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Interview: Was ist Open Source?

Offener Code für eine offene Gesellschaft


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Vera Franz
In einem Satz: Was ist Open Source?

Open Source ist eine Software, die dem Nutzer Freiheiten gibt – ganz kurz gesagt. Gemeint sind damit die bekannten "vier Freiheiten": die Freiheit, die Software zu jedem Zweck zu benutzen; sich die Software anzuschauen und sie zu verändern; die Freiheit, die Software zu kopieren und weiterzugeben, das heißt, mit jemandem zu teilen, so dass dieser die Software auch benutzen kann; schließlich die Freiheit, die Software zu verbessern und diese Verbesserungen ebenfalls weiterzugeben.

Zur Person
Vera Franz arbeitet seit 2001 für das Open Society Institute, wo sie die Programme für Internetrecht und -politik und Urheberrechte leitet. Die vom Investmentbanker George Soros gegründete Stiftung setzt sich für Demokratie, Menschenrechte und soziale Reformen ein.

Wenn man sich die Produzenten von Open Source-Software anschaut: Was treibt sie an, etwas kostenlos wegzugeben? Was ziehen sie daraus?

Freie Software erlaubt dem Entwickler, sich den Code anzuschauen. Am besten versteht man das, wenn man es mit proprietärer Software vergleicht. Die erlaubt einem nicht, sich den Code anzusehen, das heißt, man hat nicht die Möglichkeit, zu verstehen, wie die Software funktioniert und warum sie funktioniert, wie sie funktioniert.

Am besten lässt sich das verstehen, wenn man Analogien benutzt, und eine, die man hier vielleicht verwenden könnte, ist das Auto. Wenn ich ein Auto kaufe, dann würde mir die freie Software – übertragen – erlauben, mir auch die Mechanik anzuschauen und zu verstehen, wie das Auto innen drin funktioniert. Selbst wenn ich nicht dazu ausgebildet bin und nicht die Fähigkeit dazu habe, kann ich zumindest einen Mechaniker fragen, ob der sich ein Problem anschaut und mir erklärt, warum das Auto nicht mehr geht. Man hat mehr Kontrolle und dadurch Freiheit über das Produkt, das man gekauft hat und mit dem man bestimmte Sachen machen möchte – im Falle des Autos: durch die Welt zu fahren, und im Falle der Software: zu zeichnen, zu schreiben, Musik zu produzieren.

Wenn man das umlegt auf die proprietäre Software, dann hätte ich sozusagen ein Auto, das ich mir selber nicht anschauen kann. Wenn es kaputt ist, kann ich nicht die Motorhaube aufmachen, ich kann auch keinen Mechaniker fragen, sondern ich muss zurückgehen zum Hersteller. Und der hat ein exklusives Recht, sich diese Software anzuschauen und mir zu berichten, was das Problem war. Das Problem dabei ist, dass es eben meistens nur ein Hersteller ist, nur eine Firma.


05. Januar 2007

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