Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst (v.l.n.r.). Abschied vor der Abfahrt zur Ostfront, München Juli 1942.

Christoph Probst

20.4.2005
Geboren am 6. November 1919 in Murnau/Oberbayern, zum Tode verurteilt und ermordet am 22. Februar 1943 in München.

Christoph Probst 1941Christoph Probst 1941 (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
Christoph Probst und seine Schwester wachsen in einem Elternhaus auf, das durch religiöse und kulturelle Offenheit geprägt ist. Der Vater erforscht Sanskrit und östliche Religionen. Die Maler Emil Nolde und Paul Klee, die später von den Nazis als "entartet" diffamiert werden, sind Freunde der Eltern. Probst besucht Schulen, die sich humanistisch-liberalen Grundsätzen verpflichtet fühlen. Seine Stiefmutter ist Jüdin, und so erlebt die Familie unmittelbar die Bedrohung durch den Nationalsozialismus.

Im Dezember 1934 tritt Probst in die Hitlerjugend ein, ohne jemals Führungsaufgaben zu übernehmen. Mit dem Abitur 1937 endet seine Mitgliedschaft. Seit 1936 ist er mit seinem Schulkameraden Alexander Schmorell befreundet. Sie gehen wandern, nehmen Fechtunterricht, beschäftigen sich mit Literatur. 1939 hat Christoph Probst den obligatorischen Arbeits- und Wehrdienst hinter sich und beginnt in München sein Medizinstudium. Nach Kriegsbeginn kann er es als Soldat einer Studentenkompanie fortsetzen. Mit 21 Jahren heiratet er Herta Dohrn, 1940 und 1941 werden ihre Söhne geboren. Sein Schwiegervater Harald Dohrn ist ein regimekritisch eingestellter Privatgelehrter, der 1945 kurz vor Kriegsende von den Nazis erschossen wird.

Zitat

Christoph Probst, 27. August 1942

"Auch im schlimmsten Wirrwarr kommt es darauf an, daß der Einzelne zu seinem Lebensziele kommt, zu seinem Heil kommt, welches nicht in einem äußeren Erreichen gegeben sein kann, sondern nur in der inneren Vollendung seiner Person."


Christoph Probst mit seiner Frau HerthaChristoph Probst mit seiner Frau Hertha (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
Im Sommer 1942 trifft Probst Willi Graf; Hans Scholl kennt er bereits durch seinen Freund Alexander Schmorell. Probst nimmt an ihren Lese- und Diskussionsabenden teil. Er wird von Scholl und Schmorell in die Flugblatt-Aktionen eingeweiht. Ab Dezember ist Probst in Innsbruck stationiert. Seine Freunde sind im Monat zuvor von der Ostfront zurückgekehrt und versuchen, Kontakte zu anderen Oppositionellen aufzubauen. Die Gruppe will den Familienvater aus den gefährlichen Aktionen heraushalten, aber Probst nimmt mehrmals an Diskussionen über die Widerstandsarbeit teil. Im Januar 1943 kommt das dritte Kind, ein Mädchen, zur Welt. Seine Frau erkrankt an Kindbettfieber. In den Tagen nach der deutschen Niederlage von Stalingrad verfasst Christoph Probst einen Flugblattentwurf, in dem er auf die Kriegsereignisse eingeht. Darin fordert er: "Hitler und sein Regime müssen fallen, damit Deutschland lebt!" Probst gibt dieses Blatt Hans Scholl.

Christoph Probst mit seinem Sohn MischaChristoph Probst mit seinem Sohn Mischa (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)
Am 20. Februar 1943 wird Christoph Probst in Innsbruck festgenommen. Hans Scholl hat bei seiner Verhaftung zwei Tage zuvor das handschriftliche Manuskript seines Freundes bei sich getragen. Dieses Blatt ist für die Gestapo das einzige Beweisstück, mit dem sie Probst als Gegner des Nationalsozialismus überführen. Dieser erklärt, er habe es, geschockt von Stalingrad und der Krankheit seiner Frau, im Zustand einer Depression geschrieben, grundsätzlich sei er aber ein unpolitischer Familienmensch. Zwei Tage nach seiner Festnahme findet die Verhandlung vor dem Volksgerichtshof statt. Christoph Probst und die Geschwister Hans und Sophie Scholl werden zum Tode verurteilt und am selben Tag durch das Fallbeil hingerichtet. Im Gefängnis lässt er sich katholisch taufen. Zeit für einen Abschied von Frau und Kindern hat er nicht. Christoph Probst wird 23 Jahre alt.

Kirsten Schulz



 

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