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Konfliktporträts
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Tschad |
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| Helga Dickow |
Aktuelle Konfliktsituation
Im Schatten des Darfur-Konflikts im Sudan hat sich der Macht- und Ressourcenkonflikt im Tschad zugespitzt. Präsident Déby konnte unter Nutzung der internationalen Militärpräsenz seine Macht stabilisieren. Seine Gegner versuchen, die unübersichtliche Situation im Grenzland zum Sudan und zur Zentralafrikanischen Republik zu nutzen, um ihren Einfluss zu stärken.
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| Französische UN-Soldaten sichern den Flughafen von N’Djamena im Februar 2008. Foto: AP |
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Die Konflikte im Tschad stellen eine Gemengelage aus internen Konflikten um die politische Macht und externen Konflikten in der Region dar, insbesondere im benachbarten Darfur. Im Mai 2009 fand der jüngste Angriff eines Zusammenschlusses tschadischer Rebellengruppen im Osttschad statt. Die sogenannte Union des Forces de la Résistance (UDF), die vom Sudan aus operieret, wurde aber von der tschadischen Armee zurückgeschlagen. Weitaus massiver war der Angriff einer Rebellenkoalition im Februar 2008 auf N’Djamena. Präsident Idriss Déby aus der ethnischen Minderheit der Zaghawa, der seit 1990 an der Macht ist, konnte die Hauptstadt nur mit Hilfe des französischen Militärs halten, das seit 1986 im Tschad stationiert ist. Die Regierung nutzte den Sieg, um die politische Opposition auszuschalten: Parteiführer wurden verhaftet. Der wichtigste Oppositionsführer, Ibni Oumar, kam in der Haft ums Leben. Er war Führer des Parti pour la liberté et le développement (PLD) und Sprecher der Vereinigung der Opposition.
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Zur Person |
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Helga Dickow Dr. Helga Dickow, geboren 1959, seit 1988 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arnold-Bergstraesser-Institut. 1996 bis 1998 war sie am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt, 1999 bis 2002 als Referatsleiterin beim Diakonischen Werk der EKD und von 2002 bis 2004 für die GTZ im Tschad tätig. Forschungsschwerpunkte: Zentrales und Südliches Afrika, Transformationsprozesse, ethnische und religiöse Konflikte, Evangelikale (Charismatische) Kirchen.
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 |  | Der Rebellenangriff stand im engen Zusammenhang mit dem Beginn der EUFOR-Missionder EU im Februar 2008. Sie wurde inzwischen von einer UN-Mission aus 5.500 Blauhelmen abgelöst, die im Tschad und in der Zentralafrikanischen Republik für die 290.000 Flüchtlinge aus Darfur, sowie für fast 200.000 Binnenflüchtlinge im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik ein "sicheres Umfeld" gewährleisten sollen. Die Rebellen wollten vor der Stationierung Fakten schaffen, da sie befürchteten, dass ihnen wegen der ausländischen Truppen kein politischer Umsturz mehr gelingen würde. Mit einem Sieg konnte Déby seine Herrschaft weiter ausbauen; die Präsenz der internationalen Soldaten zum Schutz der Flüchtlingslager trug zur Stabilisierung bei.
Ursachen und Hintergründe
2003 leitete Idriss Déby eine Verfassungsänderung ein, die ihm eine dritte Amtszeit ermöglichte. Politische Gegner, aber auch Weggefährten erkannten, dass ihnen damit der Weg an die Spitze des Staates, und seine Fleischtöpfe vorerst verwehrt bleibt. Denn seit 2003 exportiert das Land Erdöl. Im Mai 2004 fand eine Palastrevolte statt, über die wenig Details nach außen drangen. Im Herbst 2005 unternahmen Zaghawha-Dissidenten einen weiteren erfolglosen Putschversuch und flohen daraufhin in den Sudan. Die Zwillingsbrüder Erdimi, Débys Neffen und langjährige Stützen seines Systems, gründeten den Rassemblement des forces pour le changement (RFC).
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Tschad
Karte: CIA The World Factbook
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Die Beziehungen zwischen dem Tschad und Sudan verschlechterten sich rapide. Sie waren seit der Krise und dem Genozid im Darfur ohnehin angespannt. Zaghawa leben auf beiden Seiten der Grenzen. Im Sudan wurden sie Opfer der Janjaweed, der von der Regierung in Khartum unterstützten Reitermilizen, im Tschad aber sind die Zaghawa an der Macht. Déby wahrte anfänglich Loyalität zu seinem alten Bündnispartner Sudan – schließlich war er selbst 1990 auch aus dem Sudan nach N’Djamena einmarschiert – und vermittelte zwischen den Konfliktparteien. Druck der Zaghawa, die im Sudan wesentlich zahlreicher sind als im Tschad, und die Unterstützung der tschadischen Rebellen durch die sudanesische Regierung bewegten ihn schließlich zu einem Kurswechsel. Inzwischen beherbergen und bewaffnen beide Staaten Rebellengruppen aus dem jeweiligen Nachbarland und lassen sie Stellvertreterkriege führen. Jede Attacke wird mit einem Gegenangriff beantwortet.
Im April 2006 fand ein Angriff der Rebellen um Mahamat Nour auf N’Djamena statt, den Déby, wie auch den Angriff der UFR zwei Jahre später, nur mit logistischer Unterstützung der französischen Militärs zurückschlagen konnte. Es darf nicht übersehen werden, dass die wechselnden Koalitionen der Rebellen eigene Ziele verfolgen und nicht vorrangig demokratische Reformen im Sinn haben: Den Erdimi-Brüdern geht es nach wie vor um die Vorherrschaft unter den Zaghawa. Mahamat Nouri, Führer der Union des forces pour la démocratie et le développement (UFDD), ehemaliger tschadischer Verteidigungsminister und Botschafter in Saudi-Arabien, gehört zur ethnischen Gruppe der Goran und ist ein alter Freund des von Déby gestürzten früheren Dikators Habré.
Bearbeitungs- und Lösungsansätze
Die politische Opposition, die sich aus Protest gegen die Verfassungsänderung zur Coordination des partis politiques pour la défense de la constitution (CPDC) zusammengeschlossen hatte, unterzeichnete im Oktober 2007 unter Vermittlung der EU einen Vertrag mit der Regierung. Danach sollten die seit 2006 überfälligen Parlamentswahlen auf das Jahr 2009 verschoben werden. Zuvor sollte ein neues Wahlgesetz beschlossen, ein aktuelles Wählerregister erstellt sowie die Wahlkreise neu eingeteilt werden. Nur der Führer der Féderation action pour la République (FAR), Ngarlejy Yorongar, verweigerte die Unterschrift. Wegen der Ereignisse vom Februar 2008 wurde das Abkommen nicht umgesetzt. Seither stagnieren der innenpolitische Dialog und Demokratisierungsprozess. Die politische Opposition wurde durch das Verschwinden ihres Führers zum Schweigen gebracht.
Die im Osten des Tschads und der ZAR zur Stabilisierung der Region und zum Schutz der Flüchtlinge aus Darfur stationierte internationale Friedenstruppe kann die Grenzen nur unzureichend sichern. Die Lager und ihre Umgebung bleiben unsicheres Terrain. Dort werden Kindersoldaten weiterhin von Rebellengruppen rekrutiert, Überfälle und Morde an internationalem Hilfspersonal sind keine Seltenheit.
Friedensverträge zwischen dem Tschad und Sudan oder Rebellengruppen hielten nie lange. Sie wurden meist unter libyscher Vermittlung abgeschlossen. So kam es im Oktober 2007 nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen der Regierung und den zwei stärksten Rebellengruppen im Osten wieder zu Gefechten zwischen der tschadischen Armee und einzelnen Rebellengruppen. Am 9.11.2008 nahmen der Tschad und Sudan ihre diplomatischen Beziehungen allerdings wieder auf.
06. November 2009 |
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Informationen zur politischen Bildung |
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Afrika – Länder und Regionen
Afrikas Vielfalt und Afrikas Gemeinsamkeiten: Ein Überblick mit Schwerpunkt auf Politik und Wirtschaft erschließt die fünf Großräume des Kontinents und Länder, die für ihre Region charakteristisch oder besonders bedeutsam sind. |
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