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Bilder in Geschichte und Politik
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Die Geschichte der fotografischen Kriegsberichterstattung |
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| Gerhard Paul |
Die Pluralisierung der Kriegsbilder Mit dem Spanischen Bürgerkrieg (1935-1939) kam die teilnehmende Kriegsberichterstattung auf (Paul 2004: 173ff; Crawford o.J.). Bildreporter berichteten aus dem Kampfgeschehen, indem sie Soldaten begleiteten oder während der Kampfhandlungen fotografierten. Die neue Form der Berichterstattung und ein verändertes Selbstverständnis zahlreicher Fotografen als handelnde und Partei ergreifende Kombattanten, brachte eine neue Perspektive auf die Opfer des Krieges hervor: Menschen, die Schutz vor Bombenangriffen suchten, Mütter mit ihren Kindern auf der Flucht sowie Zerstörungen, die den Blick in das Innere von Häusern freigaben, avancierten zu wiederkehrenden Sujets der Kriegsfotografie und damit auch der Propaganda. Die Fokussierung auf die Leidtragenden schuf Bilder, die zur neuen Waffe in einer immer globaler werdenden propagandistischen Mobilisierung von Mitleid und Unterstützung wurden.
Verstärkt wurde diese Entwicklung durch den Vietnamkrieg (1965-1975) (Paul 2005c), der zunächst gemäß in Konventionen traditioneller Kriegsfotografie dokumentiert wurde. Dann aber entstanden im Kontext der internationalen Anti-Kriegsbewegung zunehmend Aufnahmen, die ihn als "schmutzigem" Krieg zeigten, wie z.B. Eddie Adams Aufnahme von der Erschießung eines Vietcong in Saigon oder Ronald Haeberles Fotoserie vom US-Massaker in My Lai 1968. Mit den Bildern vom Vietnamkrieg zirkulierten zudem erstmals Fotos beider Kriegsparteien auf den globalen Bildermärkten, Fotos, die sich z.T. aufeinander bezogen und gegenseitig relativierten.
Die durch Fotografien hergestellte Nähe des Publikums zur kriegerischen Gewalt unterwarf die Bilder zugleich dem privat-familiären Diskurs und dessen eher durch Tötungshemmung geprägten Bewertungsmaßstäben. Die Fotografien des "schmutzigen" Krieges lagen nun – wie es die New York Times formulierte – in den Wohnzimmern der Amerikaner "wie ein Blutfleck auf dem Teppich" und unterminierten so die Kriegsbereitschaft der Heimatfront. US-Präsident Nixon gab später den Bildmedien die Schuld an der Niederlage. Die Folge war, dass die Kriege der 1980er Jahre, wie der Falklandkrieg 1982 und die US-Invasionen 1983 in Grenada und 1989 in Panama, weit gehend unter Ausschluss von Bildberichterstattern geführt wurden.
1993 schließlich zwangen Fotografien und Fernsehaufnahmen von getöteten amerikanischen Soldaten in den Straßen Mogadischus die US-Regierung zum Rückzug aus Somalia. Das amerikanische Publikum hatte die schockierenden Bilder nicht ertragen können. Dieser auch als "Mogadischu-Effekt" bezeichnete Mechanismus sollte für die weitere Entwicklung insofern bedeutsam werden, als sich Opferbilder damit als wirksame publizistische Waffe in den asymmetrischen Kriegen der Gegenwart zu etablieren begannen.
28. Dezember 2005 |
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