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Europäische Identität
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Türkei kann nicht beitreten |  |
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Drei Fragen an Peter Scholl-Latour |
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Beschreiben Sie, wie Sie Europa definieren – jenseits seiner wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen.
Europa kann auf zwei Ebenen verstanden werden: Auf der wirtschaftlichen Ebene kann man sich relativ weit ausdehnen, in politischer Hinsicht muss man einen begrenzten Raum schaffen. Das sind die Kernstaaten Europas. Über sie geht es nicht hinaus. Wirtschaftlich sollen sich die anderen so anschließen, wie sie es wollen. Politisch gesehen kann nur ein ganz kleiner Kreis politische und vor allem auch strategische Entscheidungen treffen.
Die Stärke der islamischen Welt ist, dass sie sich ihrer islamischen Wurzeln bewusst ist. Das Abendland beruht auf der Basis der christlichen Lehre – ob man gläubig ist oder nicht. Dass diese Lehre deformiert worden ist, spielt dabei keine Rolle. Auch die Aufklärung ist schließlich aus christlichen Prämissen erfolgt.
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Zur Person |
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Peter Scholl-Latour Geb. 1924 in Bochum, ist Journalist, Autor und arbeitete als Auslandskorrespondent für Fernsehen und Zeitung.
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 |  | Der kulturelle Einigungsprozess, die Vertiefung der EU, wird mittlerweile als wichtiger Bestandteil der Einigung betrachtet. Wo steht die Türkei in diesem Prozess momentan, welche Rolle könnte sie dabei einnehmen?
Ich habe den Türken immer wieder gesagt, dass ich ihnen nicht rate, der Europäischen Union beizutreten. Ich finde auch, dass man ihnen eine Menge Demütigungen auferlegt mit den Forderungen, die man stellt. Die Türkei ist die Erbin einer Großmacht und fühlt sich auch noch als Großmacht. Sie ist als Staat wahrscheinlich stärker als dieses ganze europäische Sammelsurium zusammen. Wir sollten mit der Türkei – was wir ja bereits haben – eine sehr enge wirtschaftliche, kulturelle und militärische Zusammenarbeit pflegen, sie aber dennoch als eine getrennte Großmacht betrachten, wie das z.B. zwischen dem Wilhelminischen Reich und dem Osmanischen Reich der Fall war.
Welche Rolle spielen kulturelle und religiöse Fragen beim Beitrittsprozess, verglichen z.B. mit wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen Interessen?
Ich sehe für die Türkei überhaupt keine Möglichkeit eines Beitritts, abgesehen davon, dass jetzt auch in der französischen Verfassung verankert ist, dass jenseits von Rumänien und Bulgarien für jeden neuen Beitritt eine Volksabstimmung stattfindet. Die wird in Frankreich negativ ausfallen, und in Deutschland würde sie auch negativ ausfallen. Wir machen uns doch alle was vor: Die Politiker und Brüssel regieren doch an der europäischen Bevölkerung vorbei.
Das Interview entstand auf der Konferenz "The Importance of Being European: Turkey, the EU, and the Middle East" vom 13. - 15. Mai 2006 in Berlin.
14. Mai 2006 |  |
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