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Spezial: Schule und Integration

Egalitär und emanzipativ: Leitlinien der Bildungsreform

Ullrich Bauer/Uwe H. Bittlingmayer
Gegen ökonomische Denkgebote und die "Illusion der Chancengleichheit" entwickeln die Autoren Reformvorschläge für ein Bildungssystem, das aktuell ist und den Anspruch auf die Emanzipation von Benachteiligten nicht aufgibt.


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Auszug aus:
Bildungsreformen, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 12/2005)
Inhalt
Einleitung
Die Illusion der Chancengleichheit
Egalitär und emanzipativ
Reform der Schulstruktur
Irrwege der Strukturreform
Strukturveränderungen initiieren
Schulkulturreform
Indirekte Bildungspolitik
Der ökonomische Imperativ
Denkgebote und Denkverbote der Bildungsreform
Einleitung

Der vorliegende Beitrag ist ein Plädoyer für eine Bildungsreform. Mit jedem Reformversuch - gerade mit einem, der die Grundfesten einer rund hundert Jahre währenden deutschen Bildungsverfassung in Zweifel zieht - sind politische Grundsatzentscheidungen verbunden.


Zur Person
Ullrich Bauer
Dr. PH, geb. 1971; Juniorprofessor an der Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Postfach 10 01 31, 33501 Bielefeld.
E-Mail: ullrich.bauer@uni-bielefeld.de

Im Folgenden soll daher zu Beginn die grundsätzliche Frage gestellt werden, welche gesellschaftliche Funktion Bildung heute tatsächlich einnimmt und welche Aufgabe sie zukünftig haben sollte. Dabei zeigt sich, dass offenbar mehr auf dem Spiel steht als die Änderung der Rahmenbedingungen schulischen Lernens. Das Bildungssystem war und ist der Garant für die Aufrechterhaltung einer innergesellschaftlichen Machtasymmetrie. Unsere eigene normative Vorgabe, die Egalisierung individueller Bildungschancen sowie die bessere Ausschöpfung emanzipativer Potenziale durch Bildung, stellt zu der Reproduktion von Machtasymmetrien einen Gegenpol dar.


Zur Person
Uwe H. Bittlingmayer
M.A., geb. 1970; wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Münster, Institut für Soziologie, Scharnhorststr. 121, 48151 Münster.
E-Mail: bittlin@uni-muenster.de

Ein emanzipatives Bildungsideal und Chancengleichheit im Bildungswesen dürfen nicht als bloße Zugaben einer demokratisch verfassten Gesellschaft verstanden werden. Sie bilden, ganz im Gegenteil, deren unbedingte Voraussetzung. Ob Bildung erfolgreich ist, wird heute nahezu ausschließlich anhand ökonomischer Erfolgskriterien gemessen.

Diese Einengung des Bildungsbegriffs ist keinesfalls darauf beschränkt, dass wirtschaftliche Verwertungsinteressen in den Vordergrund rücken. [1] Mit dem Prozess der Ökonomisierung von Bildung eng verbunden, gewinnen seit über zwei Jahrzehnten Phänomene gesellschaftlicher Ungleichverteilung erneut die Oberhand.

Dem Bildungserwerb kommt somit nicht nur eine technische Funktion zu (im Sinne individueller Qualifizierung), er erfüllt auch eine Ungleichheit generierende Funktion: Bildungsinstitutionen regeln die Reproduktion der Strukturen sozialer Ungleichheit, der Machtverteilung innerhalb der Gesellschaft; sie übernehmen die zentrale Funktion einer Chancenverteilungsstelle.[2]




Auszug aus:
Bildungsreformen, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 12/2005)


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