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Internet is the Radio Star

Sputnik-Chef über das "Versuchslabor des MDR"


Wieso MDR Sputnik jetzt auch noch Fernsehen machen will und die Radio MA für Programmchef Markuse längst keine Bedeutung mehr hat...
von Thomas Lückerath

November 2007. - Seine Zielgruppe sei klar zu bezeichnen: "Abi und DSL, 20- bis 29-jährig", sagt Eric Markuse und umreißt damit den gewünschten Hörerkreis des seit Dezember 2006 neu ausgerichteten werbefreien MDR-Senders Sputnik, dessen Programmchef er ist. Dass man natürlich auch Hörer darüber hinaus gewinnt, bezeichnet der 45-Jährige mit einem Augenzwinkern als "Kollateralschaden".

Zur Person
Geboren 1962 in Leer/Ostfriesland, begann Eric Markuse 1986, nach Bundeswehr und Studium in Münster, seine journalistische Tätigkeit als Volontär und Redakteur bei der Eckernförder Zeitung. Es folgten Stationen bei den Kieler Nachrichten, BILD und tz München sowie zuletzt als stellvertretender Chefredakteur der Hamburger Morgenpost. Seit Juni 2001 ist Markuse beim MDR. Dort verantwortete er zunächst als Unternehmenssprecher bis November 2006 die gesamte Kommunikation (Presse und Marketing), von Dezember 2004 bis April 2007 auch den Bereich der neuen Medien (Online und Videotext). Seit Juli 2006 ist er Programmchef des jungen Multimediaprogramms MDR SPUTNIK

Markuse war einer der ersten Redner des Medienforums Mittweida vom 5. bis 7. November an der Fachhochschule der sächsischen Kleinstadt nahe Chemnitz. Zum Thema "Zukunftsmusik Radio" sprach er über seinen Sender - "das von Quoten befreite, lebende Versuchslabor des MDR" - wie Markuse es selbst formuliert. Im Mittelpunkt der neuen Strategie des Senders steht neben einem höheren Wortanteil von derzeit rund 25 Prozent insbesondere das neue Nachmittagsprogramm "MySputnik" und die dazugehörige Onlineplattform, bei der Nachwuchsbands und Einzelkünstler ihre Musik, Videos, Fotos und Texte verbreiten können und gegenseitig diskutieren sowie bewerten.

MySputnik
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MySputnik ist die interaktive Plattform des Senders im Netz. Montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr auch im Radio.
Damit ist der MDR ein Vorreiter der Öffentlich-Rechtlichen, rühmt sich selbst, die erste Web2.0-Community im ARD-Verbund etabliert zu haben. Ganz ohne Zwang ist die Orientierung in Richtung Web allerdings nicht: Mit nur gut einer handvoll Sendern in Sachsen-Anhalt ist das UKW-Sendegebiet von MDR Sputnik sehr begrenzt und noch dazu in Sachsen-Anhalt ohne wirkliche Großstadt. Nur ab und an bei gewissen Wetterlagen erreiche man derzeit immerhin Leipzig.

Kritische Töne vom Senderchef

Um mit dem ambitionierten Projekt unabhängig von UKW-Frequenzen wachsen zu können, setzt der MDR bei Sputnik bewusst und vielleicht mit etwas mehr Nachdruck als manche ARD-Kollegen auf das Internet. Mit alten Traditionen hat Sputnik-Chef Markuse keinen Vertrag. In mehrerlei Hinsicht. Beim Programm ärgert ihn ab und an die altmodische Art mancher ARD-Korrespondenten. So sei es "ein Problem der ARD-Jugendwellen“, dass das Korrespondentennetz eher aus älteren Kollegen besteht, denen die richtige Ansprache bei Beiträgen für die junge Zielgruppe noch schwer falle. Und wenn er erzählt, dass aus medienpolitischen Gründen einer der zahlreichen Webstreams des Senders wieder abgeschaltet werden muss, dann ärgert ihn das sichtlich.

Aber auch für die Radio MA, dem Klassiker unter der Reichweitenmessung im Radio und die vielleicht absurdeste Datenerhebung im Medienbereich, findet Markuse keine netten Worte. Man suche nach neuen Kenndaten, die die Entwicklung der multimedial ausgelegten Marke Sputnik und insbesondere die Internetaktivitäten auch korrekt wiedergeben können. Livestream-Zugriffe, Datentraffic und angemeldete User in der MySputnik-Community nennt der MDR-Mann Markuse als Beispiel.

Sputnik Radiorevolution
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Sputnik Radiorevolution - der Sender verschenkt W-Lan-Radios und setzt voll aufs Internet.
Genau diese Community bekommt ab Dezember neue Partner. Mit dem hessischen You FM und Radio Fritz sind zwei weitere öffentlich-rechtliche Jugendwellen an Bord, um gemeinsam für Leben in der Community zu sorgen, die künftig alle drei Sender verbindet. Jedoch sollen die Hörer des jeweiligen Senders auch weiterhin das gewohnte Branding durch "ihren" Sender zu sehen bekommen. Und es könnten weitere Partner folgen. Laut Markuse sind ein Sender aus dem Süden Deutschlands und einer aus dem Norden schon sehr interessiert.

Hoffnungsträger "Visual Radio"?

Im Januar startet Sputnik ein eigenes "Visual Radio". Hinter der klangvollen Bezeichnung steckt ein Pilotprojekt via der mobilen TV-Technik DMB. Dafür werden beim MDR gerade neue Sendungsformate getestet. Unter dem Motto "Gib dem Radio ein Gesicht" soll es in erster Linie eine Dauer-Dokusoap aus der Redaktion werden, die dem Nutzer zeigen soll, wie Radio gemacht wird. In Mittweida präsentierte MDR-Mann Markuse in einer Premiere den erst vor wenigen Tagen fertiggestellten Dummy.

Inhaltlich lässt sich allerdings noch wenig Mehrwert erkennen. Aber Markuse hat Großes vor. Man will künftig auf Inhalte von MySputnik - also zum Beispiel Videos der User - zurückgreifen, so der multimediale Traum. Doch die Realität sieht anders aus. Der MobileTV-Standard DMB droht ein technischer Flop zu werden. Erste kommerzielle Versuche in Deutschland warten noch auf Kundschaft. Und wieso ausgerechnet das Radio - mit dem Millionengrab DAB im Hinterkopf - sich erneut auf so ein Abenteuer einlässt, ist fraglich.

Markuse Medientage
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Nicht nur in Mittweida, auch auf den Münchner Medientagen präsentierte Markuse das neue Konzept des MDR-Jugendsenders Sputnik. Markuse ist überzeugt: Internet is the Radio Star. Foto: Münchner Medientage
Das Fazit von MDR Sputnik-Chef Eric Markuse hingegen kann man leicht unterschreiben: Musik allein reicht dem Radio als Medium künftig nicht mehr. Akzente lassen sich nicht durch einen neuen Musikmix setzen. Dafür bedarf es neuer Inhalte. Die probiert Sputnik gerade zahlreich und scheint sich dabei, zum Beispiel bei den englischsprachigen News, auch am gefeierten österreichischen Radiosender FM4 zu orientieren. Abgesehen vom Inhalt sieht Markuse neue Plattformen als wichtigste Herausforderung. Im Fall des Internets nachvollziehbar. Ob jedoch "Visual Radio" nicht am Ende nur ein Traum bleibt, wird sich zeigen.

Quelle: "DWDL.de - das www.medienmagazin.de".
Thomas Lückerath ist Chefredakteur von DWDL.de


 
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