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1. Juli: Bundesfreiwilligendienst löst Zivildienst ab

Am 1. Juli startet der Bundesfreiwilligendienst. Er löst den Zivildienst ab, der durch die Aussetzung der Wehrpflicht wegfällt. Die Neuerung: Männer und Frauen jeden Alters können sich bewerben. Auch die Einsatzbereiche sind vielfältiger geworden.

Die Betreuung und Pflege im Krankenhaus Die Betreuung und Pflege im Krankenhaus
Dienst in der Obdachlosenhilfe, Organisation von Museumsführungen, Ausgrabungen für das Landesdenkmalamt oder die Mitarbeit im Sportverein: Mit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) am 1. Juli 2011 können sich Männer und Frauen aller Altersgruppen für eine ehrenamtliche Beschäftigung in gemeinwohlorientierten Einrichtungen bewerben.

Der Bundesfreiwilligendienst soll einen Teil der Lücke schließen, die entsteht, wenn mit der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 auch der Zivildienst wegfällt. Am 31. Dezember dieses Jahres werden die letzten Zivildienstleistenden entlassen. Derzeit sind noch rund 20.000 von ihnen tätig. Insgesamt wurden 2010 etwa 78.000 Zivildienstleistende einberufen, im Jahresdurchschnitt leisteten etwa 62.000 junge Männer ihren Zivildienst ab. Demgegenüber stehen 35.000 neue Stellen, die im Jahresdurchschnitt nach dem Willen der Bundesregierung mit dem Bundesfreiwilligendienst geschaffen werden sollen. Hinzu kommen 35.000 Freiwillige, die einen so genannten Jugendfreiwilligendienst leisten. Dazu zählen das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ). Beide Freiwilligendienste soll der Bundesfreiwilligendienst künftig ergänzen.

Der BFD kann im sozialen und ökologischen Bereich, aber auch – und das ist im Vergleich zum Zivildienst und den Jugendfreiwilligendiensten neu – in weiteren Bereichen wie Sport, Integration, Kultur, Bildung sowie Zivil- und Katastrophenschutz geleistet werden. Dabei sieht das Gesetz über den Bundesfreiwilligendienst vor, dass die im April 2011 für den Zivildienst anerkannten Beschäftigungsstellen auch für den Bundesfreiwilligendienst gelten. Anders als der Zivildienst, der einen staatlichen Pflichtdienst darstellt, ist der BFD eine freiwillige Beschäftigung. Und noch etwas ist neu: Galt der Zivildienst als Wehrersatzdienst nur für Männer, können sich für den Freiwilligendienst Männer und Frauen bewerben - vorausgesetzt sie haben das 9. Schuljahr abgeschlossen (Vollzeitschulpflicht). Während der Zivildienst zuletzt auf sechs Monate beschränkt war, dauert der Freiwilligendienst in der Regel zwölf, mindestens sechs und höchstens 24 Monate.

Wie der Zivildienst soll auch der Bundesfreiwilligendienst arbeitsmarktneutral sein. Das heißt: Die Freiwilligen verrichten ergänzende Tätigkeiten, ersetzen aber keine hauptamtlichen Kräfte. Die freiwillig Beschäftigten erhalten auch kein Gehalt im arbeitsrechtlichen Sinne, sondern ein "Taschengeld" als Aufwandsentschädigung. Dafür gilt derzeit eine bundesweit einheitliche Obergrenze von 330 Euro. Die jeweilige Höhe des Entgeltes kann jedoch innerhalb der Einrichtungen variieren. Die Freiwilligen sind ferner gesetzlich sozialversichert. Außerdem werden die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Dienstskleidung von den Arbeitgebern übernommen.

Zuständige Behörde für den Bundesfreiwilligendienst ist das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), das aus dem Bundesamt für den Zivildienst (BAZ) hervorgegangen ist. Es untersteht dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Bund fördert die Freiwilligendienste insgesamt mit 350 Millionen Euro im Jahr.

Seit das Gesetz über den Bundesfreiwilligendienst am 3. Mai in Kraft getreten ist, läuft das Bewerbungsverfahren. "Das Interesse ist enorm", teilte der Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Josef Hecken, mit. "Es gibt viele Einrichtungen und Verbände, die jetzt schon mehr Verträge mit Freiwilligen unterschrieben haben als sie je Zivis hatten", so Hecken. Das Bundesfamilienministerium geht davon aus, die anvisierte Zahl von 35.000 Freiwilligen bereits 2012 erreichen zu können. Demgegenüber beklagen viele Sozialverbände einen Bewerbermangel. Nach Angaben des Hauptgeschäftsführers des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, hätten die Mitgliedsverbände bis Ende Juni etwa 650 Verträge mit Freiwilligen abgeschlossen, geplant waren aber 5.000. Kritiker führen die geringe Nachfrage auf rechtliche Unklarheiten zurück, z.B. sei offen, ob jungen Menschen während des BFD Kindergeld gezahlt wird. Außerdem, so Schneider, sei durch den kurzfristigen Wegfall des Zivildienstes kaum Zeit gewesen, um für den BFD zu werben. Dennoch zeigt sich der Paritätischen Wohlfahrtsverband optimistisch, dass die Zielmarke von 35.000 Freiwilligen mit steigendem Bekanntheitsgrad des BFD mittelfristig erreicht werden kann, wie eine Sprecherin am Donnerstag mitteilte.



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