Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index


Themen
Gesellschaft
Stadt und Gesellschaft
Segregierte Stadt
Schrumpfende Stadt
Einführung
Interview
Grundlagen
Einblicke
Ausblicke
Unternehmerische Stadt
Überwachte Stadt
Soziale Stadt
Glossar
Links ins Internet
Literatur
Weitere bpb-Angebote
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen
ZMI Universität Giessen Arte netzeitung.de Arte ZMI Universität Giessen taz Kulturstiftung des Bundes Berliner Konferenz Universität Duisburg-Essen Köln International School of Design
Suche
Dossier bpb.de

Grundlagen

Schrumpfende Städte in Ostdeutschland

Deökonomisierung, Depopulation und Deurbanisierung: Christine Hannemann gibt einen ausführlichen Überblick über die Phänomene, Hintergründe und Konsequenzen einer Stadtentwicklung ohne Wirtschaftswachstum.

Schrumpfende Städte in Ostdeutschland - Ursachen und Folgen einer Stadtentwicklung ohne Wirtschaftswachstum


 2 / 5 
weiter

Auszug aus:
Städtepolitik, Aus Politik und Zeitgeschichte (B 28/2003)
Hannemann, Christine
Inhalt
Hoyerswerda ist überall
"Schrumpfung" als altes und neues Phänomen postindustrieller Entwicklung
Die sozialistische Stadt als Hypothek
Die transformierte Stadt: Deökonomisierung, Depopulation und Deurbanisierung
Fazit: Schrumpfende Städte als neuer Normalfall der Stadtentwicklung
"Schrumpfung" als altes und neues Phänomen postindustrieller Entwicklung

Man sollte allerdings nicht meinen, das Schrumpfen von Städten und Regionen sei ein völlig unerwartetes und nicht vorhersehbares Phänomen. Der ökonomische Strukturwandel seit den siebziger und frühen achtziger Jahren offenbarte sich im Niedergang traditioneller Industrieregionen. Deindustrialisierung, Arbeitslosigkeit und Abwanderung waren Krisensymptome jener Regionen und Städte, die bis dahin als Zentren des industriellen Wachstums gegolten hatten. Vor allem die Verschiebung der internationalen Arbeitsteilung, ausgelöst durch den Wandel der so genannten Entwicklungsländer von Rohstofflieferanten zu Standorten industrieller Massenproduktion, verschärfte den Konkurrenzkampf auf dem internationalen Markt. Hatte die Industrialisierung hier seit dem 19. Jahrhundert zu einem explosionsartigen Wachstum städtischer Agglomerationen geführt, so wurde nun eine Implosion dieser Räume konstatiert. Das internationale Wirtschaftsgefüge verschob zum einen die Regionalproportionen und zum anderen das Leitbild wachsender (Groß-) Städte in den entwickelten Industriestaaten. Im Karussell politischer Krisendefinition wurde die herkömmliche Polarisierung "Stadt - Land" durch die nunmehr unterschiedlichen Entwicklungstypen städtischer Agglomerationen überlagert: "Wachstum ist also in Schrumpfung umgeschlagen. Nur noch wenige Städte haben ein stabiles wirtschaftliches Fundament [(...)]"[4] und es entstehen "neue Entwicklungstypen von Großstädten"[5].

Obwohl das neue urbane Problem offensichtlich war, hat dies bis Ende der neunziger Jahre keine wesentlichen wissenschaftlichen und politischen Bemühungen ausgelöst. Angesichts des weitgehend ungebrochenen Festhaltens an der Gleichsetzung von Entwicklung und Wachstum in industriellen und postindustriellen Gesellschaften scheint es berechtigt zu sein, deren ideellen Hintergrund auch in einer "Wachstumsmentalität"[6] zu vermuten. Des Weiteren überlagerten nach 1989 die euphorischen Erwartungen, die in der Umbruchszeit in jegliche Entwicklungsprozesse gesetzt wurden, die warnenden Stimmen all jener, die darauf hinwiesen, dass der "Deindustrialisierungsprozess" auch Ostdeutschland treffen werde.

Angesichts der allgemeinen Strukturprobleme der deutschen Wirtschaft und der besonders prekären Situation in Ostdeutschland erlebt die Forschung zu schrumpfenden Städten und Regionen derzeit eine massive Ausweitung. Hier wird die Brisanz des ausbleibenden wirtschaftlichen Strukturwandels besonders deutlich. Der ostdeutsche Soziologe Wolfgang Engler warnt jedoch zu Recht vor dem Denkfehler, die deindustrialisierte Gesellschaft des Ostens mit der postindustriellen Gesellschaft des Westens zu verwechseln. Die Ursachen des Schrumpfungsprozesses in den ostdeutschen Bundesländern sind nicht in jeder Hinsicht mit denen in der alten Bundesrepublik zu vergleichen.[7]

Ostdeutsche Städte leiden an Systemproblemen, die noch aus der DDR-Zeit rühren und den Schrumpfungsprozess wesentlich mitbestimmen. Dieser ist seit 1989 eng verbunden mit den konkreten Bedingungen und Ergebnissen der gesellschaftlichen Transformation in Ostdeutschland.



Auszug aus:
Städtepolitik, Aus Politik und Zeitgeschichte (B 28/2003)



 2 / 5 
weiter


 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion
Dossier
Demografischer Wandel in Deutschland
Demografischer Wandel in Deutschland
Demografische Entwicklung und fortschreitender Strukturwandel verändern unsere Gesellschaft schon heute spürbar. Damit steigt auch der Druck auf politische und soziale Strukturen – mit Folgen für die Zukunft Deutschlands in Ost und West.
Demografischer Wandel in Deutschland

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home