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Gesellschaft: Soziale Aspekte

Leben mit der Hydra

Die Medienwelten von Kindern und Jugendlichen
Hans-Dieter Kübler
Inhalt
Einleitung
Digitale Konjunkturen
Was sind Medienwelten?
Medienangebote: Kinder- und Jugendmedien
Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen
Funktionen und Bedeutungen von Medien
Literatur
Was sind Medienwelten?

Mit besagter Fülle von Medien und Medienprodukten haben sich die Umgangsweisen mit ihnen auch unter Kindern und Jugendlichen enorm differenziert, mitunter sogar schon individualisiert und sie tun dies unaufhörlich weiter. Um diese Vielfalt, Komplexität, Unabgrenzbarkeit und Unvorhersehbarkeit (Kontingenz) einigermaßen angemessen zu umreißen, hat sich der Begriff der "Medienwelten" eingebürgert. Er ist kein präziser, analytischer, sondern eher ein metaphorischer Terminus, nachgebildet dem historischen Begriff der "Lebenswelt", den E. Husserl in seiner Lebensweltphilosophie Anfang des 19. Jahrhundert, A. Schütz und Th. Luckmann in ihrer "phänomenlogischen Soziologie" und J. Habermas in seiner "Theorie kommunikativen Handelns" je unterschiedlich für "vorwissenschaftliche, alltägliche Erfahrungen" reservieren wollen (Waldenfels 1984; Kübler 1993).

In den 80er Jahren sind diese Konzepte von der Medienforschung, besonders durch die Entwicklung qualitativer Methoden (Kübler 1999; Paus-Haase/Schorb 2000), aufgegriffen worden. Mit ihnen soll nun das Gesamt alltäglicher Existenz, und zwar sowohl die maßgeblichen Strukturen wie auch ihre subjektiven Rekonstruktionen durch die Individuen, "grundsätzlich [der] kommunikativ fundierte Handlungs- und Erfahrungsraum" (Krotz 1991, 323f.), analytisch erfasst werden. Fokussiert auf die Medien soll signalisiert werden, dass Medien heute wichtige, wenn nicht die wichtigsten Bestandteile des Alltags darstellen, für Kinder und Jugendliche relevante, wenn nicht die relevantesten Sozialisationsinstanzen geworden sind. In Thesen wie "Kindheit ist heute Medienkindheit" (Charlton/Neumann-Braun 1992), oder "Jugendzeit ist heute Medienzeit" (Baacke u.a. 1990) wird dieser Sicht paradigmatisch Ausdruck gegeben.

Weiter noch argumentiert das Konzept der Selbstsozialisation von Kindern und Jugendlichen: In ihm wird gerade den Medien die Funktion zugeschrieben, dass sich Kinder und Jugendliche aus vorgegebenen, unbeeinflussbaren Entwicklungsnormen lösen und durch ungeplante, möglichst eigensinnige Aneignungen von Medien und Medienprodukten individuelle Identitätsmuster herausbilden können (Mansel 1997; Fromme u.a.1999). Aber ob man die Medien so apostrophiert oder sie nach wie vor zu einflussreichen Momenten struktureller Sozialisation zählt, hängt vom jeweiligen theoretischen Konzept von Sozialisation ab. In einem subjektbezogenen, tendenziell konstruktivistischen Ansatz werden dem Individuum ohnehin eigene Sozialisationsleistungen und Entwicklungsaufgaben zugesprochen; welche es sind, in welchem Maße und wie sie wahrgenommen werden, lässt sich unter den angegebenen Prämissen wachsender Individualisierung ohnehin nicht mehr pauschal ermessen, sondern verlangt differenzierte, subtile Einsichtnahme (Kübler 1997; Kübler u.a. 1998).

Medienwelten umfassen mithin sowohl objektive wie subjektive Komponenten des alltäglichen Medienumgangs. In den eingeführten Begriffen der Kommunikations- und Medienwissenschaften (Kunczik/Zipfel 2001; Burkhart 2002) implizieren sie also die
    Strukturen und Technologien des Medienmarktes;
  • Produkte, Sujets, Genres, Themen, Dramaturgien, Figuren des Medienangebots, die in der Regel durch inhalts- und genrebezogene Medienanalysen aufgearbeitet werden (Kübler 2001a);
  • Erkenntnisse und Daten über die Mediennutzung (Meyen 2001);
  • Theorien und Befunde von Medienwirkungen (Bonfadelli (1999; 2000; Schenk 2002).
Diese Themenfelder lassen sich auf einer ersten deskriptiven Ebene durch die verfügbaren empirischen Daten abbilden, auf einer zweiten, tendenziell erklärenden Ebene werden Zusammenhänge und Bedingungsgefüge erschlossen, und auf einer dritten, abstrakten werden darüber Theorien über Funktionen und Bedeutungen von Medien für Kinder und Jugendliche formuliert – wie jene von der wachsenden Selbstsozialisation durch Medien.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass Dichte und Validität verfügbarer Daten und Erkenntnisse ungleich verteilt sind. Denn die Erhebung empirischer Daten ist aufwändig und teuer. Und sie verkompliziert sich noch, wenn nicht nur Beschreibungsindikatoren für ein soziales Verhalten wie die Mediennutzung ermittelt, sondern Zusammenhänge – Korrelationen – zwischen verschiedenen Sachverhalten zumal in längerer Perspektive ergründet werden sollen, wie es besonders bei der Untersuchung von Medienwirkungen der Fall ist bzw. sein müsste.

Dafür finden sich kaum kontinuierliche Forschungen, sondern fast nur singuläre Momentaufnahmen, die obendrein die a priori komplexe soziale Wirklichkeit unausweichlich für ihre Belange vereinfachen müssen. Gerade für das Untersuchungsfeld der Medienwirkungen, zumal wenn sie sich auf Kinder und Jugendliche richten, existieren viele, weithin kontroverse Spekulationen oder nur dürftig wissenschaftlich gestützte Behauptungen, und ständig kommen neue hinzu, während die wissenschaftlich anerkannten Befunde gemeinhin recht bescheiden ausfallen (Bonfadelli 1999; 2000; Schenk 2002). Hingegen liegen für die Mediennutzung immens viele und differenzierte Daten vor, da sie für die Medienproduzenten von hohem Interesse sind und von ihnen in Auftrag gegeben werden. Allerdings ist bei dieser Interessenslage auch zu berücksichtigen, dass quantitativen Größenordnungen und marktgängigen Trends der Vorrang eingeräumt wird und darüber nicht selten Abweichungen und Besonderheiten außer Acht bleiben, wie zumal an der Ermittlung der Marktanteile und Einschaltquoten für das Fernsehen schon häufig moniert wurde (Klingler u.a. 1998, 955ff; Meyen 2001). So sollte man auch gegenüber noch so vielen positiven Zahlen kritische Distanz wahren (ohne dass man diese in jedem Fall verifizieren kann).

Dazu gehört auch, sich jeweils zu fragen, wie und mit welcher Validität die Daten erhoben worden sind. Außerdem muss über die gewählten Indikatoren nachgedacht werden: Kinder und Jugendliche werden zunächst nach ihrem Alter definiert und zudem in Altersgruppen eingeteilt. Aber dieses Kriterium dürfte infolge diverser Entwicklungen immer weniger ausschlaggebend sein: Diskutiert wird etwa über eine anhaltende Akzeleration der Entwicklung, über eine schnellere Reifung, die durch veränderte Familien- und Umweltverhältnisse, aber gerade auch durch Konsum und Medien angestoßen wird. Auf der anderen Seite wird beklagt, dass die institutionelle Erziehung und Bildung die Heranwachsenden zu lange im Status des (abhängigen) Kindes verbleibt. Ambivalenzen oder gar Widersprüche im Sozialisationsverlauf sind daher kaum zu vermeiden, und es hängt vom einzelnen Individuum ab, wie es sie verarbeitet, aushält oder konstruktiv nutzt.

In postmodernen Gesellschaften lösen sich traditionelle, fest gefügte Sozialisationsstrukturen zunehmend auf, die Biographien zergliedern sich in unplanbare Episoden (in so genannte Patchworks), sie individualisieren sich bis zu einem gewissen Grad (Beck 1986). Hinzu kommen ethnische und soziokulturelle Besonderheiten, die in mobilen, multikulturellen Gesellschaften unterschiedliche Lebensentwürfe in kaum verbundenen Milieus evozieren (Schulze 1993; Hitzler u.a. 2001). Endlich sind die technologischen und ökonomischen Innovationsschübe und ihre einhergehenden sozialen Verwerfungen so gewaltig und beschleunigt, dass sich dadurch soziale Mikrostrukturen wie Familie und jugendliche peer groups ständig und unerwartet verändern.

Von den Kindern und den Jugendlichen lässt sich mithin kaum mehr angemessen sprechen, zumal die Medien- und die Konsum-Märkte selbst darauf abzielen, immer kleinere Zielgruppen-Segmente zu definieren und im Bewusstsein der Adressaten zu formieren, sodass sie noch gezielter mit Produkten und Werbeappellen erreicht werden können: Was für die Drei- bis Sechsjährigen gilt und spannend ist – und bei dieser Altersgruppe setzt der Markt spätestens an – braucht auf die Sieben- bis Zehnjährigen nicht zuzutreffen – und erst recht nicht auf die Elf- bis Dreizehnjährigen. Vollends lassen sich Jugendliche zwischen vierzehn und achtzehn Jahren kaum mehr allein über ihr Alter charakterisieren: Die Schulkarrieren trennen sich, die peer groups, Cliquen und Szenen werden wichtiger als Eltern und Familien, wechseln aber auch entsprechend den Moden und Konjunkturen von Idolen, Musik- und Konsumvorlieben, von Vorbildern und persönlichen Beziehungen immer schneller und unvorhersehbarer, vermischen sich miteinander und differenzieren sich neu aus, sodass "Jugend(sub)kulturen" heute – etwa im Vergleich zu den sechziger Jahren – kaum mehr zu überschauen und zu kennzeichnen sind (Baacke 1999; Farin 2001). Die pauschalen Daten der Mediennutzung können solche Dynamiken und Differenzierungen allenfalls in Ansätzen abbilden; wie alle quantitative Survey-Erhebungen nivellieren sie zum Durchschnitt hin, und sobald sie erhoben und publiziert werden, sind die sozialen Entwicklungen womöglich bereits vorangeschritten.

Auch hinsichtlich der Beachtung der Medien müssen Unterschiede und Besonderheiten berücksichtigt werden. Für die meist kommerzielle Auftragsforschung, die Daten zur Mediennutzung erhebt, sind nicht alle Medien gleich wichtig: Je nach den ökonomischen Potenzialen des Werbe- und Medienmarktes liegen dichte und aktuelle Datensätze vor oder auch nicht. Außerdem steuern die technischen Konjunkturen und Innovationsschübe die analytische Aufmerksamkeit. So werden PC und Internet derzeit am meisten beachtet, obwohl sich ihre Verbreitung und Nutzung längst noch nicht mit beispielsweise der des kaum mehr beachteten Radios messen können – auch nicht bei Jugendlichen: 41 Prozent der Mediennutzungszeit entfielen bei den erwachsenen Bundesbürgern im Jahr 2000 auf das Radio, 37 Prozent auf das Fernsehen und nur drei Prozent auf das Internet – dies allerdings mit noch wachsender Tendenz (Ridder/Engel 2001, 105).

Allein die Nutzung des Fernsehens wird buchstäblich gemessen, durch die so genannten Telemetrie der privaten Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), eine permanente, sekundengenaue Messung der Einschaltung der Geräte und der individuelle Teilnahme bei 5.640 repräsentativ ausgewählten Haushalten mit etwa 13.000 Personen ab drei Jahren (Meyen 2001, 74ff). Alle anderen Daten werden durch aufwändige regelmäßige Befragungen von großen Stichproben (20.000 bis 40.000 Personen) ein- bis zweimal im Jahr ermittelt, wie es die beiden wichtigsten, die Media Analyse (MA) und die Allensbacher Werbeträger Analyse (AWA), tun (Meyen 2001, 56ff). Außerdem werden gesonderte Erhebungen, etwa bei Kindern und Jugendlichen – wie die Kinder-Media- und Jugend-Media-Analysen der Unternehmensberatung Roland Berger, München, oder die Kinder- und Jugend-Medien-Studien des Südwestverbunds – durchgeführt; sie können kommerziell beauftragt sein oder auch von unabhängigen Forschungen durchgeführt werden. Im Juni 2002 legten der Fernsehsender Super RTL und sein Werbezeitenvermarkter IP Deutschland zum zweiten Mal ihre repräsentative Erhebung "Kinderwelten" vor. Ende 2001 waren 963 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren sowie ein Elternteil befragt worden, vor allem zur Mediennutzung, ihren Motiven, vor allem aber zum Vorbildverhalten der Eltern für die Kinder. Dabei räumten nicht wenige Eltern (bis zu 20 Prozent) ihr Desinteresse am Fernsehkonsum ihrer Kinder ein (Gangloff 2002).

Ungeachtet manch methodologischer Unstimmigkeiten, über die sich Experten streiten (siehe Meyen 2001, 61ff), ist die unterschiedliche Qualität der Daten zu bedenken: Denn Befragungen können nur zu Tage fördern und registrieren, was den Befragten bewusst oder durch die Befragung bewusst gemacht worden ist, gleichgültig, ob es dem tatsächlichen Verhalten entspricht oder nicht. Dieses Problem ergibt sich etwa besonders bei alltäglichen, weithin gewohnheitsmäßigen Verrichtungen. Die übliche Frage zu beantworten, wann, wie lange er/sie gestern (oder einige Tage früher) Radio gehört hat, welchen Sender und welches Programm, dürfte bei dieser typischen Nebenbei-Rezeption vielen schwerfallen und erst durch die Frage als ein Problem bewusst werden. Ob die Angaben exakt stimmen, erscheint mehr als fraglich. Ebenso wenig gesteht man Medienkonsumgewohnheiten ein, die gesellschaftlich geächtet oder zumindest als bedenklich eingestuft sind. So weiß die Forschung schon lange, dass Mütter etwa den Fernsehkonsum ihrer Kinder lieber klein reden, wohingegen die Kinder ihn gern übertreiben, da er für sie ein Prestigephänomen darstellt.

Technisch gemessene Daten wie die der Fernsehnutzung sind exakter, sofern ihre Aufnahme klappt, was nicht nur bei Kleinkindern zu bezweifeln ist (Kübler 2000a). Diese Daten entbehren indes jeder subjektiven Einordnung. So sagt die gemessene Einschaltung nichts darüber aus, ob die Panel-Personen tatsächlich ferngesehen haben oder sich nur im Raum mit dem Fernsehgerät aufgehalten und anderweitig beschäftigt haben. Aus wenigen Überprüfungen weiß man, dass die so genannte Aufmerksamkeitsrate bis weit über die Hälfte niedriger ausfallen kann als die Einschaltquote, je nach Tageszeit, Programm und Publikumsgruppe. Und es ist davon auszugehen, dass sich seither diese Proportionen weiter verringert haben – je mehr auch das Fernsehen zu einem Nebenbei-Medium geworden ist oder wird, was gerade für Jugendliche zutrifft, wenn sie ihre bevorzugten Musikclips konsumieren. Bei der Medienfülle muss es die Aufmerksamkeit mit anderen Medien teilen, und beim beliebten Zappen oder Switchen kann es nur für Bruchteile Aufmerksamkeit erwischen. Doch da die Einschaltquoten mittlerweile als Währungen für Marktanteile, Publikumsakzeptanz und Werbepreise fungieren, ist kein Programmveranstalter an ihrer schonungslosen Überprüfung interessiert (Klinger u.a. 1998). Als positive Belege für die Mediennutzung müssen daher die telemetrischen Daten wie die Befragungsergebnisse in ihrer speziellen Relativität akzeptiert werden, zumal andere kaum und nur für einige Aspekte vorhanden sind.

Die meisten Daten zur Mediennutzung werden punktuell erhoben, mit singulären Zielen und Methoden; Entwicklungen bilden sie daher nicht ab und diese können aus vagen Vergleichen auch nicht gefolgert werden. Allein die Telemetrie verfügt über besagtes festes Panel, das sie angeblich kontinuierlich, entsprechend den demografischen Veränderungen repräsentativ aktualisiert. Als ganz seltene Ausnahme kann gelten, dass ARD und ZDF seit 1964 die Langzeitstudie "Massenkommunikation" durchführen, die mit weit gehend identischem oder nur überlegt modifiziertem Instrumentarium Mediennutzungen und -bewertungen der (bundes)deutschen Bevölkerung vornehmlich hinsichtlich der tagesaktuellen Medien Tageszeitung, Hörfunk und Fernsehen erheben (2000 kommt das Internet hinzu), im Jahr 2000 mit der achten Welle (Ridder/Engel 2001; van Eimeren/Ridder 2001; Engel/Best 2001) – allerdings nur für das Publikum ab 14 Jahre, sodass Kinder außer Acht bleiben.

Seit 1997 wird ebenfalls von ARD und ZDF die Online-Studie durchgeführt, im Jahr 2001 zum fünften Mal, wiederum nur für die erwachsene Bevölkerung ab 14 Jahren. Bei der letzten Tranche wurde erstmals danach gefragt, wie in den Internet-Haushalten User unter 14 Jahren an das Internet herangeführt werden und wie Eltern deren Internetkompetenz aus erzieherischer Sicht bewerten, sodass diese neue Dimension von Mediensozialisation einbezogen werden kann (van Eimeren/Gerhard/Frees 2001). Auch die repräsentative Erhebung "Leseverhalten in Deutschland" der Stiftung Lesen u.a. (2001; Franzmann 2001) kann für das Leseverhalten der ab 14-jährigen berücksichtigt werden, da sie es mit einer Erhebung aus dem Jahr 1992 vergleicht (Franzmann 2001). Das Siegener Zentrum für Kindheits-, Jugend- und Biografieforschung unter Leitung Jürgen Zinneckers hat 1991 in Nordrhein-Westfalen 8.000 Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren zu ihren Lebensumständen, -gewohnheiten und -perspektiven gefragt, wobei unter die Freizeitbeschäftigungen natürlich auch Medien fallen (Zinnecker u.a. 2002). Als weitere langfristig wiederholte empirische Erhebung sind die Shell Jugendstudien anzuführen, die im Jahr 2000 in ihrer 13. Version erschienen; aber auch sie erfassen nur die 15- bis 24-jährigen und nicht die Kinder (Deutsche Shell 2000). Für Jugendliche kann ferner eine längerfristige qualitative Studie des Deutschen Jugendinstitut in Betracht kommen, die 22 Jugendliche von 1992 bis 1998 während ihrer Adoleszenz von 13 bis 20 Jahren begleitete (Barthelmes/Sander 1997; 2001; Sander 2001), und ebenfalls berücksichtigt werden kann eine qualitative Studie des Münchener Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF), die über 200 Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren danach befragte, welche Funktion und welchen Stellenwert für sie Informationen bzw. als informativ erachtete Angebote im Fernsehen haben (Eggert 2001).

Unter der Ägide des Südwestrundfunks hat sich seit Sommer 1995 der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest gebildet, deren MitarbeiterInnen inzwischen durch eigene Erhebungen wie im Rückgriff auf die GfK-Daten das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen recht solide und umfänglich aufarbeiten, sodass dafür nunmehr genügend empirische Anhaltspunkte vorliegen. Sie legten 1998 und 2000 jeweils Erhebungen für das Medienverhalten für Kinder (KIM) (Feierabend/Klingler 1999; 2001) und 1999 und 2001 für Jugendliche (JIM) im Alter von zwölf bis 19 Jahren vor (Gerhards/Klingler 1999; Feierabend/Klingler 2000; Gerhards/Klingler 2001; Feierabend/Klinger 2002). Dass ihre Daten nicht mit anderen Erhebungen abgeglichen werden – wie etwa mit den Shell-Jugendstudien und diese nicht umgekehrt mit jenen –, unterstreicht ein weiteres Dilemma dieser Forschung. Die Befunde gelten jeweils nur für die eigenen Erhebungen, und wenn man sie mit anderen vergleicht, finden sich etliche Ungereimtheiten.


06. Dezember 2005

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