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Dossier Afrika

Reif für die Konkurrenz?

Afrikas Märkte zwischen Freihandel und Protektionismus
Henning Melber
Inhalt
Mythos freie Marktwirtschaft
Subventionierung bedeutet Benachteiligung
Mythos freie Marktwirtschaft

Die weltweiten Versuche zur Liberalisierung unter der
US-amerikanische Großkonzerne vertreiben in Afrika erfolgreich ihre Produkte. © Adelheid Hahmann
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US-amerikanische Großkonzerne vertreiben in Afrika erfolgreich ihre Produkte. © Adelheid Hahmann
Welthandelsorganisation WTO werfen die Frage auf, ob Märkte vor allem in den so genannten Entwicklungsländern des Südens der Herausforderung durch die freie Konkurrenz mit den Industrieländern gewachsen sind oder ob sie eines fortgesetzten Schutzes bedürfen. Diese Frage erweist sich bei genauer Prüfung als falsch gestellt und lässt eine richtige Antwort nicht zu, da sie von irrigen Annahmen ausgeht. Tatsächlich sind es bislang die Märkte der industriell entwickelten OECD-Staaten, die mittels einer protektionistischen Politik in Form von Subventionen ihre eigene Warenproduktion einseitig begünstigen und damit jegliche Form fairer Markt- und Handelsbeziehungen zur Illusion werden lassen.

Zur Person
Dr. habil Henning Melber studierte Politikwissenschaften und Soziologie an der FU Berlin. Er promovierte und habilitierte (mit der "venia legendi" Entwicklungssoziologie) an der Universität Bremen. Von 1992 bis 2000 leitete er die Namibian Economic Policy Research Unit (NEPRU) in Windhuk und ist seither Forschungsdirektor am Nordischen Afrika-Institut im schwedischen Uppsala.

Befürworter einer Liberalisierung von Handelsbeziehungen tragen zu der Fehlwahrnehmung bei, dass diese gleichbedeutend mit einer Deregulierung von Waren-Austauschbeziehungen sei. Tatsächlich ist der Trend eher umgekehrt: die vermeintlich liberale weltweite Handelsstruktur war noch nie so festgelegt und verklausuliert. In den vergangenen 15 Jahren haben sich die abgeschlossenen bi- und multilateralen Handelsverträge auf insgesamt etwa 230 vervierfacht. Ungefähr weitere 60 werden derzeit ausgehandelt. Diese eingerechnet gibt es derzeit also annähernd doppelt so viele Handels-Vereinbarungen wie Staaten, die am Welthandel partizipieren. Wie schon das Beispiel der Reglementierungen innerhalb der EU verdeutlicht, entzieht sich so gut wie nichts der Regulierung einer so genannten freien Marktwirtschaft.

Freier Handel gleich fairer Handel?

Eine zweite Fehlwahrnehmung ist die vermeintliche Gleichung, dass solcherart freier Handel gleichbedeutend mit einem fairen Handel sei. Damit wird suggeriert, dass die Handelspartner gleiche Voraussetzungen hätten. Weit gefehlt. Volkswirtschaften des Südens sind als Ergebnis der strukturellen Defizite, die Kolonialismus und Imperialismus über Jahrhunderte produziert und verfestigt haben, benachteiligt. Nach wie vor gilt, dass deren kolonialwirtschaftlich zugerichteten Ökonomien den Weltmarkt mit weitgehend unverarbeiteten Rohstoffen (Agrarprodukte, Erze und Mineralien sowie andere natürliche Ressourcen) zu meist sinkenden Preisen beliefern, während die eigentliche Wertschöpfung über deren Weiterverarbeitung zu Fertigwaren andernorts erfolgt. Die daraus resultierenden proportionalen Benachteiligungen durch sich ständig verschlechternde "terms of trade" gehen fast ausnahmslos zu Lasten der Rohstofflieferanten.

Ein weiteres Handicap ist die Subventionspolitik der Industriestaaten. Durch die Begünstigung ihrer eigenen Produzenten werden diese in die Lage versetzt, ihre Produkte
Werbeplakat für europäische Milchprodukte © Adelheid Hahmann
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Werbeplakat für europäische Milchprodukte in Benin © Adelheid Hahmann
im Wettbewerb erheblich konkurrenzfähiger anzubieten. So ist Butter aus Oldenburg oder Irland in den Supermärkten des südlichen Afrika billiger als die aus der Region. Mit frei und fair hat diese Absurdität wenig bis nichts zu tun, mit Protektionismus hingegen viel. Gleichen Problemen wie den davon betroffenen Molkereibetrieben sehen sich die Bauern zentralafrikanischer Länder ausgesetzt, deren Baumwolle mit den hoch subventionierten Ernteerträgen in den US-amerikanischen Südstaaten nicht konkurrieren kann.


05. Dezember 2005


 
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