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Bilder in Geschichte und Politik
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Die Geschichte der fotografischen Kriegsberichterstattung |
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| Gerhard Paul |
Inszenierte und retuschierte Kriegsbilder Professionell entstandene Kriegsbilder waren oftmals nicht nur Projektion dessen, was Krieg sein und wie er gesehen werden sollte, sondern vielfach auch bewusste Inszenierung und schlichte Manipulation.
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Aufnahme aus der Bilderserie "going over the top" des kanadischen Kriegsfotografen Ivor Castle von einer Übung im Oktober 1916, die als Abbildung einer authentischen Kampfhandlung ausgegeben wurde.
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Das Credo der meisten Berichterstatter, "propaganda of the facts", hinderte sie nicht, immer wieder Bilder für die Kamera zu inszenieren, was mitunter von den Redaktionen ausdrücklich verlangt wurden. Erstmals wurden bereits im Amerikanischen Bürgerkrieg Szenen für die Fotografen arrangiert und der Tod des Schlachtfeldes mit Hilfe von Statisten nachgestellt. Wiederholt gab man Bilder von Übungen als Bilder von Kriegshandlungen aus, so auch die Fotografien eines kanadischen Kriegsberichters, die dieser angeblich im Ersten Weltkrieg während der Schlacht an der Somme "geschossen" hatte.
Ob es sich bei Robert Capas berühmter Aufnahme aus dem Spanischen Bürgerkrieg um ein authentisches Foto handelt, ist bis heute umstritten. Einen Höhepunkt erreichte die Praxis der visuellen Inszenierung während des Zweiten Weltkrieges, in dem alle Parteien ihre Deutung des Geschehens mit Hilfe eines professionellen Medienmanagements in Szene setzten. Ihre Unterschriften erhielten die Aufnahmen, weitab vom Kriegsschauplatz, in den Redaktionen und Propagandazentralen je nach tagespropagandistischen Notwendigkeiten. Dementsprechend wenig hatte der Text oft mit dem abgebildeten Geschehen zu tun.
Mit den gewachsenen Ansprüchen an die visuelle Kriegsberichterstattung konnte die Realität vielfach nicht mithalten. Szenen wie das Flaggehissen auf der Pazifikinsel Iwo Jima mussten nachgestellt werden; erst das künstlerisch komponierte Bild hatte das Zeug, zu "der" patriotischen Ikone der amerikanischen Gesellschaft zu werden.
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Original der Aufnahme von Jewgeni Chaldey aus der von der deutschen Wehrmacht zerstörten Stadt Murmansk, 1942 (links) und die retuschierte Variante der Aufnahme (rechts)
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Zum Werkzeug der Redaktionen in Kriegszeiten (aber nicht nur dann) zählen bis heute auch Retuschierpinsel und Schere. Weil das Original der von der deutschen Wehrmacht zerstörten Stadt Murmansk der Redaktion einer sowjetischen Zeitschrift nicht dramatisch genug erschien, musste der Fotograf die Szene mit dem Retuschierpinsel nachbearbeiten.
Ähnliches geschah mit dem Original der bekannten Fotografie des Mädchens Kim Phuc aus dem Vietnamkrieg. Durch das Wegschneiden des rechten Bilddrittels fokussierte die Redaktion auf das nackte Mädchen, dessen Veröffentlichung 1972 zudem einen kalkulierten Tabubruch bedeutete, mit dem der weltweiten Karriere des Agentur-Bildes gezielt nachgeholfen wurde. Kaum einmal zur Veröffentlichung gelangten jene Bilder, die dieselben Kinder nur wenige Sekunden später als regelrecht Getriebene der Bildreporter zeigen, von denen keiner Anstalten macht, den Kindern zu Hilfe zu kommen (Paul 2005b).
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Links Originalfotografie von Kyiochi Sawada vom 24.2.1964 über die Bergung eines getöteten Vietcong im Vietnam-Krieg (Horst Faas/Tim Page (Hrsg.): Requiem by the Photographers who died in Vietnam and Indochina, London 1998), rechts beschnittene und retuschierte Variante der Bildagentur Corbis.
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Im Rahmen der jedem großen Krieg nachfolgenden Deutungskämpfe wurden die Bilder der Kriegsreporter oftmals in völlig neue Zusammenhänge gestellt, mit sachfremden Geschichten versehen oder, wie erst jüngst eine Fotografie aus dem Vietnamkrieg, von einer großen Bildagentur digital nachbearbeitet und beschnitten und damit ihrer eigentlichen Aussagekraft beraubt.
28. Dezember 2005 |
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