air Lab von rund 150 Radiostationen sind bereits von den Usern auf ihre Smartphones geladen worden, täglich werden es 30.000 mehr. Liquid Air Lab hat ein Programm geschrieben, mit der sich das Nutzerverhalten ganz genau beobachten lässt. "15 Millionen Mal wird im Monat ein Radiokanal über diese Apps angewählt" berichtet Mikko Linnamäki und schätzt, dass sich diese Zahl bis zum Jahresende verdoppeln wird. Mittlerweile arbeitet Liquid Air Lab auf Hochtouren an der Entwicklung neuer Apps für das iPad, das durch seine höhere Bildschirmauflösung potentiell noch größere Spielräume biete. Für Linnamäki hat das iPad alles, um zum neuen Küchenradio zu werden.


 
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Redaktion
Rückblick
Das waren die Lokalrundfunktage 2010
Das waren die Lokalrundfunktage 2010
Die Lokalrundfunktage 2010 in Nürnberg standen dieses Jahr wieder im Zeichen der Medienkonvergenz und des neuen Medien-
nutzungsverhaltens. Videos, Fotos, Präsentationen und Audiobeiträge aus den Vorträgen auf lokalrundfunktage.de
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