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Bilder in Geschichte und Politik
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Bilder als historische Quellen |
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| Michael Sauer |
Bilder historischer Ereignisse
Bilder können immer nur Quellen für ihre Entstehungszeit sein. Ein Historienbild aus dem 19. Jahrhundert kann uns keine historischen Aufschlüsse über die Rituale eines Vertragsschlusses in der Karolingerzeit vermitteln, sondern allenfalls Auskunft über die historischen Kenntnisse, Vorstellungen und Projektionen des Künstlers und seiner Zeitgenossen geben.
Bilder können dokumentieren, dass bestimmte historische Ereignisse stattgefunden haben, unter welchen Umständen dies geschah, wer daran beteiligt war etc. Diesem Zweck dienten häufig die Holzschnitte, mit denen die Flugblätter und Flugschriften der Frühen Neuzeit versehen waren [int. Link auf Faulstich], ebenso die Holz- oder Stahlstiche in den frühen illustrierten Blättern des 19. Jahrhunderts, und natürlich hat auch der Großteil der heutigen Pressefotos diese Aufgabe. Schlachten, Belagerungen, Kapitulationen, Friedensverträge, Streiks, Revolutionen, Konzile, Krönungen, Morde und Exekutionen – vor allem Haupt- und Staatsaktionen also – sind in Bildern festgehalten und überliefert worden. Allerdings muss man mit solchen Quellen vorsichtig sein.
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Der Prager Fenstersturz, Kupferstich von Mathäus Merian d. Ä. 1635
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Nehmen wir zum Beispiel den bekannten Kupferstich von Mathäus Merian d. Ä., der den "Prager Fenstersturz" von 1618 zeigt, den Auslöser des Dreißigjährigen Krieges also. Merians Darstellung ist erst Jahre später, nämlich 1635, erschienen. Und natürlich hat er das Geschehen nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern die Szene nach Informationen aus zweiter Hand so gestaltet, wie es ihm passend und wirksam zu sein schien. Es handelt sich also um eine mehr oder weniger zeitgenössische Annäherung an das Ereignis, nicht aber um eine authentische Widergabe.
28. Dezember 2005 |
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