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UN-Millenniumsgipfel

Halbierung der weltweiten Armut bis 2015: So lautete das wichtigste Millenniumsziel, das die Vereinten Nationen im Jahr 2000 beschlossen haben. Vom 20. bis 22. September haben die Staats- und Regierungschefs auf dem UN-Millenniumsgipfel in New York Bilanz gezogen. Schon jetzt ist klar, dass nicht alle Ziele erreicht werden können.

Der Gipfel in New York geht mit einer gemischten Zwischenbilanz zu Ende: Bei der Grundbildung, der Gleichstellung der Geschlechter sowie im Kampf gegen Hunger und Armut sind in den letzten Jahren Fortschritte gemacht worden. Allerdings ist abzusehen, dass bis zum Jahr 2015 nicht alle Ziele erreicht werden, die man sich vor zehn Jahren gesetzt hatte. Im Jahr 2000 hatten die 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die sogenannte Millenniumserklärung verabschiedet. Mit ihr definierte die Weltgemeinschaft die zentralen Herausforderungen zu Beginn des neuen Jahrtausends in den Bereichen Frieden, Sicherheit, Abrüstung, Entwicklung und Armutsbekämpfung, Umweltschutz sowie Menschenrechten und Demokratie. Gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen erarbeiteten die UN und die Weltbank eine Liste mit acht internationalen Entwicklungszielen, die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollten. Bekannt wurden diese unter dem Namen Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals).

Hauptziel ist die Bekämpfung der weltweiten Armut. Bis 2015 sollen nur noch halb so viele Menschen in extremer Armut leben und Hunger leiden müssen wie noch im Jahr 1990. Als extrem arm gilt, wer weniger als den Gegenwert von 1,25 US-Dollar pro Tag zum Leben zur Verfügung hat. Ursprünglich war die Armutsgrenze auf einen US-Dollar festgesetzt worden, aufgrund der Preisentwicklung in Entwicklungsländern wurde sie aber noch einmal angehoben. Ebenfalls halbiert werden soll bis 2015 der Anteil der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Als zweites Millenniumsziel wurde beschlossen, allen Kindern eine Grundschulausbildung zu ermöglichen. Auch die Gleichstellung der Geschlechter soll gefördert und die Rechte von Frauen gestärkt werden. Des Weiteren soll die Sterblichkeitsrate von Kindern gesenkt und die Gesundheit von Müttern verbessert werden. Eine weitere Vorgabe ist die Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten. Neben dem Schutz der ökologischen Nachhaltigkeit steht auch der Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft auf dem Programm. Hier soll besonders auf die speziellen Bedürfnisse der am wenigsten entwickelten Länder eingegangen werden, was unter anderem Handels- und Schuldenerleichterungen für Entwicklungsländer beinhaltet.

Auf dem diesjährigen UN-Millenniumsgipfel bekräftigten die Staats- und Regierungschefs noch einmal die vor zehn Jahren vereinbarten Entwicklungsziele. Ferner diskutierten sie Maßnahmen, wie diese Ziele bis 2015 am besten erreicht werden könnten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Industriestaaten auf, ihre Anstrengungen zu erhöhen: Allein für das Jahr 2010 seien noch 20 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe nötig um die gesteckten Ziele zu erreichen, so der UN-Generalsekretär. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte auch an die Verantwortung der Nehmerländer. Zugleich forderte sie eine stärkere Ergebnisorientierung und Erfolgskontrolle der internationalen Entwicklungshilfe. Es komme darauf an, die begrenzten Hilfsgelder so nutzbringend wie möglich einzusetzen, so die Kanzlerin. Die deutsche Regierung plant auch weiterhin, die zugesagten 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe aufzuwenden.

Seit der Verabschiedung der Millenniumserklärung überprüfen die Vereinten Nationen in regelmäßigen Berichten die Fortschritte der acht Ziele in den einzelnen Ländern. Im aktuellen Millenniumsbericht werden die Auswirkungen der globalen Ölpreis- und Nahrungsmittelkrisen sowie der Finanz- und Wirtschaftskrise thematisiert. Diese hätten in den vergangenen Jahren erzielte Erfolge in der Armutsbekämpfung teilweise wieder zunichte gemacht. Laut der Welternährungsorganisation (FAO) litten 2009 - erstmals seit 1970 - wieder mehr als eine Milliarde Menschen an Hunger.

Dennoch geht der Report davon aus, dass die Armutsquote bis 2015 insgesamt auf 15 Prozent fallen wird: Damit würden etwa 920 Millionen Menschen unter der internationalen Armutsgrenze leben - und damit halb so viele wie 1990. Bislang sank die Zahl extrem armer Menschen in den Entwicklungsländern zwischen 1990 und 2005 von 1,8 auf 1,4 Milliarden, die Armutsquote fiel von 46 auf 27 Prozent.

Allerdings ist hierbei ein regionales Entwicklungsgefälle festzustellen. Verbesserungen gab es vor allem in China und weiteren asiatischen Ländern sowie Nordafrika und Lateinamerika. In Afrika südlich der Sahara und Südasien fielen die Fortschritte deutlich geringer aus. Andererseits erhalten immer mehr Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Setzt sich dieser Trend fort, kann hier das Entwicklungsziel erreicht werden.

Was die Bildungsziele betrifft, stieg die Einschulungsquote seit 1990 insgesamt auf rund 89 Prozent der Kinder in Entwicklungsländern. Im Regionalvergleich liegt die Einschulungsquote in Afrika südlich der Sahara zwar immer noch am niedrigsten, ist jedoch zwischen 1999 und 2008 um 18 Prozentpunkte - von 58 auf 76 Prozent angestiegen. Allerdings geht die UN nicht davon aus, dass bis 2015 alle Jungen und Mädchen eine Grundschulausbildung erhalten. Außerdem werden Mädchen in einigen Regionen nach wie vor bei der Bildung benachteiligt.

Auch die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren konnte in den Entwicklungsländern zwischen 1990 und 2008 um knapp vier Millionen Todesfälle deutlich verringert werden. Die anvisierte Verringerung der Müttersterblichkeit hingegen wird bis 2015 voraussichtlich nicht erreicht werden. Bei der Bekämpfung von HIV/AIDS verzehnfachte sich zwischen 2003 und 2008 die Zahl der Menschen, die mit antiretroviralen Medikamenten behandelten wurden, von 400.000 auf 4 Millionen. Allerdings übertrifft die Zahl der jährlichen Neuinfizierungen immer noch die Anzahl der Menschen, die eine Behandlung erhalten.


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