Das "ABC-Pößneck" gilt als Musterbeispiel einer zivilgesellschaftlichen Initiative gegen Rechtsextremismus. Sie wurde im Jahr 2005 im thüringischen Ort Pößneck im Saale-Orla-Kreis gegründet, um friedliches und kreatives Engagement gegen Rechtsextremismus zu stärken. ABC steht für "Aktionsbündnis Courage".
Das Projekt begann, nachdem in Pößneck ein führender deutscher Neonazi-Anwalt, der 2009 verstorbene Hamburger NPD-Chef Jürgen Rieger, über eine englische Stiftung das einstige örtliche Schützenhaus, ein großes zentrales Gebäude, das in der DDR als Kulturpalast diente, erworben hatte, um offensichtlich ein Begegnungszentrum für Neonazis einzurichten. Daraufhin gründeten Jugendliche aus allen politischen Lagern eine Bürgerinitiative, um in ihrer Stadt über diese Planungen aufzuklären. Konkreter Anlass war die Eröffnung des Neonaziztreffpunkts Anfang April 2005 mit einem NPD-Parteitag und anschließendem Rechtsrock-Konzert, zu dem bis zu 1000 rechte Skinheads nach Pößneck strömten.
Die jungen Leute suchten sich in den Folgewochen Rat bei zahlreichen anderen Projekten gegen Rechtsextremismus und Rassismus in der Bundesrepublik, luden Rechtsextremismus-Experten und erfahrene Anti-Nazi-Projekte ein und organisierten eine Tagung mit vergleichbaren Jugendinitiativen aus der ganzen Bundesrepublik. Seitdem veranstalten sie zahlreiche öffentliche Ausstellungen, Schulprojekte, Seminare und Debatten. Dabei reüssierten sie vergleichsweise schnell, weil sie von Anfang an Rückendeckung durch einen Trägerverein (Blitz e.V.), den örtlichen Landrat und neuen Bürgermeister Pößnecks erhielten. Sogar die örtliche Kreissparkasse half der Initiative bei ihrer mühsamen Suche nach eigenen Räumlichkeiten und spendierte im Sommer 2006 Büros, die mindestens drei Jahre lang kostenlos genutzt werden dürfen. Auf diese Weise kam es zu einem politischen Klimawandel vor Ort, der es der rechtsextremen Szene zusehends schwer macht, so wie ursprünglich geplant Fuß zu fassen. Mehr über das Projekt unter unter: www.abc-poessneck.de.
Als ein ebenso beispielhaftes zivilgesellschaftliches Projekt gilt im sächsischen Pirna die bereits 1998 von Jugendlichen gegründete Aktion Zivilcourage (www.aktion-zivilcourage.de). Anlass ihrer Gründung waren die damals hohen Kommunalwahl-Ergebnisse rechter Parteien im Landkreis Sächsische Schweiz und eine zunehmende Gewaltbereitschaft rechtsextrem gesinnter Jugendlicher. Mit Rückendeckung der Stadt Pirna und zahlreichen Unterstützern organisiert das Aktionsbündnis Kultur-, Jugend- und Sozialarbeit mit Ausstrahlung in die gesamte Sächsische Schweiz. Das überparteiliche Bündnis wurde seitdem mit zahlreichen Preisen für sein vielfältiges Engagement geehrt.
Solche lehrreichen Musterprojekte gibt es aber nicht nur im Osten. Ebenfalls mehrfach preisgekrönt ist die 2007 gegründete Initiative "www.graefenberg-ist-bunt.de" im fränkischen Gräfenberg. Das dortige Bürgerbündnis entstand als Reaktion auf die Ankündigung lokaler NPD-Kräfte, monatlich an einem Denkmal in dem kleinen Ort aufzumarschieren. Da dies viele Bürger nicht hinnehmen wollten, entschlossen sie sich gemeinsam mit dem Stadtrat Gräfenbergs zu jeweils einfallsreichen Gegen-Aktionen. Diese Aktionen werden stets von Bürgern und Bürgermeistern aus Nachbargemeinden unterstützt.
Etwas neueren Datums ist im niedersächsichen Landkreis Schaumburg die Bürgerinitiatiative ''www.bad-nenndorf-ist-bunt.de''. Sie entstand 2009 als Reaktion auf alljährliche Neonaziaufmärsche Anfang August. Bis 2030 wurden diese ''Trauermärsche'' in der Kurstadt vorangemeldet. Mit dem Ziel zu verhindern, dass Bad Nenndorf langfristig zu einem Wallfahrtsort für Rechtsextreme wird, taten sich Vereine, Firmen, Kirchen, Schulen, Orchester Parteien und Bürger aus Nachbarstädten zusammen. Jeder Teilnehmer bringt sich dabei mit seinen spezifischen Möglichkeiten ein. Von Bürgern gemalte Transparente spannt beispielsweise die Feuerwehr quer über die Straßen. (hk-02/2010) |
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