Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Geschichte
Fall der Berliner Mauer
50 Jahre Anwerbe-
abkommen
68er-Bewegung
Deutschland
Archiv
Deutsch-polnische Beziehungen
Deutsche Teilung - Deutsche Einheit
Erinnerungsorte
Frauenbewegung
Frauen-KZ Ravensbrück
Geschichte und Erinnerung
Grundgesetz und Parlamentarischer Rat
Geschichte der RAF
"Klick das einheitsbild!"
Kontraste - Das Ende der DDR
Marshallplan
National-
sozialismus
Ostzeit
Weiße Rose
Weltfestspiele 1973
Wiederaufbau der Städte nach 1945
20 Jahre Hauptstadt- beschluss
Geschichte der bpb
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Hinterher war alles beim Alten


Ina Merkel, Kulturwissenschaftlerin



Textversion des Video-Interviews

Also, ich glaube, dass die neun Tage irgendwie Ausnahmezustand waren. Die Polizei hielt sich außerordentlich zurück, die Parteiführung mischte sich unters Volk. Honecker hat einen Besuchsspaziergang über den Alexanderplatz gemacht, ohne, glaube ich, größere, jedenfalls nicht sichtbare Bewachung.

Es war alles Mögliche erlaubt. Bis tief in die Nacht, oder in den Morgen hinein muss ich eigentlich sagen, saßen die Leute auf den Parkbänken herum, spielten auf der Gitarre, die Nacht wurde zum Tag gemacht. Das war etwas, was bis dahin undenkbar gewesen ist für DDR-Verhältnisse. Heute würde man wahrscheinlich dazu sagen: Es ist ein großes Event gewesen. Also, es war einfach überall was los: Man fiel von einer Diskussionsgruppe in eine Tanzgruppe hinein, knüpfte unheimlich schnell Kontakte zu allen möglichen Leuten, schwatzte mit Menschen, die man noch nie in seinem Leben gesehen hatte, umarmte sich mit denen. Also, es war so eine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung. Man hat richtig gefeiert. Es war sehr lustig. Wir haben Spiele gespielt. Ich kann mich erinnern, da gab's eine Truppe, da haben wir "Laurentia, liebe Laurentia mein" gesungen, wo man immer in die Knie gehen mußte und die Afrikaner kannten das nicht und haben sich bald bemacht vor Lachen.

Ich glaube, dass die Fremden, vor allem diejenigen, die aus der Dritten Welt kamen, eine sehr euphorisierende Wirkung auf die DDR-Bürger hatten. Die kamen einfach mit dem Pathos des Revolutionären daher, des Aufständischen, des sich Widersetzenden. Und das ist etwas, was für die DDR-Bürger sehr attraktiv gewesen ist, wenn man in der DDR gar nicht mehr... Die Revolution stand nicht auf der Tagesordnung, das war nicht mehr angesagt. Die DDR war eher langweilig. Ich glaube, hinterher war alles beim Alten, das glaube ich schon. Ich glaube, dass die Jugendlichen, die daran teilgenommen haben, ganz wichtige Erfahrungen für ihr Leben gemacht haben. Und für die bedeutete das, die Rückkehr in die Normalität, ein Erwachen auch wieder in restriktiven Situationen, also, wieder aufwachen, also wieder entpathologisiert werden – also, das Pathos der Revolution war weg – , enterotisiert werden. Und ich glaube, dass es problematisch ist, dann in solche Verhältnisse wieder zurückzukehren. Das mag sicherlich für die Einzelnen was bedeutet haben. Was genau, das müßte man, glaube ich, jeden Einzelnen speziell fragen.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
Spezial: Weltfestspiele 73

Übersicht

Einführung

Video-Interviews mit Zeitzeugen I

Video-Interviews mit Zeitzeugen II

Retroaktive Aktion Weltfestspiele 73

Die Weltfestspiele damals und heute

Chronik

Weltfestspiele in Zahlen und Fakten

Das Jahr 1973

Hinter den Kulissen des X. Festivals