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Bilder in Geschichte und Politik
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Geschichte der Bildkultur bis zum Visualisierungsschub im 19. Jahrhundert |
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| Werner Faulstich |
Bilder in frühen Hochkulturen
Beide Funktionen sind auch in den Bildern früher Hochkulturen anzutreffen, beispielsweise im alten Ägypten. In manchen Sargkammern ägyptischer Pyramiden finden sich an den Wänden Texte und Bilder mit sakraler Bedeutung. In den so genannten Totenbüchern der alten Ägypter, die faktisch keine Bücher, sondern Papyrusrollen waren, sind neben Sprüchen oft auch Abbildungen verschiedener Götter zu sehen, beispielsweise von Osiris oder vom Sonnengott Re, aber auch von einem Hohen Priester oder sogar vom Verstorbenen selbst, wenn er hoher Herkunft war.
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Die Göttin Nut als Himmelsgewölbe, gestützt von ihrem Bruder, dem Luftgott Schu, und zwei widderförmigen Seelenfiguren (ca. 1000 v. Chr.)
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Manche Vignetten gestalten auch komplexe religiöse Weisheiten wie beispielsweise den Glauben in der 21. Dynastie, dass Nut am Morgen die Sonne gebiert, sie am Abend wieder verschlingt, und dass die Sonne nachts durch Nuts Leib wandert.
Auch auf Wachstafeln sowie Vasen und Steinscherben sind zahlreiche Bilder überliefert, die im Laufe der Geschichte zunehmend profaner wurden. Berühmt sind die erotischen Darstellungen aus dem alten Griechenland: die Gottheiten Aphrodite und Dionysos, die Paarungsspiele der Mänaden und Silenen oder die Verbindung von Göttern mit Sterblichen wie die des Zeus mit Danae, mit Europa oder mit Leda.
Ganz alltags-, informations- und unterhaltungsbezogen wird auch die Erotik zwischen Mann und Frau oder mehreren Männern und Frauen gestaltet. Solche erotischen Bilder markieren den Übergang von eher kultischen zu eher allgemein kommunikativen Funktionen der Bildkultur.
Wand und Buch, Bildmedien des Mittelalters
Noch im christlichen Mittelalter, vom 11. bis Mitte des 14. Jahrhunderts, hat die Wand sakrale Bedeutung als Bildmedium, insbesondere in Gestalt des Glasfensters in Kirchen. Neben Fensterrosen, Figuren- und Medaillonfenstern gab es komplexe Darstellungen von Szenen aus dem Alten und Neuen Testament oder auch Lebensgeschichten von Heiligen. Nicht wenige sind in einer Abfolge mehrerer Einzelbilder narrativ entfaltet. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn in der Kathedrale von Bourges (zwischen 1210 und 1215). Andere Bilder wie die Auferstehung Christi (um 1350) weisen mitunter schon als Einzelbild einen hohen programmatischen Charakter. [Abb. 4: Auferstehung]
Für das breite Volk, das zu 99 Prozent des Lesens und Schreibens unkundig war, muss der Kirchenbesuch und der Anblick der lichtdurchfluteten farbigen Glasfenster atemberaubend gewesen sein. Geistliche Belehrung und Trost wirkten in solch sinnlicher Veranschaulichung als explizite Werbung und Propaganda. Das mittelalterliche Glasfenster war ein Informations- und Herrschaftsmedium der Kirche – Vorläufer der späteren Plakatwände, Litfaßsäulen und Videotafeln, die freilich andere Botschaften transportieren.
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Der Tod holt sich den König, die Königin, den Papst, den Bischof, den Ratsherrn, den Arzt, den Kaufmann, die Jungfrau, den Bettler, den Narren, den Juden, den Bauern und alle anderen Standesgruppen, hier auch den Ritter, der sich vergeblich sträubt.
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Das Bild eroberte sich im Mittelalter weitere Medien, allen voran das Buch. Ein gesellschaftlich bedeutsames Buch wie die Schedelsche Weltchronik (1493) beispielsweise enthielt rund 1.800 Holzdruck-Abbildungen, ähnlich das berühmte Narrenschiff von Sebastian Brant (1494). Die Illustration setzte sich in vielen Arten von Büchern durch, vom Messbuch und anderen liturgischen Büchern über kirchliche Propagandaschriften und Liederhandschriften bis zur Visualisierung diverser naturwissenschaftlicher, landwirtschaftlicher und medizinischer Erkenntnisse. Und gelegentlich wurden solche Bilder auch im Medium Blatt verbreitet.
Insbesondere zur Zeit des Verfalls der mittelalterlichen Ordnung und der Verbreitung der Pest, der Millionen Menschen in ganz Europa zum Opfer fielen, fand die bildliche Veranschaulichung den Weg in eine breitere Öffentlichkeit. Der Baseler Totentanz kann das gut exemplifizieren: Ursprünglich ein Wandgemälde im Kreuzgang eines Klosters (um 1440), entstand daraus im Holzschnitt das Totentanz-Alphabet von Hans Holbein (1538), woraus dann in Basel die Kupferstiche von Matthäus Merian (1621) hergestellt und publiziert wurden. Bis zu 39 Figurenpaare symbolisieren, dass die ganze Welt sterben muss – memento mori (bedenke, dass du sterblich bist). Damals waren viele Menschen überzeugt, das Jüngste Gericht stünde unmittelbar bevor.
13. Dezember 2005 |
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