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Bilder in Geschichte und Politik

Die Geschichte der fotografischen Kriegsberichterstattung


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Gerhard Paul
Berichterstattung von vorgestellten Kriegen
Seit Beginn der Neuzeit wurde der Krieg verstärkt zum Gegenstand künstlerischer Darstellungen, etwa mit Bildern von Menschenmassen im Schlachtengetümmel, von Lanzenwäldern, von sich im Tode umschlingenden Kämpfern.

Dank der Radiertechnik entstanden im 16. Jahrhundert aber auch erste Formen des Bildjournalismus sowie Ansätze der Kriegsbildberichterstattung. Visuell gestaltete Flugblätter und Einblattdrucke, später die "Newen Zeytungen", die auf Märkten und vor Kirchen verkauft wurden und in Wirtshäusern auslagen, brachten das Kriegsgeschehen dem zumeist leseunkundigen Publikum nahe. Neben emblematischen Darstellungen von Landsknechten und Kriegsherren zierten vor allem solche Bilder die Deckblätter, von denen man sich eine Förderung des Absatzes versprach. Von Aktualität konnte dabei keine Rede sein, denn die illustrierten Ereignisse lagen oft mehrere Monate zurück. Allerdings galt Exotik auch mehr als zeitliche Nähe und bereits damals mischte sich die sachliche Information mit der spektakulären Darstellung des Krieges (Schilling 1990; Wilke 2005).

Prinzipiell lassen sich die frühen Kriegsbilder in zwei Großgruppen unterteilen, das repräsentativ-historische Ereignisbild und das militärische Genrebild. Dabei wandte sich die glorifizierende Schlachtendarstellung vor allem an ein nichtmilitärisches höfisches Publikum. Im Vordergrund stand meistens die Person des Feldherrn, der oftmals die Pose eines antiken Helden einnahm, während die Schlacht selbst zur reinen Kulisse verkümmerte. Demgegenüber richtete sich die topographisch-analytische Schlachtenmalerei an ein militärisches Fachpublikum. Ihre Auftraggeber waren Feldherren und Offiziere, die auf diese Weise ihre militärischen Leistungen bildlich dokumentieren ließen. Daneben gab es die militärische Genremalerei, die im 17. Jahrhundert ihre erste Blüte erlebte. Ihr ging es nicht um eine mehr oder weniger exakte Schlachtenbeschreibung, sondern um die Darstellung des Krieges an sich, um seine Dynamik und seinen Alltag, aber auch um seinen Schrecken.

Publizistik und Malerei

Während die meisten Gemälde der glorifizierenden Erinnerung dienten, ging es den neuen Massenmedien im Kern um Mitteilung und Deutung. Ihre Illustrationen ergänzten in aller Regel einen gedruckten Text und thematisierten tatsächlich stattgefundene Ereignisse. Trotz der unterschiedlichen Funktionen kristallisierten sich einige identische Codes heraus, die dem Chaos des Krieges hier wie dort Deutung und Sinn verliehen. Man nahm vor allem Bezug auf Motive, Personen und Landschaften der Bibel und stülpte dem Realereignis Krieg so eine mehr oder minder bekannte explizit moralisierende und narrative Struktur über. In Metaphern und Allegorien setzte vor allem der Dreißigjährige Krieg eine differenzierte Bildphantasie frei.

Weder bei den Schlachtengemälden noch bei den Kriegsdarstellungen der frühen Bildpublizistik handelte es sich um authentische Bilder, die den Krieg ungebrochen und zeitnah widerspiegelten, sondern in aller Regel um "imagined battles" (P. Paret), um phantasierte Schlachten und um Vorstellungen vom Krieg, in denen allenfalls Realitätssegmente verarbeitet waren. Beide Darstellungsformen entsprachen in erster Linie dem Zeitgeschmack, eine tiefer gehende Erkundung der Realität des Krieges war mit ihnen nicht beabsichtigt. Und selbst wenn tatsächliche Vorgänge wiedergegeben wurden, waren es keine Abbildungen, sondern imaginierte Kriegsbilder mit standardisierter Ikonographie (Wilke 2005). Dennoch steckten sie den Rahmen ab, innerhalb dessen die Kriegsfotografen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein ihre Themen gestalteten.


28. Dezember 2005

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