Die ''Artgemeinschaft'', im Untertitel ''Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V.'', existiert seit den 50er Jahren als eingetragener Verein. Als Leiter der rassistischen ''Artgemeinschaft'', die ihren Sitz in Berlin hat, fungierte rund 20 Jahre lang der im Oktober 2009 verstorbene Hamburger Rechtsanwalt und Neonazi Jürgen Rieger. Die Mitgliederzahl der Organisation wird amtlich auf rund 150 Personen geschätzt. Auf regionaler Ebene ist die ''Artgemeinschaft'' in so genannte ''Gefährtschaften'' gegliedert. Der Glaube der rassistischen ''Artgemeinschaft'' besteht in der ''Bewusstwerdung unseres eigenen, nordentstammten Wesens''. Religionen wie Christentum, Judentum oder Islam werden als artfremd abgelehnt. Dementsprechend können auch nur Konfessionslose, die ''überwiegend nordische Menschenart verkörpern'', Mitglieder werden. Als verehrungswürdig gelten neben der germanischen Rasse Sonne, Wald, Quellen und Bergeshöhen. Heilige Werte sind dem Germanenbund Tapferkeit, Wehrhaftigkeit und Mut statt Demut. Grundlage der Ideologie der ''Artgemeinschaft'' ist ein rassistisches, biologistisches Weltbild. Die Individuen werden als Bestandteile eines Volkes gesehen, als Mitglieder dieses Volkes verfügen sie über bestimmte ''rassisch'' vorgegebene Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, geprägt von dessen geografischem Lebensraum. Herausgegeben wird von der ''Artgemeinschaft'' die vierteljährlich erscheinende Publikation ''Nordische Zeitung'' sowie eine Schriftenreihe. Ebenso verfügt die Organisation über eine Website. Für die Artgemeinschaft gilt nicht die christliche Zeitrechnung, sondern die Jahre werden nach Stonehenge gezählt, die lateinischen Monatsnamen durch vermeintlich germanische ersetzt. So zählt das Jahr 2007 nach neugermanischer Zeitrechnung als 3807 nach Stonehenge.
Bei der ''Artgemeinschaft'' handelt es sich aber keineswegs um ein harmloses neugermanisches Sektierergrüppchen. ''Die ‚Artgemeinschaft ist gezwungen worden, ein Kampfverband zu sein, der um die Möglichkeiten einer artgemäßen Lebensführung kämpfen muss'', heißt es in einer Selbstdarstellung des Vereins. Neben der Wiedererweckung und Verbreitung des ''artgemäßen'' Glaubens will die ''Artgemeinschaft'' eine nach dem Führerprinzip aufgebaute Volksgemeinschaft. ''Insofern lehnt die Organisation ihr Gedankengut an Elemente der NS-Ideologie an. Diese Elemente unterscheiden die 'Artgemeinschaft' von anderen in Deutschland existierenden neuheidnischen Gruppierungen, die lediglich eine Renaissance der germanischen Mythologie anstreben'', hat der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz festgestellt. (Verfassungsschutz durch Aufklärung: http://www.im.nrw.de/sch/738.htm).
Nach Erkenntnissen der Behörde bestehen ''Verbindungen und personelle Verflechtungen in das gesamte rechtsextremistische Spektrum, insbesondere zu den Neonazi-Kreisen der Kameradschaften sowie zur rechtsextremistischen Skinhead-Szene.'' So waren beispielsweise Mitglieder der ''Artgemeinschaft'' auch auf dem Neonazi-Zentrum ''Heisenhof'' von Jürgen Rieger im niedersächsischen Dörverden anzutreffen. Regelmäßig werden von der ''Artgemeinschaft'' so genannte ''Gemeinschaftstagungen'' zum Sommerbeginn und Anfang Dezember durchgeführt, die meist im Nordthüringer Raum stattfinden. ''Die von dem Hamburger Rechtsextremisten Jürgen Rieger geleitete ''Artgemeinschaft'' führte vom 20. bis 22. März eine Gemeinschaftstagung in einem Ausflugs- und Ferienhotel in Nordthüringen mit ca. 100 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet durch“, hielt der thüringische Landesverfassungsschutz noch in seiner Monatschronik für März 2009 fest.
(gn/1/2010) |
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