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Maßnahmen

Kommunaler Klimaschutz


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Oliver S. Wagner
Einführung
Der Stellenwert kommunaler Klimaschutzpolitik ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Grund hierfür ist vor allem in zahlreichen Zielvorgaben und Beschlüssen auf nationaler und internationaler Ebene zu finden, sowie in der darauf basierenden medialen Berichterstattung. Doch so wichtig Entscheidungen auf nationaler und internationaler Ebene auch sein mögen, ambitionierte Klimaschutzziele sind ohne engagierte Kommunen nicht zu erreichen. Viele kommunalpolitische Entscheidungsträger haben die Zeichen der Zeit erkannt und wollen mit ihren Kommunen einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie wollen, dass Städte und Gemeinden in vielen Bereichen ihre Vor- und Leitbildfunktion gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem örtlichen Gewerbe und der Industrie wahrnehmen und mit eigenen Maßnahmen und Impulsen sowie einer vorausschauenden Energiepolitik ihrer Verantwortung für das globale Klima nachkommen.

Muenster
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Parkhaus für Fahrräder in Münster. Die Stadt ist "Bundeshauptstadt im Klimaschutz". Foto: AP

Kommunen stehen am Anfang und am Ende der Wirkungskette

Experten aus der Wissenschaft sind sich weitgehend einig, dass der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten ist. Die Frage ist nur, ob wir es schaffen, ihn möglichst stark abzumildern, um die Folgen der Klimaveränderungen beherrschbar zu halten. Was sind die möglichen Folgen? Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Starkniederschläge, Stürme, die sich bereits jetzt zunehmend ereignen, werden noch heftiger und häufiger vorkommen und zu enormen Schäden bzw. Kosten führen. Ob im Katastrophenschutz, in der Hochwasserbekämpfung, der Trinkwasserversorgung oder der Beseitigung von Sturmschäden – es werden vor allem Kommunen sein, welche die Kosten des Klimawandels zu tragen haben. Vorausschauend wird daher bereits jetzt besonders an den Infrastrukturen gearbeitet, welche die Schäden möglichst in Grenzen halten sollen. So werden Rückhaltebecken für Starkniederschlagsereignisse gebaut, Dämme errichtet und vieles mehr.

Zur Person
Oliver Wagner
geb. 1966; Studium der Sozialwissenschaften, Dipl.-Soz.Wiss.; derzeit Projektleiter der Forschungsgruppe "Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik" am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Seine Schwerpunkte sind: Kommunale Energie- und Klimaschutzpolitik sowie kommunale Energiewirtschaft

Aus dem Zusammenhang zwischen den Möglichkeiten Klimaschutz konkret zu betreiben und der Tatsache, von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen zu sein, ergibt sich der Umstand, dass die Kommunen wichtige Akteure für eine wirkungsvolle Umsetzung von Klimaschutzpolitiken sind. Denn die Städte stehen am Anfang und am Ende der Wirkungskette für engagierten Klimaschutz. Die Politik in den Städten und Gemeinden ist somit ein wichtiger Schlüssel zur Lösung der globalen Aufgabe des Klimaschutzes.

Klimaschutz ist Standortfaktor

Kommunaler Klimaschutz ist weitaus mehr als nur eine vorausschauende und sinnvolle Aufgabe zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen. Klimaschutz wird zunehmend zu einem Wirtschaftsfaktor, zu einem Wettbewerbs- und zu einem Standortvorteil. Unterstützung beim Energiesparen und das Vorfinden von entsprechenden Infrastrukturen (wie beispielsweise ein Fernwärmenetz), ist für Unternehmen und bei der Wohnortauswahl von Bürgerinnen und Bürgern ein zunehmend wichtiger Entscheidungsfaktor. Ökonomie und Ökologie sind auf kommunaler Ebene schon lange kein Widerspruch mehr. Vielmehr geht es darum, die endogenen Potenziale der Kommunen aufzugreifen und regionalwirtschaftliche Impulse zu setzen.

Kommune als Vorbild

Wer Wasser predigt und selber Wein trinkt, ist wenig glaubwürdig. Kommunaler Klimaschutz beginnt daher in der eigenen Verwaltung, bei den Beschäftigten der Kommune, bei der Beschaffung von Energie verbrauchenden Geräten und Fahrzeugen (angefangen bei der Büroausstattung der Verwaltungsangestellten bis zum Dienstfahrzeug des Oberbürgermeisters) und natürlich im eigenen Gebäudebestand. Große Einsparpotenziale können zudem durch ein verändertes Benutzerverhalten der Beschäftigten realisiert werden. Die Kommunalverwaltung ist zudem ein wichtiger Multiplikator und kann dabei Unternehmen wie Privatpersonen vorleben, dass Klimaschutz ohne Komfortverlust möglich ist und sich oftmals rechnet.

In der Regel ist es nicht mangelnder Wille, der zu verschwenderischem Umgang mit Energie führt. Oft ist es schlicht fehlendes Wissen. So belegen Untersuchungen, dass durch die Schulung für verändertes Nutzerverhalten von Mitarbeitern bis zur 15 Prozent Energie eingespart werden kann. Die Stadt Nettetal konnte beispielsweise allein durch geändertes Nutzerverhalten in einer "e-fit-Aktionswoche" 8,4 Prozent Strom einsparen. Die Reduzierung von Standby-Verlusten und die Verringerung unnötigen Energieverbrauchs durch falsches Lüften können durch eine Schulung ebenso verringert werden, wie der Kraftstoffverbrauch, der durch Fahrertrainings erreicht werden kann. Die Städte Tübingen und Osnabrück beispielsweise haben hierzu bereits gute Erfahrungen gemacht. Manchmal können auch weniger investive Maßnahmen energiesparendes Nutzerverhalten unterstützen: Präsenzmelder, die unnötige Beleuchtung verhindern, abschaltbare Steckdosen bzw. Steckerleisten mit Schalter und Zeitschaltuhren, die Standby-Verluste vermeiden können und intelligente Heizungsventile, die ein geöffnetes Fenster erkennen und die Heizung vorübergehend ausstellen, sind Beispiele dafür.


02. März 2009

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