Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index


Themen
Medien
Bilder in Geschichte und Politik
Bild und Schrift
Bildquellen
Weltbilder auf Karten
Geschichte der Bildkultur
Bildkultur und Medien
Ende des Zweiten Weltkriegs
Kriegsberichte
Nationale Symbole
Historische Plakate
Herrscherbilder
Manipulation und Propaganda
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen
ZMI Universität Giessen Arte netzeitung.de Arte ZMI Universität Giessen taz Kulturstiftung des Bundes Berliner Konferenz Universität Duisburg-Essen Köln International School of Design
Suche
Dossier bpb.de

Bilder in Geschichte und Politik

Die Geschichte der fotografischen Kriegsberichterstattung


 5 / 7 
weiter
Gerhard Paul
Inszenierte und retuschierte Kriegsbilder
Professionell entstandene Kriegsbilder waren oftmals nicht nur Projektion dessen, was Krieg sein und wie er gesehen werden sollte, sondern vielfach auch bewusste Inszenierung und schlichte Manipulation.

Bilderserie "going over the top"
Grossansicht des Bildes
Aufnahme aus der Bilderserie "going over the top" des kanadischen Kriegsfotografen Ivor Castle von einer Übung im Oktober 1916, die als Abbildung einer authentischen Kampfhandlung ausgegeben wurde.
Das Credo der meisten Berichterstatter, "propaganda of the facts", hinderte sie nicht, immer wieder Bilder für die Kamera zu inszenieren, was mitunter von den Redaktionen ausdrücklich verlangt wurden. Erstmals wurden bereits im Amerikanischen Bürgerkrieg Szenen für die Fotografen arrangiert und der Tod des Schlachtfeldes mit Hilfe von Statisten nachgestellt. Wiederholt gab man Bilder von Übungen als Bilder von Kriegshandlungen aus, so auch die Fotografien eines kanadischen Kriegsberichters, die dieser angeblich im Ersten Weltkrieg während der Schlacht an der Somme "geschossen" hatte.

Ob es sich bei Robert Capas berühmter Aufnahme aus dem Spanischen Bürgerkrieg um ein authentisches Foto handelt, ist bis heute umstritten. Einen Höhepunkt erreichte die Praxis der visuellen Inszenierung während des Zweiten Weltkrieges, in dem alle Parteien ihre Deutung des Geschehens mit Hilfe eines professionellen Medienmanagements in Szene setzten. Ihre Unterschriften erhielten die Aufnahmen, weitab vom Kriegsschauplatz, in den Redaktionen und Propagandazentralen je nach tagespropagandistischen Notwendigkeiten. Dementsprechend wenig hatte der Text oft mit dem abgebildeten Geschehen zu tun.

Mit den gewachsenen Ansprüchen an die visuelle Kriegsberichterstattung konnte die Realität vielfach nicht mithalten. Szenen wie das Flaggehissen auf der Pazifikinsel Iwo Jima mussten nachgestellt werden; erst das künstlerisch komponierte Bild hatte das Zeug, zu "der" patriotischen Ikone der amerikanischen Gesellschaft zu werden.

Murmansk von Jewgeni Chaldey
Grossansicht des Bildes
Original der Aufnahme von Jewgeni Chaldey aus der von der deutschen Wehrmacht zerstörten Stadt Murmansk, 1942 (links) und die retuschierte Variante der Aufnahme (rechts)
Zum Werkzeug der Redaktionen in Kriegszeiten (aber nicht nur dann) zählen bis heute auch Retuschierpinsel und Schere. Weil das Original der von der deutschen Wehrmacht zerstörten Stadt Murmansk der Redaktion einer sowjetischen Zeitschrift nicht dramatisch genug erschien, musste der Fotograf die Szene mit dem Retuschierpinsel nachbearbeiten.

Ähnliches geschah mit dem Original der bekannten Fotografie des Mädchens Kim Phuc aus dem Vietnamkrieg. Durch das Wegschneiden des rechten Bilddrittels fokussierte die Redaktion auf das nackte Mädchen, dessen Veröffentlichung 1972 zudem einen kalkulierten Tabubruch bedeutete, mit dem der weltweiten Karriere des Agentur-Bildes gezielt nachgeholfen wurde. Kaum einmal zur Veröffentlichung gelangten jene Bilder, die dieselben Kinder nur wenige Sekunden später als regelrecht Getriebene der Bildreporter zeigen, von denen keiner Anstalten macht, den Kindern zu Hilfe zu kommen (Paul 2005b).

Getöteter Vietcong
Grossansicht des Bildes
Links Originalfotografie von Kyiochi Sawada vom 24.2.1964 über die Bergung eines getöteten Vietcong im Vietnam-Krieg (Horst Faas/Tim Page (Hrsg.): Requiem by the Photographers who died in Vietnam and Indochina, London 1998), rechts beschnittene und retuschierte Variante der Bildagentur Corbis.
Im Rahmen der jedem großen Krieg nachfolgenden Deutungskämpfe wurden die Bilder der Kriegsreporter oftmals in völlig neue Zusammenhänge gestellt, mit sachfremden Geschichten versehen oder, wie erst jüngst eine Fotografie aus dem Vietnamkrieg, von einer großen Bildagentur digital nachbearbeitet und beschnitten und damit ihrer eigentlichen Aussagekraft beraubt.


28. Dezember 2005

 5 / 7  weiter


 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion
Angebote der bpb

Dossier: Kinder sehen Krieg

bpb-Studie: Nahostberichterstattung im deutschen Fernsehen

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Kontakt | Home