
 |
Materialien: Islam in Deutschland
 |
 |

Was ist Islam? |
|
Islam und Islamische Organisationen in Deutschland |
| Johannes Kandel |
Islam: Begriff, Geschichte, Daten
Das arabische Wort "Islam", gebildet aus dem Wortstamm "s–l–m" bedeutet "Hingabe", "Ergebung". Jeder Muslim (wörtlich eine oder einer, die oder der sich Gott unterwirft) ist unmittelbar zu Gott und folgt seinen Geboten, die in den "fünf Säulen" als Minimalkonsens aller Muslime festgelegt sind: Glaubensbekenntnis, rituelles Gebet, Fasten, Almosengeben und die Wallfahrt nach Mekka.
|
 |
Zur Person |
 |
 |
 |
 |
Johannes Kandel Geb. 1950 in Berlin, Dr. phil., Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie, Promotion in Politikwissenschaft mit einer Arbeit über das Verhältnis von Sozialdemokratie und protestantischer Kirche. Seit 1978 Dozent und Akademieleiter bei der Friedrich-Ebert-Stiftung/FES, seit 1999 Referatsleiter Berliner Akademiegespräche/ Interkultureller Dialog in der Politischen Akademie der FES Berlin. Zahlreiche Publikationen zu Grundfragen der politischen Erwachsenenbildung, Religionen und Politik. Letzte Veröffentlichung: "Auf dem Kopf und in dem Kopf" - Der "Kopftuchstreit" und die Muslime, Berlin 2005.
|
 |
 |
|
Mohammed (570-632 n. Chr.) wird als der "Gesandte Gottes" verehrt: kein Gott oder Heiliger, aber ein Mensch, der in einem Zeitraum von 23 Jahren Gottes Offenbarungen erhielt, die mündlich tradiert, dann niedergeschrieben und schließlich im (arabischen) Koran "kanonisiert" wurden. Die zahlreichen Mitteilungen über seine Aussprüche, Handlungen und Taten, "hadithe" genannt (wörtlich "Erzählung", "Gespräch"), gelten als Vorbild und sind ebenfalls fester Glaubensbestandteil ("Sunna", wörtlich "Brauch").
Der Islam entstand als jüngste Offenbarungsreligion im 7. Jahrhundert n. Chr. und ist mit etwa einer Milliarde Anhängern die weltweit am schnellsten wachsende Weltreligion. Etwa 15 Millionen Muslime leben in Westeuropa, die meisten in Frankreich (5 Millionen), gefolgt von Deutschland (3,1 bis 3,5 Millionen), Großbritannien (1,5 Millionen), den Niederlanden (944.000) und Italien (700.000). Das ist im Schnitt ein Bevölkerungsanteil um die 3% – mit steigender Tendenz durch fortschreitende Zuwanderung und Konversionen. Schätzungen gehen von bis zu 20 Millionen Muslimen in Ost- und Südosteuropa aus.
In Deutschland leben 3,1 bis 3,3 Millionen Muslime, die aus 40 verschiedenen Nationen stammen. Sie unterscheiden sich in ethnischer Hinsicht (Türken, Bosnier, Araber, Pakistaner, Albaner etc.), religiösen Grundrichtungen (Sunniten, Schiiten, Aleviten, Ahmadiyya), Religiosität (z.B. "religiöse" und "Kulturmuslime") und religiös-politischen Grundorientierungen (konservativ-orthodox, islamistisch, "säkularistisch" und "sufistisch", d.h. "mystisch").
Der Islam in Deutschland ist stark türkisch geprägt: Rund zwei Millionen Muslime sind Türken, gefolgt von Muslimen aus Bosnien-Herzegowina, den arabischen Staaten und aus dem asiatischen Raum. Die überwältigende Mehrheit gehört der sunnitischen Glaubensrichtung an. 170.000 (nach anderen Schätzungen auch bis zu 220.000) sind iranische Imamiten und Schiiten, rund 400.000 türkische und kurdische Aleviten. 50.000 werden der Glaubensgemeinschaft "Ahmadiyya" zugerechnet, einer aus dem Pandschab stammenden muslimischen Sondergruppe, die von Sunniten und Schiiten als nicht-muslimische "Sekte" ausgegrenzt und verfolgt wird. Über 700.000 Muslime besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft (Eingebürgerte und Konvertiten). Nach sehr ungenauen Schätzungen beträgt die Zahl der Konvertiten deutscher Herkunftssprache zwischen 12.000 und 50.000. Die meisten davon sind Frauen, die einen muslimischen Mann heirateten und konvertierten.
Der Mangel und die Art empirischer Forschungen (eher qualitativ als quantitativ) lässt zur Zeit nur sehr allgemeine Aussagen über die Religiosität, Glaubenspraxis und politische Orientierung der Muslime in Deutschland zu. Etwa ein Drittel von ihnen scheint in engerem Sinne "sehr religiös" zu sein – was bedeutet, dass sie die religiösen Vorschriften beachten, wie tägliches rituelles Gebet, Fasten, Besuch des Freitagsgebetes in der Moschee oder die Bekleidungs- und Speisevorschriften. Ein Drittel kann als "Kulturmuslime" bezeichnet werden, die zwar von Geburt aus Muslime sind, aber ihre Religion eher selten praktizieren. Ein unentschiedenes Drittel bewegt sich zwischen säkularistischen und strengreligiösen Orientierungen.
Muslime beten in ca. 2.600 Gebetsstätten in Deutschland, von denen nur wenige repräsentative Moscheebauten sind, also dem "klassischen" Typus orientalischer Moscheebauarchitektur entsprechen. Solche Moscheen finden sich vereinzelt in den industriellen Ballungsgebieten Nordrhein-Westfalens, in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern und Berlin. Die meisten Moscheen sind sogenannte "Hinterhofmoscheen" – Räumlichkeiten in nicht mehr genutzten Industriegebäuden oder in einfachen Wohnungen.
22. Dezember 2004 |
|

|
 |
 |
Dossier |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Migration
16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben 2010 allein in Deutschland. Was bedeutet das für die Integration? Wie sieht das Asyl- und Zuwanderungsrecht in Europa aus, und welche globalen Trends zeichnen sich ab? |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |

|