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Ausstellung

Die Ausstellung


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2° Das Wetter, der Mensch und sein Klima
Bianca Gerlach
Schneekristall
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1936 war es dem japanischen Experimentalphysiker Ukichiro Nakaya gelungen, den ersten künstlichen Schneekristall herzustellen. Still aus dem Film "Snow Crystals", 1950. Quelle: U.N.Limited, Tokyo
"Jeder Mensch hat ein bestimmtes Verhältnis zum Wetter. Und da sich gerade das Klima verändert, wird sich auch das Verhältnis dazu ändern. Das ist ein faszinierendes Thema, das derzeit viele beschäftigt," erläutert Petra Lutz die Idee, die zur aktuellen Ausstellung "2° Das Wetter, der Mensch und sein Klima" führte. Sie ist wissenschaftliche Referentin und Kuratorin am Hygiene-Museum in Dresden und maßgeblich am Konzept beteiligt. Die neue Ausstellung, die vom 11. Juli 2008 bis 19. April 2009 in den Räumen des historischen Museums zu sehen sein wird, hat sich Einiges vorgenommen. "Es gibt schließlich unglaublich viele Perspektiven zu dem Thema. Genau genommen 6,6 Milliarden. Ein Klimaforscher aus Tansania hat sicher eine andere Einstellung zum Klimawandel als ein australischer Farmer," sagt Lutz. Aber genau das sei auch ungemein spannend gewesen, viele verschiedene Perspektiven von der naturwissenschaftlichen Seite bis zur künstlerischen Umsetzung von Wetter- und Klimafragen miteinander zu kombinieren.

Zur Person
Bianca Gerlach
geb. 1975, Studium der Soziologie und Journalistik. Sie arbeitet als Journalistin in Hamburg.

Gemeinsam im Team und im Gespräch mit vielen, vielen Wissenschaftlern und Künstlern, die sich mit Wetter und Klima beschäftigen, wurde rund eineinhalb Jahre lang überlegt, getüftelt, diskutiert und an dem Konzept gefeilt, wie man das komplexe und vielschichtige Thema Klimawandel für eine breite Masse von Kind über Student bis interessierter Ruheständler darstellen könnte.

Heraus gekommen ist eine packende Ausstellung mit vier Abteilungen auf rund 1.000 Quadratmetern. Gezeigt werden etliche Exponate wie Messinstrumente, Videos und an zahlreichen Mitmach-Stationen kann spielerisch Hintergrundwissen zum Themengebiet Wetter, Mensch, Klima gewonnen werden. Auf dem Parcours haben auch die Initiatoren ihre ganz persönlichen Highlights: "Packend finde ich die Interviews mit den "Klimazeugen" auf der ganzen Welt, vom Arktisforscher bis zum Bauern an der Elfenbeinküste," sagt die Kuratorin Lutz, die seit 1999 am Hygiene-Museum arbeitet. Aber damit reißt die euphorische Aufzählung ihrer Lieblingsstücke der Ausstellung nicht ab. "Die Filmanimationen sind großartig, etwa ‚Wie entsteht ein Blitz?’," sagt sie weiter. "Und ebenfalls herausragend sind die tollen Objekte, darunter die japanischen Farbholzschnitte. Die sind bezaubernd schön und die vom Blitz gespaltene Eiche ist einfach beeindruckend," schwärmt sie. Die sympathische Kuratorin sprudelt vor Begeisterung – und genau das ist auch das Konzept der Ausstellung. Sie soll Spaß machen, Lust auf das Thema machen. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger schwere Themen präsentieren. Sondern "Klima nicht nur als Problem sehen, sondern auch als eine Art Glücksfall, denn das ganze System ist so unglaublich spannend, da gibt es so viel zu entdecken," sagt Lutz. Ihr Anspruch hat einen Hauch Aufklärungsgedanken: Sie will Basiswissen vermitteln, auf allen denkbaren Ebenen. Denn nur wer weiß, wie Dinge funktionieren und zusammenhängen, kann sich eine Meinung bilden. Ganz einfach. Dabei bleibt sie mit ihren Wünschen für den Lernerfolg jedoch auf dem Boden. "Wenn die Besucher begreifen, dass wir alle die Adressaten sind und dass keine Politik den Klimawandel stoppen wird, sondern jeder Einzelne daran beteiligt ist, dann wäre ich zufrieden," sagt sie, lächelnd.

Vier Abteilungen beschreiben das Verhältnis Mensch-Wetter

In der ersten Abteilung "Die Macht der Atmosphäre – Was Wetter und Klima verändern können" wird der Mensch in der Atmosphäre verortet. Gezeigt wird, welchen Einfluss das Wetter und das Klima auf das Leben auf der Erde hat, so ist etwa eine vom Blitz gespaltene Eiche und ein vom Wirbelsturm Katrina deformiertes Verkehrsschild aus New Orleans zu sehen.

Weiter geht es zur zweiten Abteilung "Beobachten und Berechnen – Der Wunsch, in die Zukunft zu sehen". Hier stehen Wetter und Klima als Gegenstand der historischen und gegenwärtigen Forschung im Fokus. Mittlerweile beschäftigen sich zahlreiche Institute und Wissenschaftler mit der Analyse von Klimaarchiven, der Auswertung aktueller Messdaten und dem Entwurf von komplexen Modellsimulierungen. Immer mit dem Ziel, möglichst genaue Prognosen zur Entwicklung des Klimas stellen zu können. Da bei allen Berechnungen immer zuerst die Beobachtung von Wetterphänomenen im Vordergrund steht, zeigt diese Abteilung, wie sich in der Vergangenheit von wissenschaftlicher aber auch künstlerischer Seite mit Wetterphänomen auseinander gesetzt wurde. Zu sehen sind beispielsweise Bohrkerne, Baumscheiben und Versteinerungen, anhand derer Wissenschaftler Aussagen über das Klima der Vergangenheit treffen können. Weiterhin können Besucher an interaktiven Elementen Phänomene wie Blitz, Wind und Wolken erkunden. In Video-Statements erläutern verschiedene Klimaforscher die Probleme unserer Zeit.

"Abwehr und Anpassung – Macht das Klima den Menschen oder gestaltet der Mensch sein Klima?" ist der Titel der dritten Abteilung. Hier wird der Frage nachgegangen, wie eine Veränderung des Wetters und schließlich des Klimas unser Verhältnis dazu beeinflusst. Ebenso wie den Wunsch des Menschen, das Klima zu beherrschen. Erzählt werden daher persönliche Geschichten vom Leben mit dem Wetter. Dokumentiert wird in der Abteilung etwa die Geschichte des Blitzableiters – gefeiert und als Eingriff in Gotteshand verdammt – und der Klimaanlage. Als interaktives Mitmachelement kann man einen Gletscher anrufen, um sich vom Schmelzen der Gletscher ein hörendes Bild zu machen: Calling the Glacier.

In der letzten und vierten Abteilung "Wetter machen – Von einem alten Traum zum globalen Dialog" wird der Menschheitstraum "Wetter machen" illustriert. Konkreter: Der Traum, sich von den Göttern oder den Naturgewalten zu emanzipieren und das Wetter selbst zu gestalten. Ein Ziel, das mittlerweile nicht nur Naturvölker mit der Heraufbeschwörung von Regen verfolgen, sondern eines, das einen globalen Dialog fordert. Gezeigt werden in dieser Abteilung beispielsweise Skulpturen von Regenmachern, ebenso wird illustriert, wie US-Forscher "Wolkenimpfen" erfanden. "Klimazeugen" erzählen in Video-Interviews, wie sie der Klimawandel betrifft, wie Lebensgrundlagen genommen oder sogar geschaffen werden.


10. Juli 2008

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