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Ursachen und Folgen
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Brennpunkte des Temperaturanstiegs – die Betroffenen des Klimawandels |
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| Frederic Rudolph |
Einführung Die Klimaveränderungen werden weit reichende Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und Siedlungsstrukturen mit sich bringen. Dies ist bereits sicher. Schon heute bekommen insbesondere die Einwohner von Entwicklungsländern die klimatischen Veränderungen deutlich zu spüren. Sie werden in Zukunft zunehmend und am stärksten betroffen sein. Doch auch in den Industrieländern wird die Vulnerabilität, d.h. Verwundbarkeit der Menschen gegenüber den sich ändernden klimatischen Bedingungen ansteigen. Die Verwundbarkeit nimmt dabei nicht wegen der höheren Durchschnittstemperaturen zu, sondern insbesondere aufgrund der häufigeren und stärkeren Extremwetterereignisse.
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Die Sahelzone ist vom Klimawandel besonders betroffen. Foto: AP
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Der Wandel zeigt Wirkung
Nicolas Stern ist Berater der Britischen Regierung und ehemaliger Chefökonom der Weltbank. In seiner Ende 2006 erschienenen "Stern Review" sorgte er für Aufsehen, weil darin Sätze zu lesen sind, die unweigerlich aufschrecken lassen. Beispielsweise sagte er, dass "durch unser Handeln jetzt und über die nächsten Jahrzehnte das wirtschaftliche und soziale Leben in einem Ausmaß ähnlich dem während der Weltkriege und der Wirtschaftskrise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gestört werden könnte." Er weist darauf hin, dass alle Länder von den Veränderungen betroffen sein werden, jedoch die ärmsten Länder und Bevölkerungen die verwundbarsten sind und am ehesten und meisten leiden, obwohl sie am wenigsten zu den Ursachen der Erderwärmung beigetragen haben. Die Prognosen sind Anlass genug, einen Blick in die Zukunft auf die Folgen des globalen Wandels für die Menschen zu werfen.
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Zur Person |
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Frederic Rudolph geb. 1980; Studium der Raumplanung an der Universität Dortmund und der Ecole d'Architecture Montpellier; derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe "Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik" am Wuppertal Institut. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Energieeffizienz- und Verkehrspolitik in Entwicklungs- und Schwellenländern.
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 |  | Die Klimaforschung hat den Begriff der "Verwundbarkeit" definiert, um darauf zu schließen, wer von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sein wird. Verwundbarkeit ist das Ausmaß der Gefährdung, den negativen Folgen des Klimawandels ausgesetzt zu sein, bzw. der Unfähigkeit, sich dem Charakter und der Intensität des Wandels anzupassen. Folgende drei Faktoren sind dabei maßgeblich:
- Die Exposition gibt an, wie sehr eine bestimmte Region, bzw. ihr soziales oder Ökosystem den klimatisch bedingten Risiken ausgesetzt ist. Diese sind regional deutlich unterschiedlich ausgeprägt.
- Die Sensibilität eines Systems zeigt an, wie stark es auf klimatische Veränderungen reagiert. Beispielsweise könnten sich die Struktur einer Volkswirtschaft oder eines Ökosystems verändern oder deren Funktionsweise beeinträchtigt oder gar zerstört werden.
- Die Anpassungsfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit einer Gesellschaft oder eines Wirtschaftssektors, so mit den Folgen des Klimawandels umzugehen, dass mögliche Schäden auf ein verträgliches Maß reduziert werden. Demnach können sich diejenigen Regionen besser schützen, die wissen, wo Bedarf an Anpassung besteht, die entsprechende finanzielle Mittel bereitstellen und Maßnahmen ergreifen können.
In den nun folgenden Beispielen zu den Folgen des Klimawandels wird sehr deutlich, dass diese drei Faktoren sich gegenseitig überlagern und die Verwundbarkeit der Betroffenen dadurch noch verstärkt wird.
Wasser: Vom Mangel und vom Überfluss
Wasser ist nicht nur das wichtigste Lebensmittel, sondern auch ein entscheidender Faktor für Entwicklung und Wirtschaft. Die Auswirkungen des Klimawandels werden in den nächsten Jahrzehnten Milliarden von Menschen vom Zugang zu sauberem Trinkwasser abschneiden. Nach Schätzungen der Umweltorganisation Greenpeace könnten wegen Dürreperioden und Überschwemmungen als Folge der Erderwärmung im Jahr 2025 weltweit mehr als fünf Milliarden Menschen in armen Ländern ohne ausreichende Wasserversorgung sein.
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Quelle: Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU): Welt im Wandel - Sicherheitsrisiko Klimawandel, Berlin 2007.
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Ein plastisches Beispiel für die Folgen veränderten Wasserangebots ist die Sahelzone, die Übergangszone zwischen dem Wüstengebiet der Sahara und der Feuchtsavanne des tropischen Afrikas. In einer durch schwache Staaten (z. B. Somalia, Tschad), Bürgerkriege (z. B. Sudan, Niger) und große Flüchtlingsströme charakterisierten Region ist in den letzten 35 Jahren die Durchschnittstemperatur aufgrund einer Temperaturveränderung des Indischen Ozeans bereits um ein bis zwei Grad Celsius angestiegen. Die wärmeren und trockeneren Bedingungen haben zu einer Verkürzung der Vegetationsperiode geführt. Hinzu kommt die Verteilung der Niederschläge auf wenige, katastrophenartige Ereignisse. Dürreperioden werden von dramatischen Überschwemmungen abgelöst. Das bereits hohe Hungerrisiko wird im Sahel klimatisch bedingt zukünftig weiter dramatisch hochschnellen.
Die Einwohner der Sahelzone wiederum sind unterschiedlich stark betroffen. Beispielsweise sind Frauen in den ländlichen Regionen der Sahelzone oft in der Verantwortung, den Lebensunterhalt und die Versorgung mit Nahrung und Energie zu sichern. Erschwerter Zugang zu und Knappheit von Ressourcen, insbesondere Feuerholz und Wasser, erhöhen ihren Arbeitsaufwand. Bei Überschwemmungen sind besonders Kinder betroffen, da nach Überflutungen Durchfallerkrankungen und Masern die größten gesundheitlichen Risiken darstellen. Außerdem müssen sie häufig nicht nur für die Zeit der Überschwemmungen auf Schulunterricht verzichten, sondern werden auch nach den Überschwemmungen bei der Beseitigung der Schäden einbezogen.
Naturkatastrophen wie der Hurrikan Katrina, der den Süden der USA 2005 verwüstete, oder die Überschwemmungen in Deutschland 2002 erinnern daran, dass Extremereignisse nicht nur für Entwicklungsländer, sondern auch für entwickelte Länder eine Bedrohung darstellen. Allerdings können die Industrienationen ihre Verwundbarkeit eher senken, weil sie, wie beispielsweise durch Frühwarnsysteme und Deichnetzwerke, auf die veränderten Wetterbedingungen zu reagieren in der Lage sind.
02. März 2009 |
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