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Wald

Krankheiten und Gefährdung des Waldes


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Entwicklung der Wälder Mitteleuropas und ihrer Gefährdungen
Walter Seidling, Andreas Bolte
Das in den 1980er-Jahren prognostizierte großflächige Waldsterben ist ausgeblieben. Dennoch sind viele Bäume in keinem guten Zustand. Wie steht es um den Wald?

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Foto: AP
Die Wälder Mitteleuropas unterliegen seit Jahrhunderten vielfältigen menschlichen Nutzungen und Einflüssen. Ur- oder Naturwälder sind dadurch heute fast vollständig verschwunden. Nach einer frühmittelalterlichen Rodungsphase und einer folgenden Periode, in der die Wälder stark übernutzt wurden, fand man mit der ordnungsgemäßen und nachhaltigen Waldbewirtschaftung ab dem 18. Jahrhundert eine Antwort auf die damalige Waldzerstörung. Dabei wurden auch Nebennutzungen wie Streurechen und Waldweide abgelöst.

Zur Person
Walter Seidling
geb. 1953, Studium der Biologie; Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Waldökologie und Waldinventuren des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, Eberswalde (vTI-WOI), Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Forschungsschwerpunkte: Wirkungen von Luftverunreinigungen und Klimawandel auf Wälder (Forstliches Umweltmonitoring), Biodiversität in Wäldern.

Die damals entstandenen, oft aus nur einer Nadelbaumart wie Kiefer oder Fichte aufgebauten Forsten können zwar den heutigen Anforderungen an ein vielfältiges Waldökosystem nicht mehr gerecht werden, dennoch gelang es so, große Waldgebiete in Deutschland und Mitteleuropa zu erhalten.

Eiche_50
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Abb. 1: Eiche mit 50% Blattverlust. Foto: C. Ziegler, FAWF Rheinland-Pfalz
Schon seit dem 19. Jahrhundert wurden Schäden an den Nadeln beziehungsweise Blättern von Waldbäumen im unmittelbaren Bereich von Anlagen beobachtet, die die Luft verschmutzten, indem sie Rauchgase emittierten. Ende der 1970er Jahre zeichneten sich allerdings in ganz Mitteleuropa gebietsübergreifend hohe Nadel- und Blattverluste zunächst an Tanne, später auch an Fichte und anderen Nadel- sowie Laubgehölzen ab.

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Grossansicht des Bildes
Abb. 2: Eiche mit 5% Blattverlust. Foto: C. Ziegler, FAWF Rheinland-Pfalz
Anders als in der Vergangenheit wurde die Diagnose erschwert, denn die geschädigten Bäume waren weiträumig verteilt und ein unmittelbarer räumlicher Bezug zu Emittenten fehlte. Auch die beobachteten Schadbilder stimmten oft nicht mit den klassischen Symptomkomplexen von Baumschäden überein. Diese Umstände führten Anfang der 1980er Jahre dazu, die beobachteten Nadel- und Blattverluste (Abb. 1, 2) und -verfärbungen (Abb. 3) mit dem Begriff "Neuartige Waldschäden" zu belegen. Da zu dieser Zeit ein großflächiges Absterben der Wälder befürchtet wurde, entstand etwa gleichzeitig der Begriff "Waldsterben".

Tanne
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Abb 3: Vergilbung von Nadeln (Chlorose) wird oft durch Ernährungsströrungen verursacht. Foto: H.W. Schröck, FAWF Rheinland-Pfalz
Im Zuge der einsetzenden Forschungsaktivitäten wurden eine Vielzahl unterschiedlicher Hypothesen verfolgt zu den Ursachen von Nadel- und Blattverlusten, von Verfärbungen (so genannten Chlorosen und Nekrosen) der Nadeln und Blätter sowie zum Absterben von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Waldbeständen wie etwa im Erzgebirge und im Harz.

Zur Person
Andreas Bolte
geb. 1966, Studium Forstwissenschaften, Apl. Prof. (Universität Göttingen), Leiter des Instituts für Waldökologie und Waldinventuren des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, Eberswalde (vTI-WOI). Forschungsschwerpunkte: Wald, Waldbewirtschaftung und Klimawandel, Wasser- und Stoffkreisläufe in Wäldern, Wurzelökologie von Bäumen, Baumkonkurrenz in Waldbeständen, Umweltwirkungen von Kurzumtriebsbeständen.

"Neuartige Waldschäden" in der Waldzustandserhebung
Um zunächst einen Überblick zu bekommen, wie die Schäden räumlich verteilt waren, begann man bereits 1983 damit, die Schäden systematisch zu erfassen. Dabei wurde mit über ganz Deutschland verteilten Erhebungen jährlich die durchschnittliche Kronenverlichtung von Baumgruppen anhand von Blatt- beziehungsweise Nadelverlust-Schadstufen geschätzt (Tabelle 1, Abb. 4).



Definition der Schadstufen (Waldzustandserhebung)
Schadstufe Nadel-/Blattverlust Bezeichnung
0 0 - 10% ohne sichtbare Kronenverlichtung
1 11 - 25% Warnstufe (schwache Kronenverlichtung)
2 26 - 60% mittelstarke Kronenverlichtung
3 61 - 99% starke Kronenverlichtung
4 100% abgestorben


Grafik_Zustand_Wald
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Abb. 4: Lage der Aufnahmepunkte der Waldzustandserhebung (WSE) und der Bundesweiten Bodenzustandserhebung im Wald (BZE, ungefüllte Quadrate) sowie des intensiven Forstlichen Umweltmonitoring (Level II, gefüllte Kreise).
Ab 1989 ging man dazu über, die Blatt- beziehungsweise Nadelverluste in 5-Prozent-Schritten im Vergleich zu einem vollbelaubten oder -benadelten Referenzbaum zu schätzen; ein Verfahren, das bis heute angewandt wird. Daneben wurden von Anfang an Verfärbungen der Nadel beziehungsweise der Blätter ebenso erfasst wie einfach zu erkennende Ursachen von Nadel- oder Blattverlusten wie etwa Insektenfraß oder Pilzbefall.

Entsprechend der föderalen Struktur der Bundesrepublik Deutschland werden die Erhebungen im Gelände von den Forstlichen Versuchsanstalten der einzelnen Bundesländer in Rastern von 8 x 8 Kilometern und teilweise noch dichter durchgeführt. Den gesamtdeutschen beziehungsweise europäischen Auswertungen liegt hingegen ein weiteres Raster von 16 x 16 Kilometern zu Grunde.

Der geografische Rahmen dieser Erhebung hat sich in der Folge sehr schnell vergrößert. Denn im Zuge der allgemeinen Bemühungen, die Luft sauber zu halten (Genfer Luftreinhaltekonvention der Vereinten Nationen, UNECE 1979) wurde schon ab 1985 der Kronenzustand europaweit im Rahmen des ICP Forests (Internationales Kooperationsprogramm Wälder) erhoben.


30. März 2009

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