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Die europäische Debatte

Keine ungleiche Behandlung der Religionen

Interview mit qantara.de
Navid Kermani
Foto Kermani
 
Der Islamwissenschaftler und Publizist Navid Kermani sieht einen deutlichen Unterschied zwischen den Ursprüngen und Folgen des französischen Gesetzentwurfs und der aktuellen Kopftuchdebatte in Deutschland.

"Man muss feststellen, dass das Gesetz in Frankreich zwar sehr radikal ist, aber es bedeutet keine ungleiche Behandlung der Religionen. Es werden ja sämtliche Symbole der Religionen aus den Schulen verbannt,und insofern gilt es auch für die jüdische Kippa oder auch ein demonstratives Kreuz und Ähnliches. Deshalb unterscheidet sich der Gesetzentwurf in Frankreich von dem, was in einigen Bundesländern in Deutschland geplant ist. Hier geht es ja ganz explizit darum, nur die religiösen Symbole des Islam im Unterricht auszuschließen.

Da liegt meiner Meinung nach eine Diskriminierung vor, denn man kann nicht das Kopftuch per se als Symbol des Fundamentalismus oder der Verfassungsfeindlichkeit deklarieren. Wer das tut, setzt eine fundamentalistische Auslegung des Islam als solchem voraus und schließt andere Deutungen dieses religiösen Symbols aus."

Auf die Frage, ob dies das Gefühl der Unterdrückung der Muslime in Deutschland verstärke, antwortet Kermani:

"Natürlich, denn das fördert nicht nur das Gefühl, nicht dazu zu gehören in dieser Gesellschaft, sondern führt auch dazu, dass die Muslime glauben, dies sei nicht ihr Land, nicht ihr Staat und nicht ihr Gemeinwesen. Dies ist nicht gut für die Integration der Muslime, besonders bei der zweiten Generation der Türken, die in den Großstädten leben. Viele von ihnen leben in ihrer eigenen Welt, sie sprechen kein Deutsch. Dieses Problem muss ernst genommen werden."

Quelle: Das Kopftuch im intellektuellen Diskurs. Auf: www.qantara.de, 5.2.2004. www.qantara.de, Stand 28.6.2005.


19. April 2005


 
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