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Gesundheitswesen Überblick
Das Gesundheitswesen in Deutschland – Ein Überblick
Das Gesundheitswesen mit seinen aktuellen Problemen und Zukunftsaussichten ist ein Dauerbrenner in der politischen Arena. Eine erkennbare Wirkung ist eine wachsende Skepsis in der Bevölkerung im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems.

Kenntnisse der Strukturen, Akteure und Funktionsprinzipien des Gesundheitswesens sind hilfreich, um sich als Bürger in die politische Diskussion über die Zukunft dieses zentralen Sektors unserer Gesellschaft einzumischen.
Stetig wachsende Bedeutung und große Zukunftschancen
Die persönliche Gesundheit, deren Erhalt oder Wiederherstellung, gehört für alle Menschen zu den wichtigsten Themen und Besorgnissen. Ein gewisses Maß an Gesundheit ist die Grundvoraussetzung für alle Lebensvollzüge. Seit es Menschen gibt, haben sich daher professionelle Strukturen um das Thema Gesundheit herum ausgebildet: Die Personen und Einrichtungen, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeiten mit der Erhaltung der Gesundheit der Bevölkerung sowie der Behandlung von Krankheiten befasst sind bilden den Kern des Gesundheitswesens.

Mit dem Entstehen der modernen Industriegesellschaften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind Gesundheit und medizinische Versorgung der Bevölkerung zunehmend auch zu einer wichtigen politischen Frage geworden. Der Staat hat seither viele die Gesundheit berührende Bereiche durch Gesetze geregelt, Institutionen gegründet und Zuständigkeiten festgelegt. Für die Entwicklung des Gesundheitssystems in Deutschland war die Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung durch die Bismarck'sche Sozialgesetzgebung im Jahr 1883 besonders prägend.

Neben den Aktivitäten des Staates und seiner Institutionen haben natürlich die Dynamik des medizinischen Fortschritts, die zunehmende Vielfalt von gesundheitsbezogenen Produkten, Dienstleistungen und Anbietern sowie die stetig wachsende Nachfrage der Bevölkerung nach Gesundheitsleistungen wesentlich dazu beitragen, dass das Gesundheitswesen inzwischen zu einem der bedeutsamsten gesellschaftlichen Teilsysteme und Wirtschaftssektoren geworden ist.
Fakten zum deutschen Gesundheitswesen
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2005. [1]
Die Bedeutung des Gesundheitswesens wird in den kommenden Jahrzehnten noch weiter wachsen: Deutschland ist eine alternde Gesellschaft. Dafür ist einerseits die geringe Geburtenzahl verantwortlich und andererseits die noch immer zunehmende Lebenserwartung. Menschen über 60 Jahre werden in einigen Jahren die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Mit der größeren Zahl älterer Bürger wird auch der Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen wachsen.

Verwandte Lerntour

Lerntour "Reformbedarf in der GKV-Finanzierung"


Welche Faktoren die zunehmende Alterung der Bevölkerung in Deutschland bewirken und welche Konsequenzen diese Entwicklung für das Gesundheitswesen haben wird, erläutern die Lernobjekte "Demografischer Wandel" und "Demografie und GKV-Finanzen" in der Lerntour "Reformbedarf in der GKV-Finanzierung".



Die Kombination von steigender Nachfrage infolge des demografischen Wandels und einem sich weiter dynamisch entwickelnden medizinischen Fortschritt weckt die Hoffnung, dass im Gesundheitssektor in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen können. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass einige der bestehenden Strukturen des Gesundheitswesens reformiert werden.

Tipp

Testen Sie Ihr Vorwissen zum Thema dieser Lerntour!


Bevor Sie weiterlesen, können Sie anhand eines Lückentextes ausprobieren, was Sie bereits über das Thema "Gesundheitswesen in Deutschland" wissen.
Nutzen Sie später das ausgefüllte Arbeitsblatt als Zusammenfassung wesentlicher Lerninhalte.




Dauerkrise im Gesundheitswesen?
"Das deutsche Gesundheitswesen bietet eine hochwertige Versorgung" – dieser Aussage stimmten in einer repräsentativen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im Jahr 2002 knapp 18 % der Bevölkerung "voll und ganz" zu [2]. Noch im Jahr 1999 hatten in einer Umfrage im Auftrag des Arzneimittelherstellers Janssen-Cilag auf die fast gleichlautende Frage 33 % "voll und ganz" zugestimmt [3].
Das deutsche Gesundheitswesen
Quelle: WIdO, 2002. [2]; Janssen-Cilag, 1999. [3]
Auch wenn man berücksichtigt, dass in der neueren Umfrage des WIdO nur gesetzlich Versicherte, in der Janssen-Cilag-Studie jedoch die Gesamtbevölkerung (einschließlich privat Versicherte) befragt wurden, lässt sich aufgrund dieser Ergebnisse konstatieren, dass die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Gesundheitswesen in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat.

Ist die gesundheitliche Versorgung in Deutschland zwischen 1999 und 2002 tatsächlich schlechter geworden, so dass eine abnehmende Zufriedenheit erklärbar wäre? Bei nüchterner Betrachtung dürfte man wohl zu folgender Einschätzung kommen: Die tatsächliche Versorgung ist im Großen und Ganzen weitgehend gleich gut und bei vielen einzelnen Krankheiten sogar eher besser als schlechter geworden. Aber: Die "Stimmung" und das Bild des Gesundheitswesens in der Öffentlichkeit sind in den letzten Jahren zunehmend negativer geworden.

Bei vielen Bürger dürfte der Eindruck vorherrschen, dass das deutsche Gesundheitswesen selbst schwer krank ist. Wie wäre sonst zu erklären, dass die Gesundheitspolitik in immer kürzeren Abständen mit neuen Reformgesetzen eingreifen muss?

Zitat

Die Deutschen sind besonders kritisch


Es besteht der Eindruck, dass in keinem anderen hoch industrialisierten Land der Welt so kritisch über das eigene Gesundheitswesen diskutiert wird wie in Deutschland.
Fritz-Beske-Institut: Presseerklärung. 19.04. 2004. [4]
Doch wie groß sind die Probleme wirklich? Wird nicht vieles übertrieben oder aus Eigeninteresse von beteiligten Gruppen und Institutionen sogar falsch dargestellt? Wie sind die zahlreichen Reformmodelle und Änderungsvorschläge zu bewerten? Wer sind jeweils die Gewinner und wer zahlt am Ende drauf?
Ermunterung zur Einmischung
Die Gesundheitspolitik ist ein besonders schwieriges Feld, weil das Gesundheitswesen selbst ein sehr komplexes Gebilde von Berufen, Aufgaben, Institutionen, wirtschaftlichen Interessen, ethischen Ansprüchen, rechtlichen Vorgaben usw. darstellt. Wo selbst viele Experten und Politiker Mühe haben, den Überblick zu bewahren, kapitulieren die Bürger erst recht.

Das E-Learning-Angebot der bpb zur Gesundheitspolitik bietet Ihnen Gelegenheit, sich mit den drängendsten Problemen und den konkreten Reformvorschlägen eingehender zu befassen. Ziel ist es, die Bürger zur Beteiligung an der wichtigen Diskussion über die zukünftige Gestaltung des Gesundheitswesens zu ermuntern.

Für das Verständnis des Reformbedarfs, der bereits laufenden Umbau- und Modernisierungsprozesse sowie der vielfältigen Vorschläge für weitere Reformmaßnahmen sind Kenntnisse der wichtigsten Strukturen, Akteure und Funktionsprinzipien des deutschen Gesundheitswesens nützlich bzw. unverzichtbar. Die Lerntour "Das Gesundheitswesen in Deutschland" soll einen Gesamtüberblick vermitteln und damit auf die Beschäftigung mit vertiefenden Lerntouren zu Einzelfragen der Gesundheitspolitik vorbereiten. Folgende Themen und Fragen begegnen Ihnen auf dieser Lerntour:
  • Welche politischen und organisatorischen Grundstrukturen kennzeichnen das deutsche Gesundheitssystem?
  • Wer sind die wichtigsten Akteure und Interessengruppen?
  • Wo sind welche Zuständigkeiten angesiedelt?
Neben Erläuterungen zu diesen grundlegenden Aspekten werden Ihnen die beiden größten Versorgungssektoren in ihren Grundzügen vorgestellten: Die Titel der einzelnen Lernobjekte können Sie der folgenden Übersicht entnehmen.
Das Programm dieser Lerntour

  • Bismarcks Erbe: Besonderheiten und prägende Merkmale des deutschen Gesundheitswesens


  • Die wichtigsten Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Teil 1: Staat und Politik


  • Die wichtigsten Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Teil 2: Verbände und Körperschaften der gemeinsamen Selbstverwaltung


  • Die wichtigsten Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Teil 3: Institutionen und Interessenvertretungen


  • Ambulante ärztliche Versorgung. Teil 1: Strukturen und Versorgungsformen


  • Ambulante ärztliche Versorgung. Teil 2: Inanspruchnahme von niedergelassenen Ärzten und Auswirkungen der Praxisgebühr


  • Ambulante ärztliche Versorgung. Teil 3: Finanzierung und Vergütung vertragsärztlicher Leistungen in der GKV


  • Ambulante ärztliche Versorgung. Teil 4: Grundprobleme der Vergütung ärztlicher Leistungen


  • Ambulante ärztliche Versorgung. Teil 5: Vergütung privatärztlicher Leistungen


  • Stationäre Versorgung. Teil 1: Strukturen und Inanspruchnahme


  • Stationäre Versorgung. Teil 2: Finanzierung und Vergütung



Lernziele

Wie hat alles angefangen? Das deutsche Gesundheitssystems im historischen Rückblick.

Wie haben sich die derzeitigen Strukturen entwickelt? Was sind die Besonderheiten des deutschen Gesundheitswesens im Vergleich zu anderen Ländern?

Wer hat das Sagen im Gesundheitswesen?

Welche Rolle spielen Staat und Politik? Welche Funktionen haben die Verbände und Körperschaften? Welchen Einfluss haben andere Institutionen und Interessenvertretungen?

Der erste Anlaufpunkt: Die ambulante ärztliche Versorgung

Wie ist die ambulante Versorgung aufgebaut? Wie oft und warum werden niedergelassene Ärzte aufgesucht? Wie werden die Vertragsärzte vergütet? Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Haus- und Fachärzten? Welche neuen Versorgungsformen gibt es?

Wenn es ernst wird: Stationäre Versorgung

Wie ist die stationäre Versorgung strukturiert und geregelt? Wie werden die Kapazitäten der Krankenhäuser geplant? Wie funktioniert das neue Vergütungssystem? Wie wird sich dieser Sektor entwickeln?
Quellen
[1] Statistisches Bundesamt: Gesundheitsausgaben und Gesundheitspersonalrechnung 2005.

[2] Zok, K.: Gestaltungsoptionen in der Gesundheitspolitik. Die Reformbereitschaft von Bürgern und Versicherten im Spiegel von Umfragen. Bonn: Wissenschaftliches Institut der AOK, 2003.

[3] Wasem, J.: Das Gesundheitswesen in Deutschland: Einstellungen und Erwartungen der Bevölkerung. Neuss: Janssen-Cilag, 1999.

[4] Fritz Beske Institut: Presseerklärung zur Veröffentlichung der Studie "Das deutsche Gesundheitswesen im internationalen Vergleich", Berlin, 19.04.2004.



 
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Links ins Internet
Grundlagenwissen
Informationen über grundlegende Strukturen, Regeln, Verfahren und Abläufe des Gesundheitssystems in Deutschland
Chronik der sozialen Sicherheit in Deutschland (Uni Gießen)
Die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung (AOK)
Forum Gesundheitspolitik: Infoportal zur Gesundheitspolitik
Übersicht über das Sozialrecht (BMGS)
Übersicht über das Sozialrecht: Organisation und Selbstverwaltung (BMGS)
Expertenbeiträge
Gutachten, Studien, Aufsätze u.a. Beiträge gesundheitspolitischer Fachexperten
Das Gesundheitswesen in Deutschland im internationalen Vergleich (Pressemitteilung zur Studie / Fritz Beske Institut)
European Observatory on Health Systems and Policies: Homepage
Leistungskatalog des Gesundheitswesens im internationalen Vergleich (Pressemitteilung zur Studie / Fritz Beske Institut)
Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Homepage
Medienbeiträge
Dossiers, Artikel u.a. redaktionelle Beiträge zu gesundheitspolitischen Themen
Wirtschaftsfaktor Gesundheitswesen. Die unterschätzte Branche (Deutsches Ärzteblatt)
Akteure und Interessenverbände
Reformvorschläge, Stellungnahmen und Konzepte von Akteuren und Interessenverbänden des deutschen Gesundheitssystems
Bundestag: Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung
Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG): Homepage
Gemeinsamer Bundesausschuss (GBA): Homepage
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Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen: Homepage
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