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Innerstaatliche Konflikte

Friedenskonsolidierung - Leistungen und Defizite

Wenn gewaltsame Konflikte beendet sind, stehen Staaten vor neuen Herausforderungen: Können demokratische Systeme etabliert und Korruptionsstrukturen zerstört werden? Kann die Vergangenheit aufgearbeitet werden? Können sich Bevölkerungsgruppen versöhnen? Nur mit Geduld kann ein Problemlösungsprozess und ein dauerhafter Frieden erreicht werden.

Marcel M. Baumann und Lutz Schrader

Friedenskonsolidierung: Herausforderungen und Praxis

In den 1990er Jahren entwickelten sich die von der UNO und anderen Akteuren der internationalen Gemeinschaft unterstützten Friedensprozesse zu einem wichtigen Bereich der internationalen Politik. Seither mussten die beteiligten nationalen und internationalen Akteure ihre Strategie mehrfach revidieren.

Patrick Ziegenhain

Aceh

Der Friedensprozess in der indonesischen Provinz Aceh ist eine Erfolgsgeschichte, zu der vor allem die Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten beigetragen hat. Zur weiteren Vertiefung sollten auch drängende Probleme wie die relativ schwache wirtschaftliche Entwicklung und die Aufarbeitung der Konfliktvergangenheit angegangen werden.

Martina Fischer

Bosnien-Herzegowina

Der Friedensprozess in Bosnien-Herzegowina steckt in einem Dilemma. Einerseits verhindert das "Halbprotektorat" der internationalen Gemeinschaft, dass politische Parteien und Bevölkerung selbst Verantwortung übernehmen können. Andererseits droht genau für diesen Fall eine massive Reeskalation der ethnopolitischen Auseinandersetzungen.

Karsten Bechle

Guatemala

Zwar sind formal Demokratie und wirtschaftliche Normalität nach Guatemala zurückgekehrt. Doch zeigen die extrem ungleiche Verteilung von Landbesitz und Wohlstand sowie die hohe Kriminalität und die Kultur der Straflosigkeit, dass die Ursachen und Folgen des Bürgerkriegs nicht überwunden sind.

Stefan Rother

Kambodscha

Der Friedensprozess hat noch einen weiten Weg vor sich. Zwar ist das Rote-Khmer-Tribunal ein Fortschritt. Doch droht die Aufarbeitung des Genozids mit einem "Schlussstrich" beendet zu werden. Die Bevölkerung leidet unter Traumatisierung, Landraub, einem schwachen Justizsystem, Korruption und eingeschränkter Pressefreiheit.

Friedenskonsolidierung

­Mazedonien

Der Friedensprozess in Mazedonien scheint formal auf gutem Wege. Die EU ist grundsätzlich bereit, Beitrittsverhandlungen zu beginnen. Die tiefer liegenden Konfliktursachen werden jedoch kaum angegangen. Besonders die nationalistische Identitätspolitik der konservativen Regierung könnte die brüchige Stabilisierung gefährden.

Elísio Macamo

Mosambik

Der Friedensprozess in Mosambik gilt als Beispiel für eine gelungene Verhandlungslösung unter Beteiligung externer Akteure. Die zunehmende Dominanz der Regierungspartei FRELIMO könnte jedoch zu einem Hindernis für die weitere demokratische Konsolidierung und den Friedensprozess werden.

Reinhart Kößler

Namibia

Vor allem die Dominanz der Swapo-Partei hat die fast reibungslose Transition Namibias gewährleistet. Die Dominanz der Swapo mag aber auch ein Grund dafür sein, dass die Konfliktvergangenheit bisher kaum aufgearbeitet wurde. Dies könnte die künftige demokratische Entwicklung belasten.

Karsten Bechle

Nicaragua

Kurzfristig wurde Nicaragua durch den Pakt zwischen Liberalen und Sandinisten stabilisiert. Die Folgen sind jedoch soziale Ungleichheit und Armut sowie Vetternwirtschaft und Korruption. Die nicht aufgearbeiteten Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkriegs bilden eine schwere Hypothek für den Friedensprozess.

Markus Reger

Ost-Timor/Timor-Leste

Vordergründig erscheint der Friedensprozess in dem seit 2002 bestehenden Staat stabil. Zu den Defiziten gehören neben der nicht aufgearbeiteten Konfliktvergangenheit vor allem Korruption und Vetternwirtschaft, Probleme des Sicherheitssektors sowie starke Entwicklungsunterschiede zwischen der Hauptstadt und dem Rest des Landes.

Julia Viebach

Ruanda

17 Jahre nach Bürgerkrieg und Völkermord sind erste Erfolge in der sozioökonomischen Entwicklung und juristischen Aufarbeitung zu konstatieren. Erhebliche Defizite bestehen weiterhin in Bezug auf die politische Demokratisierung, die gerechte Verteilung der Ergebnisse des wirtschaftlichen Aufschwungs und den Versöhnungsprozess.

Wolf-Christian Paes

Sierra Leone

Seit dem Ende des Bürgerkriegs im Januar 2002 findet in Sierra Leone der Wiederaufbau staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen statt. Doch trotz der internationalen Unterstützung bleiben die strukturellen Ursachen des Konflikts weitgehend bestehen.

Helga Dickow

Südafrika

Südafrika ist ein Beispiel für einen insgesamt erfolgreichen Friedensprozess. Die Wahrheits- und Versöhnungskommission spielte hier eine wichtige Rolle. Aber noch immer leidet das Land an massiven sozial-ökonomischen Problemen, die sich z.B. in der hohen Arbeitslosen- und Kriminalitätsrate zeigen.

Marcel Baumann und Lutz Schrader

Friedenskonsolidierung: eine vorläufige Bilanz

Die Erfahrungen aus drei Jahrzehnten Friedenskonsolidierung (Peacebuilding) lassen wichtige Rückschlüsse auf die Erfolgsbedingungen von Friedensprozessen zu. Besonders Defizite bei der Vergangenheitsarbeit, der Überwindung der strukturellen Konfliktursachen und der Partizipation der Bevölkerung gefährden den Prozess.


 
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