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Dossier Fußball-WM 2006

Ghana


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Daniel Theweleit
Einleitung

Landesflagge Ghana
 
Eigentlich ist Ghana eine ganz große Fußballnation in Afrika. Lange war die Nation Rekordsieger bei der Kontinentalmeisterschaft. 1963, 1965, 1978 und 1982 gewannen die Ghanaer den Afrika-Cup, man war lange Zeit unzweifelhaft besser und erfolgreicher als die westafrikanischen Konkurrenten Nigeria, Senegal oder Kamerun. Doch ein gutes Gefühl für Timing hatten sie bislang nicht in Ghana.

Zur Person
Daniel Theweleit, Jahrgang 1972, arbeitet als Journalist, Autor und Kolumnist für diverse Publikationen wie die Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau oder Spiegel Online. Außerdem ist er in verschiedene fußballkulturelle Projekte involviert und fiebert bei der WM besonders mit den afrikanischen Mannschaften.

Als der afrikanische Fußball mit Kameruns Viertelfinaleinzug bei der WM 1990 zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten bei Weltmeisterschaften aufstieg, steckte ausgerechnet dieses Fußball-verrückte Land in einer tiefen sportlichen Krise. Weder 1986, 1988 noch 1990 hatte sich das Team für den Afrika-Cup qualifiziert, man musste erschrocken mit ansehen, wie Roger Millas Eckfahnentanz zu Weltruhm gelangte, und die lange als unterentwickelt geltenden Kameruner ihrerseits großen Ruhm einheimsten. Das schmerzte.

Doch der damalige Präsident Jerry John Rawlings sah nach Kameruns Erfolg, das große Potenzial des Fußballs, das eigene Ansehen in der Welt und im Land zu verbessern. Deshalb startete er umgehend ein so genanntes "Soccer Recovery Programme" und bat unter anderem das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland um einen Fußball-Lehrer. Der Antrag wurde genehmigt, und Otto Pfister, der heutige Trainer des WM-Teilnehmers Togo, wurde als sportlicher Entwicklungshelfer in die Hauptstadt Accra entsandt.

Tatsächlich stellten sich innerhalb kürzester Zeit Erfolge ein. Unter Pfister wurde die U17-Nationalmannschaft schon 1991 Jugendweltmeister, Spieler wie Sammy Kuffour, der lange bei Bayern München spielte, waren damals dabei, und 1992 gewann das ghanaische Team auch noch die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Der ganz große Traum erfüllte sich aber erst jetzt, rund 15 Jahre nach dieser Renaissance im nationalen Fußball: die erste Qualifikation für eine Weltmeisterschaft.

Und das mit einer Mannschaft, die weit weniger große Stars besitzt, als etwa während der 1990er-Jahre. Damals spielten Abedi Pele und Anthony Yeboah für das Land, "während die Mannschaft heute eher vom Zusammenhalt lebt", sagt Ratomir Dujkovic, der Serbe, der als jener Trainer in die Geschichte eingehen wird, der dem Land die erste WM-Teilnahme bescherte. "Unity and Discipline", sind seine Lieblingswörter, immer wieder beschwört er diese Tugenden, und erinnert damit doch recht deutlich an den eher altmodischen europäischen Trainertypus, der sich seit Jahrzehnten in den Fußballentwicklungsländern herumtreibt.

Zusammen mit seinem wohl wichtigsten Spieler, Stephen Appiah von Fenerbahce Istanbul, hat Dujkovic eine junge Mannschaft geformt, die mit einzelnen Stars wie Appiah, Michael Essien (FC Chelsea) oder Samuel Kuffour (AS Rom) besetzt ist: Um diese renommierten Spieler herum hat er indes ein junges Team aufgestellt, das sich vor allen Dingen durch gegenseitige Loyalität und einen starken Mannschaftsgeist auszeichnet, doch um diesen Zustand zu erreichen, musste er zunächst drastische Maßnahmen anwenden. Gleich zu beginn warf er erst einmal den renommierten Kuffour aus dem Kader, weil der ein Trainingslager geschwänzt hatte. Das war ein Exempel, danach machten alle mit, und auch Kuffour darf wieder teilnehmen.


05. Dezember 2005

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Redaktion
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