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Flucht- und Asylmigration
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Flucht und Asyl seit 1990 |
| Klaus J. Bade/ Jochen Oltmer |
Wandel der Asylzuwanderung nach 1990
Die Krisenentwicklung in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa führte, zusammen mit den Abwehrmaßnahmen gegen
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Flüchtlingswohnheim © Wolfgang Müller für Körber-Foto-Award 2003
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Armutsflüchtlinge aus der "Dritten Welt", zu einer kompletten Umkehr der Relationen:
1986 waren noch rund 74,8 Prozent der Asylsuchenden aus der "Dritten Welt" gekommen. 1993 stammten 72,1 Prozent aus Europa und vor allem aus Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa. Aber der Kalte Krieg war vorbei. Flüchtlinge - zumal in Massen - waren nicht mehr Erfolgsnachweis in der globalen Systemkonkurrenz, sondern Zusatzbelastung in der Krise des nationalen Sozialstaats.
Die Lage der Flüchtlinge und Asylsuchenden wurde seit den 1990er-Jahren entscheidend verändert durch den 1992 politisch gefassten und 1993 gesetzlich verankerten "Asylkompromiss". Der Weg dahin war bestimmt durch heftige, zum Teil populistisch gestaltete Konflikte zwischen den politischen Parteien und weltweit Aufsehen erregenden Ausschreitungen gegenüber verschiedenen Gruppen der Zuwandererbevölkerung in West- und Ostdeutschland:
Trotz der fortschreitenden Integration der Zuwandererbevölkerung und trotz der vielfältigen multikulturellen Begegnung im Alltag entstand neben dieser mehr und mehr als normal empfundenen und pragmatisch verwalteten gesellschaftlichen Realität Anfang der 1990er-Jahre ein düsteres Gebräu an zunächst ausländerfeindlichen und bald allgemein fremdenfeindlichen Abwehrhaltungen.Den Hintergrund für diese Paradoxie bildeten zwei Erfahrungen: Zum einen waren es die um die Jahrzehntwende stark wachsenden neuen Zuwanderungen, zum anderen waren es teils dadurch beeinflusste, teils aber auch ganz davon abgehobene Irritationen und Verzerrungen in der Wahrnehmung von Zuwanderung und Eingliederung:
Anstieg der Asylgesuche 1988 - 1992
1988 überstieg die Kurve der Asylgesuche erneut die
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Asylanträge: Die 10 zugangsstärksten Herkunftsländer 1992. Quelle: Migration und Asyl in Zahlen, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2004, S. 47.
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Marke von 100.000. Sie kletterte im Jahr der europäischen Revolutionen 1989 auf ca. 120.000, erreichte im vereinigten Deutschland 1990 ca. 190.000, 1991 sogar fast 260.000 und 1992 schließlich fast 440.000, wobei es sich nun allerdings in hoher Zahl um Flucht- und Minderheitenwanderungen aus Ost- und Südosteuropa, vor allem um Flüchtlinge aus dem Raum von Ex-Jugoslawien, aber auch um Roma aus Rumänien handelte.
1987 bereits waren die Aussiedlerzahlen
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Asylanträge: Die 10 zugangsstärksten Herkunftsländer 1997. Quelle: Migration und Asyl in Zahlen, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2004, S. 47.
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scharf angestiegen. Sie übersprangen 1988 knapp die Marke von 200.000, erreichten 1989 fast 390.000 und 1990 schließlich fast 400.000. Hinzu kam in Westdeutschland die nunmehr legale Zuwanderung aus der in der Agonie liegenden DDR bzw. dann den neuen Bundesländern: 1989 kamen fast 390.000 und 1990 rund 395.000 Menschen. Die Zahlen sanken im Folgejahr nur auf knapp 250.000, dann auf knapp 200.000 im Jahr 1992 und auf rund 172.000 im Jahr 1993, um sich schließlich 1994 bis 1997 zwischen 160.000 und 170.000 Menschen jährlich zu stabilisieren.
Quelle: Klaus J. Bade/Jochen Oltmer: Normalfall Migration. (ZeitBilder, Bd. 15). Bonn 2004. link:|www.bpb.de|options
15. März 2005 |
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