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Boden

Das versiegelte Land


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Ulrich Kriese
Für den Bau von Straßen und Häusern werden große Flächen unter Beton und Asphalt begraben. Darunter leidet der Boden, aber auch die Ökologie ganzer Landstriche, wenn etwa die Lebensräume von Tieren in kleinere Teile zerschnitten werden.

Strasse_420
Gerade fertiggestellte Autobahn A 73. Foto: AP
Gegenwärtig werden in Deutschland jeden Tag über 100 Hektar freie Landschaft zersiedelt und versiegelt. Das sind rein rechnerisch 12 Quadratmeter in der Sekunde. Der größte Teil hiervon geht auf das Konto neuer Wohn- und Gewerbegebiete und zu Lasten landwirtschaftlich genutzter Fläche. Rund ein Viertel wird zu neuen Straßen und anderen Verkehrswegen. Hinzu kommen Grün- und Erholungsflächen, Parks, Friedhöfe und Gärten, da sie nicht zur freien Landschaft gehören, sondern als Siedlungsgrün betrachtet werden müssen.

Zur Person
Ulrich Kriese
Geb. 1967, Siedlungspolitischer Sprecher des Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU). Seit 2009 Mitarbeiter der Stiftung Edith Maryon. Arbeitsschwerpunkte: Nachhaltige Stadt- und Siedlungsentwicklung, nachhaltiges Bauen und Immobilieninvestment.

  • Versiegelter Boden kann seine Funktion für die Grundwasserneubildung und -reinhaltung nicht mehr erfüllen. Insbesondere bei starken Regenfällen und ungünstiger Wetterlage kommt es zu erhöhtem Oberflächenabfluss und damit zu einer Beeinträchtigung des Wasserhaushalts mit der Folge einer wachsenden Hochwassergefahr.
  • Vor allem durch Verkehrswege wird die Landschaft und damit der Lebensraum von Tieren und Pflanzen immer stärker zerschnitten. Biotope werden geschädigt oder zerstört, Wanderkorridore werden unterbrochen und Tiere mit größeren Aktionsradien verlieren ihren Lebensraum. Die Flächenzerschneidung gilt als eine wesentliche Ursache des Artenverlustes.
  • Durch die Flächeninanspruchnahme werden auch und gerade siedlungsnahe Erholungslandschaften beeinträchtigt oder gehen gar verloren. In der Folge müssen für das Naturerleben immer weitere Strecken zurückgelegt werden.
  • Es entstehen zusätzliche Verkehrsbelastungen durch längere Wege, somit mehr Lärm und klima- und gesundheitsschädliche Emissionen, verstärkt durch eine nicht ausreichend dichte Bebauung und die meist fehlende oder ungenügende Anbindung neuer Baugebiete an die Netze des öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs.
  • Bebaute Flächen behindern die Abkühlung bodennaher Luftmassen und reduzieren den Luftaustausch und damit regionale Luftbewegungen.
  • Schädigung und Verlust fruchtbarer Böden, somit Verlust von Flächen zum Anbau von landwirtschaftlichen Erzeugnissen sind die Folge.
Auswirkungen auf die Gesellschaft

Immer deutlicher werden aber auch die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Landschaftsverbrauchs, die ein Umdenken erforderlich machen. Kurze Wege und lebendige Orte gewährleistende Nutzungsmischungen zwischen Wohnen, Handel und Gewerbe sowie belebte Innenstädte und Stadtteilzentren gehen zunehmend zugunsten großflächiger Gewerbegebiete und eintöniger Einfamilienhaussiedlungen am Stadtrand verloren. Mit dem Wegzug derer, die in der Stadt keine für sie attraktiven Wohnbedingungen finden, verändern sich die sozialen Strukturen in ganzen Stadtteilen.

Grafik_Flaechenverbrauch
Grossansicht des Bildes
Quelle: "Aktiv für Landschaft und Gemeinde! - Leitfaden für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung", Hrsg. BfN (u.a.), Autor: Ulrich Kriese
Trotz stagnierender beziehungsweise in immer stärkerem Maße auch zurückgehender Bevölkerung weisen viele Kommunen neue Wohn- und Gewerbegebiete aus, überbieten sich dabei noch gegenseitig und erhoffen sich dadurch zusätzliche Steuereinnahmen oder die Möglichkeit, ihren Haushalt zu sanieren. Studien zeigen jedoch, dass sich neue Baugebiete für die Kommunen aus finanzieller Sicht bestenfalls als neutral erweisen. Zusätzliche Einnahmen und Ausgaben aufgrund eines Neubaugebietes halten sich meist gerade die Waage, wobei in den ersten Jahren die zusätzlichen Ausgaben deutlich überwiegen. Werden weitere Folgekosten ehrlich einbezogen, erweisen sich Neubaugebiete häufig sogar als Zuschussgeschäft und sind somit grundsätzlich ungeeignet, um einen Gewinn für den Haushalt einer Kommune zu erwirtschaften. Der interkommunale Wettbewerb um Einwohner und Arbeitsplätze verliert damit eine seiner wichtigsten Begründungen. Eine kosteneffiziente, sprich Flächen sparende und Landschaft schonende Siedlungsentwicklung ist folglich auch ökonomisch vernünftig.

Die Rechnung geht nicht auf

Ehrlich gerechnet ist das Bauen auf der "grünen Wiese" auch für den Privathaushalt unattraktiv. Sind für den Hauskauf weniger Mittel nötig, weil ein günstiges Grundstück in peripherer Umgebung statt innerorts gewählt wurde, steigen die Mobilitätskosten, da sich die Wege zur Schule, zu Freunden, zum Sport oder zum Einkaufen verlängern. Am höchsten sind die damit verbundenen Kosten, wenn das Haus nur mit dem PKW zu erreichen ist.

Ungerechterweise zahlen Haushalte in dicht bebauten zentralen Lagen mehr Gebühren zum Unterhalt der öffentlichen Infrastruktur als eigentlich nötig, weil eine dichte Bebauung höchst effizient ist. Deren Zuviel an Gebühren wird aber benötigt, um die überdurchschnittlichen Ausgaben für die Infrastruktur in den Randlagen zu decken. Denn die Haushalte dort zahlen deutlich weniger Gebühren, als zum Erhalt der Infrastruktur eigentlich nötig ist.

Diese stark lageabhängigen Kosten beeinflussen mittelbar natürlich auch den Wert von Immobilien. Wegen der insgesamt rückläufigen Bevölkerungszahl und der rückläufigen Immobiliennachfrage mit entsprechendem Preisverfall gelten Immobilien in Randlage somit schon heute längst nicht mehr als sicherste Form der Altersvorsorge.


30. März 2009

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