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Nach 1989
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Wie Jugendliche / junge Erwachsene die deutsche Einheit erleben |
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Die Sächsische Längsschnittstudie |
| Hendrik Berth, Peter Förster, Elmar Brähler, Yve Stöbel-Richter |
| Im Herbst des Jahres 1987 befragte das Zentralinstitut für Jugendforschung der DDR über 1.200 Schüler und Schülerinnen der 8. Klassenstufe in den DDR-Bezirken Leipzig und Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) mit einem Fragebogen zu ihren Einstellungen, Meinungen, Werten, zu ihrer Mitarbeit in der Schule und in Jugendorganisationen und zu vielen anderen Dingen.
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| Eine Gruppe Jugendlicher in der Eingangshalle des Bahnhof Lichtenberg (Berlin, Weitlingstraße) im November 1990. Foto: cc_Kai-Annett Becker_nc_nd |
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Die Schüler waren 1972/1973 geboren, also zu diesem Zeitpunkt ca. 14 Jahre alt. Die Stichprobe war repräsentativ für diesen DDR-Geburtsjahrgang. Auch 1988 und im Frühjahr 1989 wurden dieselben Schüler nochmals befragt.
Die 1987 begonnene Studie wurde auch nach dem Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung 1990 bis heute unter dem Namen "Sächsische Längsschnittstudie" fortgesetzt (www.wiedervereinigung.de). Es ist die einzige Studie, die in dieser Weise seit nunmehr 22 Jahren eine große, identische Gruppe Ostdeutscher zum Erleben der deutschen Einheit befragt. Sie dokumentiert in einmaliger Weise den gravierenden Wandel, der sich bei Ostdeutschen des Geburtsjahrganges 1973 zwischen ihrem 14. und 35. Lebensjahr (2008) in Bezug auf ihr politisches Bewusstsein vollzogen hat– ausgelöst durch das Ende des politischen Systems der DDR und des realen Sozialismus, die damit verbundenen, zum Teil einschneidenden Veränderungen während und nach der Wende sowie das unmittelbare Erleben des kapitalistischen Systems.
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Zur Person |
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Dr. Hendrik Berth ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden. Er betreut die "Sächsische Längstschnittstudie" 1987-2009. Diese beschäftigt sich langfristig und grundsätzlich damit, was seit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik in den Köpfen junger Ostdeutscher, besonders in Bezug auf ihr politisches Bewusstsein vor sich gegangen ist. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Kulturvergleichende Psychologie sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Ost- und Westdeutschen.
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 |  | Die Teilnehmer der Studie sind inzwischen (2008) etwa 35 Jahre alt. 54 Prozent von ihnen sind Frauen. Fast alle haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, 25 Prozent haben studiert. Die meisten Teilnehmer leben mit einem Partner zusammen und 68 Prozent haben auch Kinder. 25 Prozent leben mittlerweile in den alten Bundesländern bzw. im Ausland.
In der ersten Phase vor der Wende, zwischen 1987 und Frühjahr 1989, d. h. in der Endzeit der DDR, dokumentierte die Untersuchung den zunehmenden Abbau des politischen Bewusstseins der Panelmitglieder und ihre wach-sende Distanz gegenüber der Politik der SED. In ihrer zweiten Phase (seit Frühjahr 1990) begleitet sie nun den Weg der Teilnehmer aus dem Gesellschaftssystem der DDR in das der Bundesrepublik und somit vom DDR-Bürger zum Bundesbürger.
Zustimmung zur deutschen Einheit
Die deutsche Wiedervereinigung wird von den Teilnehmern seit 1990 konstant als etwas sehr Positives erlebt (Abbildung 1). Zwischen 70 und 90 % geben an, dass sie sehr dafür bzw. eher dafür sind (Frage: "Wie stehen Sie zur Vereinigung von DDR und BRD?"). Nur eine Minderheit ist dagegen. Das geeinte Deutschland ist für die meisten von ihnen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Sie haben von ihm Besitz ergriffen, erkennen die sich aus der Vereinigung ergebenden Vorteile an und nutzen sie pragmatisch für ihre Persönlichkeitsentwicklung und ihre berufliche Karriere.
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Etwas weniger positiv beurteilen die Wiedervereinigung allerdings Teilnehmer der Studie, die mehrfach arbeitslos waren oder nur ein niedriges Einkommen haben. Als "Gewinner" der Einheit versteht sich zwar rund die Hälfte der Panelmitglieder, ohne Einschränkung wurden dies aber nur 15 Prozent von sich behaupten. Auffallend wie bei kaum einer anderen grundlegenden Frage sind hierbei auch die gegenüber den Männern durchgehend kritischeren Auffassungen der Frauen: Mehr oder weniger als "Gewinner" sehen sich 62 Prozent der Männer, aber nur 38 Prozent der Frauen.
Die formale Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands vor fast 20 Jahren ist für die befragten Ostdeutschen nicht gleichbedeutend damit, dass die alten und neuen Länder auch sofort auf allen Gebieten, wirtschaftlich, sozial usw. gleichgestellt waren.
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Seit 1990 wurde in der Sächsischen Längsschnittstudie gefragt, wie lange es wohl noch dauern wird, bis Ost- und Westdeutschland tatsächlich wirtschaftlich gleich stark sein werden und wann die so genannte "innere Einheit" Deutschlands hergestellt sein wird (Abbildung 2). Unmittelbar nach der Wiedervereinigung 1990 meinten die Teilnehmer, es werde noch etwa sechs Jahre bis zur wirtschaftlichen und acht Jahre bis zur "inneren Einheit" dauern. Diese geschätzte Zeitspanne hat sich in den nachfolgenden Jahren stets weiter nach hinten verschoben. Im Jahr 2006 (20. Erhebungswelle) wurde die wirtschaftliche Einheit für das Jahr 2023 und die "innere Einheit" für 2028 angenommen. Im Jahr 2023 werden die Teilnehmer der Sächsischen Längsschnittstudie 50 Jahre alt sein. Bis zu einer vollkommenen Herstellung der deutschen Einheit wird es also nach Meinung der Befragten noch sehr lange dauern.
29. Juni 2009 |
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Wettbewerb |
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einheitspreis 2011
Der "Bürgerpreis zur Deutschen Einheit" zeichnet Menschen und Initiativen aus, die das Zusammenwachsen von Ost und West vorangebracht haben. Mehr Infos finden Sie unter einheitspreis.de |
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Dossier |
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Geschichte und Erinnerung
Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum. |
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DVD |
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Damals in der DDR - Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte
Wie war es "Damals in der DDR"? Auf der DVD-ROM schildern Zeitzeugen ihr Leben im "real existierenden Sozialismus" in der DDR-Diktatur. Ergänzt durch Originaldokumente entsteht dadurch ein facettenreiches Bild des Alltags. |
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Schriftenreihe (Bd. 619) |
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Wohin treibt die DDR-Erinnerung?
Debatte rund um den zukünftigen Umgang mit der DDR-Vergangenheit und die Schaffung eines Geschichtsverbundes "Aufarbeitung der SED-Diktatur". |
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Schriftenreihe (Bd. 482) |
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Teilung und Integration
Für die politische Bildung ist die deutsch-deutsche Thematik nach wie vor aktuell. Anhand von Fallstudien werden aus fachwissenschaftlicher und didaktischer Sicht Themen wie Herrschaft und Legitimation, Umgang mit der NS-Vergangenheit und Jugend bearbeitet. |
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fluter (Nr. 30) |
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DDR
Das Beste an der DDR war ihr Ende. Geschichten aus den Zeiten vor dem
Mauerfall und danach - jetzt in fluter. |
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