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1950 - 1990

Fast vergessen - die Frauenfriedensbewegung in der BRD


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Florence Hervé
Im Westen galt in den 1950er Jahren die Beschäftigung mit dem Frieden als kommunistische Agitation. Trotzdem gründete sich der Demokratische Frauenbund Deutschland als eigenständige Frauenorganisation im Westen mit dem Ziel, für den Frieden zu arbeiten und eine Wiederbewaffnung der BRD zu verhindern.

Kollage
Kollage zur Westdeutschen Frauenfriedensbewegung, aus: Was ist - Was will - Was tut - die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung? (1967)
Während sich die meisten Frauenverbände in der BRD in ihren Forderungen auf die gesetzliche Gleichstellung von Frauen konzentrieren, entwickelt sich in den 1950er Jahren eine Frauenfriedensbewegung, die sich während des Kalten Krieges gegen die Einbindung der Bundesrepublik in ein Militärbündnis, gegen Wiederaufrüstung, Wehrpflicht und Atombewaffnung engagierte.

Antifaschistische Frauenausschüsse und Demokratischer Frauenbund Deutschland

1947 traten rund 2.000 Delegierte von antifaschistischen Frauenausschüssen zum "Deutschen Frauenkongress für den Frieden" in Berlin zusammen: Der Demokratische Frauenbund wurde als zonenübergreifende Organisation gegründet. Ziel war es, gegen Faschismus und Militarismus, für die Einheit und den Wiederaufbau eines demokratischen Deutschlands und für die Gleichberechtigung der Frau einzutreten. Nach der Währungsreform in den drei Westzonen und der Gründung beider deutschen Staaten, wurde der Demokratische Frauenbund Deutschland als eigenständige Organisation in der BRD gegründet.

Zur Person
Dr. Florence Hervé
geb. 1944. Übersetzer-Diplom in Heidelberg, Germanistik-Studium in Bonn und Paris. Als freie Journalistin, Autorin und Dozentin tätig. Arbeitsschwerpunkte: Faschismus und Widerstand, Geschichte der Frauenbewegung, Internationale Frauenbewegung, Frauenbiographien. Mitbegründerin der Demokratischen Fraueninitiative und der Zeitschrift wir frauen, Redakteurin des Kalenders wir frauen (seit 1979).
Er gab die Zeitschrift "Frau von heute" heraus, beteiligte sich u.a. aktiv an den Unterschriftensammlungen für den Stockholmer Appell zur Ächtung der Atombombe. 1950 organisierte der DFD einen – wegen Verbot als "Kaffeeklatsch" getarnten – Friedenskongress der westdeutschen Frauen in München, auf dem 1000 Frauen die Ächtung der Atomwaffen wie die Begrenzung sämtlicher Waffen forderten. Da der DFD in Westdeutschland als "Marionette der DDR" abgestempelt wurde und Friedensaktivitäten damals generell unter Kommunismusverdacht fielen, verfolgte der westdeutsche Staat die geschilderten Aktivitäten. Mehrere DFD-Mitglieder, die der KPD nahe standen, wurden auf der Grundlage des Adenauer-Erlasses von 1950 aus dem öffentlichen Dienst entlassen und verurteilt. Der DFD, der nach eigenen Angaben 28.000 Mitglieder hatte, wurde 1957 als verfassungswidrige und staatsgefährdende Organisation verboten.

Die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung

Damit hatte sich das gefürchtete Thema Frieden allerdings nicht erledigt. In den 1950er Jahren entstand eine andere Frauenvereinigung mit Schwerpunkt Frieden, die sich als Basisbewegung, ohne feste Organisationsform, verstand. Aus einem Frauenfriedenskongress am 14. Oktober 1951, zu dem 1.000 Frauen gekommen waren, ging die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung WFFB im Februar 1952 hervor. "Seid wachsam! Seid kritisch! Zeigt Zivilcourage!" hieß die Losung.

Die Mitbegründerin und Mitredakteurin deren Zeitschrift "Frau und Frieden" Elly Steinmann berichtete über die Zusammensetzung der Bewegung: "In der WFFB arbeitete die Christin neben der Kommunistin, die Berufstätige mit der Hausfrau, die Wissenschaftlerin mit der Arbeiterin." Ziel war es, die Wiederaufrüstung und die Einbindung der Bundesrepublik in ein Militärbündnis zu verhindern, und eine friedliche Lösung des Deutschlandproblems (Ost-West-Verständigung) zu erreichen. Im Mai 1952 demonstrierten 1.600 Frauen in Bonn gegen den Generalvertrag, der einen Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik im Rahmen einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft vorsah, und forderten den Abschluss eines Friedensvertrags. Die WFFB protestierte 1954 gegen die allgemeine Wehrpflicht, 1955 gegen die Pariser Verträge, welche die Eingliederung der BRD in die NATO und die Möglichkeit der atomaren Bewaffnung von NATO-Truppen auch auf bundesdeutschem Gebiet vorsahen.

1957 wandte sich die Bewegung gegen die drohende Atomgefahr, 1960 gegen die Entwürfe der ersten Notstandsgesetze und die darin enthaltene Dienstverpflichtung für Frauen sowie den Abbau demokratischer Rechte. 1964 riefen die aktiven Frauen gegen die multilaterale Atomstreitmacht auf (700 WFFB-Frauen demonstrierten mit Frauen aller NATO-Länder in Den Haag) und ab Mitte der 1960er Jahre schlossen sie sich den Protesten gegen die US-amerikanische Aggression in Vietnam und deren Unterstützung durch die Bundesregierung an. Wegen ihres antimilitaristischen Engagements wurde die WFFB verfolgt – in Rheinland-Pfalz gewann sie ihren Prozess, gegen ihr Verbot als "kommunistische Tarnorganisation".

Im Rahmen der internationalen Solidarität gab es eine Zusammenarbeit mit der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit IFFF und der 1945 gegründeten Internationalen Demokratischen Frauenföderation IDFF.


11. November 2008

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