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Dossier Fußball-WM 2006

Trinidad und Tobago


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Gunda Wienke
Cricket rules - Fußball ist die Nummer Zwei
Landesflagge Trinidad und Tobago
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Landesflagge Trinidad und Tobago
Der Queens Park Savannah, mitten in der Hauptstadt Port of Spain, besticht durch seinen saftig grünen, perfekt getrimmten Rasen. Fußball wird hier nicht gespielt. Weißgekleidete Spieler vergnügen sich – "very british" - mit Ball und Holzschläger, beim Kricket. Gemeinsam mit Jamaika spielt Trinidad und Tobago für die West Indies auf Weltniveau. Der Kapitän des Teams, Brian Lara, ist einer der weltbesten "Batsmen". Als er 1994 den 36 Jahre gültigen Weltrekord von 365 auf 375 "runs" steigerte, war die gesamte Karibik aus dem Häuschen.

Zur Person
Gunda Wienke ist Redakteurin bei Matices, einer Zeitschrift zu Lateinamerika, Spanien und Portugal und arbeitet als freie Autorin für Radio, Print und Online.

Fußball ist in dem 1,3-Millionen-Staat nur die Nummer Zwei. Auf der Doppelinsel, die nordöstlich der venezolanischen Küste liegt, war die Stimmung jedoch nicht minder ausgelassen, als sich die "Soca Warriors" für die WM in Deutschland qualifizierten. Premierminister Patrick Manning rief den 16. November zum Nationalfeiertag aus, damit die heimkehrenden Kicker gebührend gefeiert werden konnten.

Der lange Weg der "Soca Warriors" zur WM

Die "Soca Warriors" sind das vierte karibische Team, das sich für eine WM qualifizieren konnte. 1938 in Italien schied Kuba schon in der ersten Runde aus, 1974 diente Haiti als Punktelieferant in Deutschland. Einzig Jamaikas "Reggae Boyz" erzielten 1998 in Frankreich mit ihrem 2:1 gegen Japan einen Sieg. Bei der WM zählt das Team von Trinidad und Tobago zu den Außenseitern. Erst im zehnten Anlauf meisterten die "Warriors" die Qualifikation in der CONCACAF-Gruppe (Nord-, Mittelamerika und Karibik). Auf dem Weg nach Deutschland profitierte man besonders vom Unvermögen der Konkurrenz.

Über die Vorausscheidungsrunde - mit Siegen gegen die Dominikanische Republik sowie gegen die Nachbarn St. Vincent/Grenadinen und St. Kitts and Nevis - gelang der Sprung in die abschließende Sechser-Qualifikationsgruppe. Kaum jemand erwartete, dass die "Soca Warriors" gegen Mexiko, USA, Panama, Costa Rica und Guatemala eine Chance haben würden.

Das Team erwischte einen miserablen Start und konnte aus den ersten drei Spielen nur einen Punkt holen. Die Lage schien bereits aussichtslos, als mit dem niederländischen Coach Leo Beenhakker, ein erfahrener Auswahltrainer, dem zurückgetretenen Bertille St. Claire ins Amt folgte.

Die neue Ära der "Soca Warriors" begann mit einem Sieg gegen Panama. Am letzten Spieltag musste im Heimspiel gegen die Mexikaner unbedingt ein Sieg her. Die längst qualifizierten Mexikaner ließen sich vom "Liming" – der karibischen "Kunst des Nichtstuns" anstecken. Trinidad und Tobago ging mit 2:1 vom Platz und sicherte sich die Teilnahme an der Playoff-Runde gegen Bahrain. Nach einem enttäuschenden 1:1 zu Hause gegen Bahrain gelang ein 1:0-Sieg in Arabien, der die erstmalige Teilnahme an einer WM sicherte.

Die Mannschaft ist der Star

Leo Beenhakker ist ein zielklarer und geschätzter Coach - er trainierte vorher das niederländische Nationalteam, Ajax Amsterdam und Real Madrid. Aus jungen Spielern und wenigen Routiniers formte der Niederländer ein effizientes Team. Star und Angelpunkt der Mannschaft ist der 34-jährige Dwight Yorke vom FC Sydney. Lange spielte er bei Manchester United, wo er gemeinsam mit Andy Cole ein kongeniales Stürmerduo bildete. Sein größter Erfolg mit Manchester war der unvergessene Last-Minute-Sieg gegen Bayern München im Champions-League Finale 1999.

Yorke stand dem Nationalteam zunächst gar nicht zur Verfügung, gab aber 2005, auf Drängen des Verbandes, seinen Rücktritt vom Rücktritt bekannt und spielt seitdem bei den "Soca Warriors" eine wichtige Rolle im zentralen Mittelfeld. Mit Russel Latapy steht ihm ein weiterer Routinier zur Seite. Der 37-Jährige ist Spielertrainer beim schottischen Club Falkirk. Aufgrund seines entscheidenden Anteils am Aufstieg von Falkirk in die schottische Premier League wurde er 2005 zum besten Spieler der zweiten schottischen Liga gewählt. In seiner Heimat gilt er immer noch als der beste Fußballer aller Zeiten des Inselstaates. Bei der Weltmeisterschaft wird Latapy der mit Abstand älteste Feldspieler sein. "Natürlich bin ich kein junger Hüpfer mehr", erklärt dieser, den seine zahlreichen Fans weltweit "Stompy" oder "Latas" rufen, aber seine mangelnde Schnelligkeit macht er problemlos wett mit bemerkenswerter Übersicht und der Fähigkeit, das Spiel zu lesen.

Mit West Hams Torhüter Shaka Hislop und dem Angreifer Stern John (Coventry) spielen lediglich zwei weitere Nationalspieler erstklassig. Die übrigen sind bei zweit- und drittklassigen britischen Vereinen aktiv, kicken in der amerikanischen Liga oder sind sogar ganz ohne Verein, wie Mittelfeldspieler Silvio Spann.


05. Dezember 2005

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